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Change-Management: Die Zeiten, sie, äh, ändern sich

Einen Change zu wollen, gehört heute zum guten Ton in der Unternehmensführung. Doch ein erzwungener Wandel in der Firmenkultur löst oft keine Probleme und schafft sogar neue.

Ein Erfahrungsbericht von Marvin Engel veröffentlicht am
"The times they are a-changin'" sang schon Bob Dylan. Aber nicht immer ist Change nötig.
"The times they are a-changin'" sang schon Bob Dylan. Aber nicht immer ist Change nötig. (Bild: STEPHEN MATUREN/AFP/Getty Images)

"Wir brauchen einen Change", tönt es durch die Chefetagen. Eigentlich kann das Wort Change-Management heute überall angebracht werden. Ob das Kassensystem beim Bäcker modernisiert wird, Oma ein Smartphone erhält oder ein Unternehmen eine komplett neue strategische Ausrichtung benötigt. Change ist überall. Alles und jeder soll sich verändern, um besser zu werden und zukunftsfähig zu sein. Sinnvoll ist das aber nicht immer. "Never change a winning team", heißt es. Trotzdem wollen manche Unternehmen einen Wandel erzwingen - einige sogar, ohne überhaupt ein Problem zu haben.

Das ist wie mit dem Buch, das man zu Präsentationszwecken in sein Regal stellt: "Schaut her, was ich gelesen habe!" Unternehmen nutzen ihre Change-Absichten zum Selbstzweck und um zu präsentieren, wie modern und wandlungsfähig sie sind, ohne die möglichen negativen Folgen zu beachten, wie ich als Berater in IT-Unternehmen oft erlebe.

Interessant ist, dass nur 20 Prozent der Unternehmen ihre Change-Projekte als erfolgreich bewerten. Trotzdem setzen selbst die Big Player wie Google auf eine Change-Kommunikation. Ein Change kann bedeuten, dass ein Unternehmen eine neue Software einführt, einen Prozess umstellt oder die gesamte Unternehmenskultur ändert. Grundsätzlich ist Change etwas Positives, denn oft brauchen Veränderungen einen begleitenden Change-Prozess, um wirklich effektiv eintreten zu können. Umso trauriger ist der steigende Missbrauch von Change-Management für unsinnige Umstellungen oder Veränderungen, die nur auf dem Papier existieren.

Der Satz "Ändert lieber weniger" wird nicht gern gehört

Als ich in einem Projekt als Berater in ein Unternehmen kam, das sich eine Strategie für sein Change-Projekt wünschte, suchte ich lange vergeblich nach den Gründen für diesen Wunsch. Die Gewinne stimmten, die Mitarbeiter waren größtenteils zufrieden, die Produkte waren innovativ und das Unternehmen wuchs in einem gesunden Maß. Trotzdem sollte unbedingt ein Change her, ein Umdenken, ein Neu-Machen, ein Besser-Werden. Die Geschäftsführung hatte das Gefühl, ohne einen Change nicht für die Zukunft gewappnet zu sein.

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Der Wunsch in allen Ehren, ich konnte von einem grundlegenden Wechsel nur abraten. Ein Change wäre hier reine Management-Befriedigung gewesen, mit dem Risiko, Mitarbeiter oder Kunden zu verprellen und viel Geld zu verbrennen. Wir schlugen stattdessen projektorientierte Innovationslabore vor. Im Rahmen dieser Labore könnte man neue Dinge ausprobieren, würde das gesamte Unternehmen aber nicht umkrempeln müssen. Es würden nur einige alte und neue Mitarbeiter mit einer eher unternehmensfremden Arbeitsweise konfrontiert und der bisher konstante Erfolg des Unternehmens würde nicht gefährdet.

Das Projekt endete, ehe es begonnen hatte, denn so wenig zu tun, passte nicht zum Auftrag und dem Budget, welches das Unternehmen für das Vorhaben ausgeben wollte. Ich verbuche dieses Projekt dennoch nicht als Fehlschlag, denn meiner Meinung nach scheitern viele Change-Projekte auch deshalb, weil sie schlichtweg unnötig sind. Der Mut, als Berater zu sagen, dass eigentlich nichts groß verändert werden muss, scheint nicht sehr verbreitet zu sein.

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mark.wolf 21. Okt 2019

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mark.wolf 21. Okt 2019

gibt es noch mehr Bullshit? Veränderung kann man nicht managen (steuern). Man kan Dinge...

mou1337 17. Okt 2019

Heißt es nicht "never change a running system"? Das hat sich zumindest in der IT so...

VigarLunaris 12. Okt 2019

Meist ist ein Change garnicht so schlecht, wenn denn die Vorarbeit richtig gemacht wird...

PerilOS 08. Okt 2019

Was mich immer etwas ratlos lässt, ist wan man seine Stakeholder involvieren sollte. Und...


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