Chang'e 4: Chinesische Sonde landet auf der Rückseite des Mondes

Erfolgreich gelandet, Geschichte geschrieben, aber niemand soll es wissen. Über zwei Stunden dauerte es, bis die erfolgreiche Landung von Chang'e 4 auf der Rückseite des Mondes bestätigt wurde. Mit dabei ist auch ein deutsches Experiment. Inzwischen fährt der Rover auf der Mondoberfläche.

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Erste Bilder vom Rovers Yutu 2 auf der Mondoberfläche
Erste Bilder vom Rovers Yutu 2 auf der Mondoberfläche (Bild: CNSA)

Fast schon unter Geheimhaltung lief die Landung des chinesischen Mondlanders Chang'e 4 ab. Im Laufe des Tages verdichteten sich Gerüchte, dass die Landung um 2 Uhr früh mitteleuropäischer Zeit stattfinden würde. Später wurde das auf 3 Uhr korrigiert. Zwischenzeitlich kamen in den sozialen Medien einige mit Musik unterlegte Filme, aber in den offiziellen Medienkanälen des verschlossenen Raumfahrtprogramms herrschte Ruhe. Eine viertel Stunde vor der geplanten Landung diskutiert das Staatsfernsehen über den Brexit, zur Frustration chinesischer Raumfahrtfans.

Der letzte international zugängliche Livestream eines Raketenstarts endete mit einer Fehlfunktion und dem Absturz einer Changzheng-5-Rakete. Seither kehrte die Informationspolitik zurück zu der Praxis, erst vollendete Tatsachen öffentlich zu verkünden. Das Warten auf die Landung geriet damit zum Geduldsspiel ohne jede Information. Nach halb vier kamen schließlich Gerüchte auf, dass die Sonde um 3:26 Uhr erfolgreich gelandet sei. Der Twitter-Account des chinesischen Staatsfernsehens bestätigte die Meldung, löschte den Tweet aber anschließend wieder. Erst um 5 Uhr morgens deutscher Zeit folgte schließlich die offizielle Meldung auf dem Staatssender CCTV13. Chang'e 4 landete im Von-Kármán-Krater bei 177,6 Grad östlicher Länge und 45,5 Grad südlicher Breite.

Deutsches Experiment misst Strahlung auf dem Mond

Mit an Bord des Mondlanders ist auch ein Neutronendetektor und Dosimeter der Universität Kiel zur Messung der Dosis aus der ionisierenden Strahlung und dem Nachweis langsamer Neutronen, die auf Wasservorkommen im Mondboden hinweisen könnten. Aus Schweden wurde ein Instrument zur Untersuchung der Auswirkungen des Sonnenwindes auf der Mondoberfläche geliefert, es misst schnelle, neutrale Atome. Sie entstehen, wenn der Sonnenwind aus geladenen Teilchen auf die Mondoberfläche trifft.

Weitere Experimente werden Beobachtungen im langwelligen Radiobereich durchführen, die nur noch auf der Rückseite des Mondes möglich sind, wo die Radiowellen von der Erde durch den Mond blockiert werden. Außerdem wurden Samen und Seidenraupen in kontrollierten Bedingungen zum Mond gebracht. Der Rover führt neben Kameras und Spektrometern auch ein Bodenradar mit, das die Beschaffenheit des Untergrundes erkunden wird.

Die Nachrichtenlage blieb in der Nacht durchweg undurchsichtig. Bei der Übertragung im englischsprachigen chinesischen Staatsfernsehen CGTN wurde immer wieder auf die Suche nach Wasser, Ressourcen und das Potenzial für den Aufbau einer Mondbasis hingewiesen - ob mit oder ohne Menschen. Bilder von der Mondoberfläche nach der Landung fehlten hingegen völlig. Erst nach 6 Uhr deutscher Zeit wurden erste Bilder geliefert. Zusammen mit der langen Verzögerung bis zur Bestätigung der Landung könnte das auf technische Probleme hindeuten. Im chinesischsprachigen CCTV13 wurden hingegen schon früher Livebilder der Landekamera von der Landung gezeigt.

China hat ein ambitioniertes Mondprogramm

Die Mondsonde Chang'e 4 befand sich schon seit Dezember im Orbit um den Mond, um letztlich im Von-Kármán-Krater zu landen - auf der Rückseite des Erdtrabanten. Alle Signale müssen dafür über den Relaissatelliten Queqiao (Elsternbrücke) von und zur Erde gefunkt werden. Bei allen bisherigen Mondlandungen wurde dieses Problem durch die Landung auf der Vorderseite umgangen. Dabei ist die Rückseite des Mondes ein lohnenswertes Ziel. Während die Vorderseite von großen dunklen Flächen geprägt ist, die wohl bei großen vulkanischen Eruptionen entstanden, fehlen diese typischen Merkmale auf der kraterübersäten Rückseite fast völlig.

Das Risiko der Umleitung aller Signale ging die chinesische Raumfahrtagentur auch nur deshalb ein, weil Chang'e 4 ursprünglich nur als Ersatz für den Fall eines Misserfolgs der bereits gelandeten Mission Chang'e 3 vor fünf Jahren gedacht war. Beide Missionen bestehen aus einem Lander und einem Rover, wobei die Chinesen hoffen, dass der neue Rover dieses Mal länger funktioniert und mehrere Mondnächte übersteht. Während der zwei Wochen dauernden Mondnacht werden Lander und Rover durch Radioisotopenbatterien mit Wärme versorgt. Der 140 kg schwere Rover soll aber erst gegen Mittag mitteleuropäischer Zeit von der insgesamt 1.200 kg schweren Landesonde auf die Mondoberfläche rollen.

Chang'e 4 ist Teil des chinesischen Raumprogramms, das im Laufe des Jahres durch Chang'e 5 fortgeführt werden soll. Der Lander soll Proben von der Mondoberfläche nehmen und mit einer Rakete zur Erde zurückschicken. Die sowjetischen Missionen Luna 16, 20 und 24 führten bereits in den 1970er Jahren Ähnliches erfolgreich durch. Weitere Schritte des Mondprogramms - über die Entwicklung einer noch größeren Schwerlastrakete namens Changzheng-9 hinaus - wurden noch nicht offiziell angekündigt. Zunächst muss der Testflug der aktuellen Schwerlastrakete Changzheng-5 erfolgreich verlaufen, um die Grundlage für die Mission Chang'e 5 zu legen.

Nachtrag vom 3. Januar 2019, 17:19 Uhr

Um 13:22 deutscher Zeit hat der Rover den Lander verlassen und fährt nun auf der Mondoberfläche. Erste Bilder davon wurden erst einige Stunden später veröffentlicht. Inzwischen wurde auch der Name des Rovers bekanntgegeben. Nach Angaben der chinesischen Raumfahrtagentur fiel die Wahl nach Auswertung einer weltweiten Umfrage auf Yutu 2.

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S.Marquardt 07. Jan 2019

Zweite erfolgreiche Mondlandung der Chinesen! Am Donnerstag, dem 03.01.2019 in den frühen...

Michael Graetz2 05. Jan 2019

Ich gönne es auch den Chinesen.

m9898 05. Jan 2019

Das klingt nach Vorgehen der Bildzeitung, nicht nach seriösem Journalismus. Worüber man...

|=H 04. Jan 2019

Dann bitte auch immer nur noch von Erdtagen, Erdstunden usw reden... Genauso wie niemand...



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