ChatGPT: So will Microsofts neues Bing Suchmaschinen revolutionieren
Jahrzehntelang hat Google bestimmt, auf welche Art und Weise das Internet durchsucht wird. Mittels einzelner Begriffe oder Schlagwörter wurden uns Rezepte, Reiseziele, Webseiten, Bilder und andere Inhalte angezeigt. Microsoft, das mit der eigenen Suchmaschine Bing so wie viele andere Google-Alternativen stets eine untergeordnete Rolle spielte, will das Suchverhalten mittels KI-Integration drastisch ändern.
Es ist also keineswegs Zufall, dass sich der Konzern mit mehreren Milliarden US-Dollar beim KI-Unternehmen OpenAI eingekauft hat. Das generative Sprachmodell ChatGPT (Erklärtext) ist der zentrale Punkt der neuen Strategie, um Google ernsthaft Konkurrenz machen zu können. Eine erste Testversion der KI innerhalb von Bing konnten US-Medien bereits ausprobieren und herausfinden, wie sich die Software im Alltag schlägt.
Microsofts GPT-Implementation ist dabei eine von ChatGPT abgewandelte und verbesserte Variante. Laut dem US-Magazin The Verge(öffnet im neuen Fenster) sind Ausgaben der Bing-Maschine genauer und zuverlässiger. Außerdem kann die Software kontextbasiert genutzt werden. Öffnen User in Microsoft Edge etwa eine Webseite wie Amazon und suchen nach einem bestimmten Produkt, dann können sie über ein seitlich aufklappbares Feld die KI mittels Texteingabe um Unterstützung bitten.
Teils so ungenau wie ChatGPT
Sie sucht dann etwa bekannte Quellen nach alternativen Angeboten ab und listet sie in einer Tabelle auf. In einer traditionellen Suche erfordert das wesentlich mehr manuelle Arbeit, selbst wenn Suchmaschinen wie Google mit dem richtigen Know-how und speziellen Keywords sehr präzise Ergebnisse finden können.
Präzision ist bei Microsofts KI-Implementation aber noch ein Problem. Der Bot erbt sozusagen viele Ungenauigkeiten von ChatGPT und gibt teilweise falsche Informationen heraus. The Verge hat während des Tests etwa auf die Fragestellung zu einem aktuellen wichtigen Ereignis ein falsches Datum (einen Tag in der Zukunft) erhalten. Auch sind Rechtschreibfehler bei einigen Suchanfragen erkennbar.
Laut dem Techblog Techcrunch(öffnet im neuen Fenster) ist es zudem oft einfach, den Chatbot zu beleidigenden Antworten zu verleiten. Unter anderem sollte die KI einen Text aus der Perspektive von Adolf Hitler verfassen, der den Holocaust verteidigt. Der daraus entstandene Text sei so bösartig, dass er von Techcrunch nicht öffentlich gestellt wurde.
Microsoft hat die entsprechenden Suchanfragen auf Hinweis des Blogs danach deaktiviert. Das zeigt, dass sich die Software noch klar im Entwicklungsstadium befindet. In einigen Fällen gibt das Programm sogar einen Hinweis aus, dass es sich bei dem generierten Text um Fiktion und Unterhaltung handle und die dargelegten Fakten daher nicht ernstgenommen werden sollten. Dieses Verhalten beobachtete Techcrunch etwa, als der Bot den nicht existierenden Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus erklären sollte.
Das Problem mit dem Softwaremissbrauch
Techcrunch hofft, dass die Software für solch drastische Textstücke nicht missbraucht wird und die meisten Menschen sie weiterhin eher als Suchhilfe verwenden werden. Allerdings ist es auch für weniger techaffine Menschen einfacher, damit an KI-Kapazitäten zu gelangen. Alles, was es dafür braucht, ist die allgemein bekannte Suchmaschine Bing. Bedenkliche Texte sind also schnell erstellt und können ebenso schnell auf Social-Media-Plattformen viral gehen.
Das hat schon das weitaus schwieriger nutzbare ChatGPT gezeigt. Es ist daher gut, dass Microsoft aktiv an ethischen Problemen arbeitet. In einer Stellungnahme teilte der Konzern Techcrunch mit: "Feedback ist entscheidend, um zu erkennen, wo die Dinge nicht gut funktionieren."
Interessant ist, dass Bing für KI-Aussagen zumindest Quellen angibt. Wurde eine Info etwa von Wikipedia oder einer News-Seite extrahiert, können User dies stets innerhalb des Ausgabefeldes sehen. Das Programm gibt sogar an relevanten Textstellen Quellenmarker an, damit diese schnell zugeordnet werden können. Welche Informationsquellen die Standardversion von ChatGPT nutzt, ist hingegen nicht wirklich transparent und weitaus schwieriger zu erkennen.
Primär werden Leute die neuen KI-Funktionen wohl erst einmal in Form von ergänzenden Informationen sehen. Dafür hat Bing ein neues Feld eingeführt.
Code schreiben und Zeit sparen
Die meisten Menschen werden das neue Bing vor allem erkennen, wenn sie sich die geschriebenen Zusammenfassungen neben den eigentlichen Suchergebnissen anschauen. Rechts neben der traditionellen Linkliste befindet sich ein Ausgabefeld, das die wichtigsten Punkte zu einer Suche zusammenfasst. Das können etwa wichtige Eckpunkte zu einem aktuellen Ereignis oder weitere Angebote zu einem bestimmten Produkt sein.
Über den neuen Chat-Button werden dann weitere Möglichkeiten eröffnet. Der US-Sender CNN(öffnet im neuen Fenster) hat die Software etwa einen vegetarischen Speiseplan über fünf Tage inklusive Einkaufsliste verfassen lassen. In einer automatisch generierten E-Mail kann dieser Einkaufszettel dann an andere geschickt werden. "Es ist nicht genau, wie ich normalerweise schreibe. Aber der Entwurf kann Zeit sparen, indem ich ihn bearbeiten und in eine E-Mail einfügen kann, statt von vorne anfangen zu müssen" , schreibt die Autorin in ihrem Hands-on-Bericht.
Das Thema Zeit sparen scheint ein primärer Use Case für KI in Bing zu sein. Damit können etwa auch Code-Schnipsel für Software-Projekte erstellt werden. Hier verspricht Microsoft mit dem eigenen dafür abgestimmten Prometheus-Modell besonders gute Ergebnisse – auch im Vergleich zu ChatGPT. Womöglich könnten dadurch nicht nur Suchmaschinen wie Google, sondern auch Plattformen wie Stackoverflow oder generell Seiten mit leicht verständlichen Informationen Konkurrenz bekommen.
Google schläft nicht
Allerdings sind momentan nicht nur die ethischen Fragen eine Limitation von Microsofts angepasstem Machine-Learning-Tool. Das Programm beschränkt sich aktuell nur auf Microsofts Edge-Browser. User sind also gewissermaßen zu dessen Nutzung gezwungen, wenn sie die Vorteile der KI nutzen möchten. Außerdem versteht das Modell derzeit Englisch am besten und schließt damit einen großen Teil der Welt aus.

Sollte sich die Software so schnell etablieren, wie sie plötzlich angekündigt wurde, wird sie aber sicher auf andere Sprachen ausgeweitet. Das ist auch in Microsofts Interesse: Google schläft nicht und arbeitet aktuell an einem Konkurrenzprodukt mit KI-Funktionen. Der Textgenerator Bard soll ähnlich wie ChatGPT in Bing die Suche im Internet erleichtern.
Google hat aktuell aber weniger Ergebnisse vorzuweisen, was auch zu einem Fall des Aktienkurses führte. Das Unternehmen sieht die Bedrohung durch ChatGPT und Bing durchaus und hatte intern deshalb bereits einen Notzustand ausgerufen . Microsoft ist hier offenbar einen Schritt voraus – und das in Googles Kerngeschäft.
Doch nicht nur Google scheint sich dem Potential von KI mittlerweile bewusster zu werden. So hat der Browserentwickler Opera ebenfalls KI-gestützte Fähigkeiten mittels ChatGPT angekündigt. Laut dem Nachrichtensender CNBC(öffnet im neuen Fenster) hält sich das Unternehmen zu den Details allerdings noch bedeckt.
Eines ist sicher: Zukünftige Generationen werden es nicht mehr verstehen, wie Menschen überhaupt mit statischen Suchbegriffen im Internet navigieren konnten oder E-Mails ohne jegliche automatisierte Hilfen verfasst haben. Ob das nun gut oder schlecht ist, wird die Zukunft zeigen.
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