Chandrayaan-3: Wird die indische Mondlandung diesmal glücken?

Am 14. Juli 2023 ist es so weit: Indien wird wieder zum Mond fliegen und will auch auf dem Trabanten landen. Es ist nicht der erste Landeversuch der aufstrebenden Raumfahrtnation, die letzte Chandrayaan-Mission 2019 endetet jedoch mit einer harten und damit gescheiterten Landung. Ob es der indischen Raumfahrtbehörde Isro (Indian Space Research Organisation) mit Chandrayaan 3(öffnet im neuen Fenster) diesmal gelingt? Das sollten wir am 23. oder 24. August 2023 erfahren.
Aber was wollen die Inder auf dem Mond? Und seit wann ist das Land ein wichtiger Player in der Raumfahrt? Oder anders gefragt: Können wir auf Indien im Weltraum überhaupt verzichten?
Indien, die unterschätzte Raumfahrtnation
Tatsächlich ist Indien bereits lange im Raumfahrtgeschäft aktiv. Mit dem ersten indischen Satelliten Aryabhata (benannt nach einem indischen Mathematiker) konnte das Land bereits 1975 seinen ersten Erfolg feiern, damals noch mithilfe einer sowjetischen Rakete.
Die erste eigene Rakete, die PSLV (Polar Satellite Launch Vehicle), konnte 1994 erfolgreich starten. Diese Rakete war noch für leichte bis mittelschwere Fracht ausgelegt.
Die erste indische Trägerrakete für Schwerlasten ging nach zwei Testversuchen (2001 und 2003) ab September 2004 in den Betrieb. Die GSLV (Geosynchronous Satellite Launch Vehicle) ist vergleichbar mit der europäischen - aber mittlerweile ausgedienten - Ariane-5-Trägerrakete : Sie ist knapp 50 Meter hoch, dreistufig und hat eine Startmasse von 401 Tonnen (ungefähr die Hälfte der Ariane 5).
Mit der Gaganyaan-Mission sollen 2025 auch die ersten Raumfahrer mit einem eigenen Raumschiff und ihren eigenen Raketen in den Weltraum gebracht werden. Neben Russland (Sojus-Programm) und China sind dazu nur noch die USA in der Lage - wenn auch mit kommerziellen Unternehmen wie SpaceX.
Mit der Mars Orbiter Mission (MOM) war Indien auch bis Ende 2022 mit einer Raumsonde in der Marsumlaufbahn vertreten. Zwischen 2008 und 2009 befand sich mit der Chandrayaan-1-Mission eine Raumsonde im Mondorbit. Bei der ersten Mondlandung 2019 scheiterte der Vikram-Lander der Chandrayaan-2-Mission zwar, Chandrayaan-2 ist aber weiterhin aktiv; der Orbiter operiert planmäßig und soll noch bis 2027 im Einsatz bleiben.
Indien könnte der wichtigste Raumfahrtpartner im Osten werden
Erst am 22. Juni 2023(öffnet im neuen Fenster) unterzeichnete Indien und Ecuador das Artemis-Abkommen mit der Nasa. Mit diesem Abkommen stimmten sie der nachhaltigen und friedlichen Erforschung des Mondes und Weltraums zu. Damit haben mittlerweile 27 Länder dieses Abkommen unterzeichnet.
Indiens Ambitionen im Weltraum macht auch die Äußerung eines ehemaligen indischen Wissenschaftlers(öffnet im neuen Fenster) deutlich, der von einer indischen Basis auf der Mondoberfläche sprach. Diese könnte in den 2030er-Jahren entstehen, wobei es bisher noch keine konkreten Pläne dazu gibt.
Die Ambitionen des Landes sind aber groß und Indien könnte für den Westen einer der wichtigsten Partner in der Raumfahrt werden. Vor allem, wenn man sich die derzeitigen Entwicklungen und die Spaltung in zwei Lager betrachtet: Ost und West.
Chandrayaan-3: Indiens Flug zum Mond
Russland entfernte sich durch den Angriffskrieg auf die Ukraine vom Westen auch in der Raumfahrt . Nur noch auf der Internationalen Raumstation ISS wird zusammengearbeitet. China konnte dagegen nie Fuß auf der ISS fassen - die USA wollen nicht mit China kooperieren.
Das Weltraumrennen zwischen den USA und China ist somit in vollem Gange. Indien könnte ein stabilisierender Faktor in der Mitte zwischen einerseits China und Russland und andererseits den USA, Kanada, Europa und Japan sein - und das nicht nur in der Raumfahrt.
In diesem Sommer fliegt Indien also wieder zum Mond und erneut wird das Land eine Mondlandung anstreben. "Wir wissen, wie man zum Mond fliegt. Wir müssen nur noch lernen, wie man landet. Und das muss nach bestem Wissen und Gewissen fehlerfrei sein" , erklärte Sreedhara Panicker Somanath vor einem Jahr dem Nachrichtensender NewsX. Somanath ist der Vorsitzende der indischen Raumfahrtbehörde Isro.
Die Mission soll am 14. Juli 2023 um 11:05 Uhr (MESZ) vom indischen Raumhafen Satish Dhawan Space Centre aus starten. Er befindet sich auf der südindischen Insel Sriharikota. Eine Rakete des Typs LVM3 (Launch Vehicle Mark 3, vormals GSLV Mk III) soll die Raumsonde in den Weltraum befördern. Den Mond soll das Raumfahrzeug nicht vor dem 23. August 2023 erreichen.
Wie bei der Vorgängermission soll auch diesmal ein polnahes Landegebiet angesteuert werden. Die Landestelle befindet sich auf der erdzugewandten Seite des Mondes zwischen den beiden Kratern Manzinus C und Simpelius N. Sie sind östlich des Mondsüdpols zu finden.
Die Missionsdauer soll einen Mondtag andauern - also 14 Erdentage -, da die Geräte des Landefahrzeugs nicht dafür ausgelegt sind. Während einer Mondnacht herrschen Temperaturen von -160 Grad Celsius auf der Oberfläche des Trabanten.
Bereits bei der Vorgängermission kam ein Vikram-Lander zum Einsatz, nur wurden diesmal einige Verbesserungen vorgenommen. Das Fahrzeug verfügt nun über mehrere redundante Instrumente für die Messung des Abstands zum Boden. Zudem kann das Fahrzeug in seiner letzten Abstiegsphase besser Hindernissen ausweichen. Neben der verbesserten Software wurden auch die Landebeine der Sonde verstärkt. Die Isro möchte ein erneutes Scheitern so gut wie möglich verhindern.
Die Aufgaben der Chandrayaan-3-Missionen
Die Module und verbauten Instrumente sollen dabei verschiedene Aufgaben übernehmen(öffnet im neuen Fenster) . Mit Shape, einem spektropolarimetrischen Bildgeber (Spectro-polarimetry of Habitable Planet Earth), soll zum Beispiel künftig mehr über die atmosphärische Zusammensetzung von Exoplaneten herausgefunden werden. Während dieser Mission dient die Erde als Testobjekt, die von der Mondumlaufbahn aus beobachtet wird.
Der Lander kann zudem Mondbeben mit einem Seismografen sowie die Plasmadichte in Bodennähe und ihre Veränderung im Tagesablauf mittels einer Langmuir-Sonde messen. Außerdem kann mit dem Chandra's Surface Thermophysical Experiment (ChaSTE) die Wärmeleitfähigkeit und Temperatur des Regoliths ermittelt werden.
An Bord des Landefahrzeugs befindet sich ein kleiner sechsrädriger Rover namens Pragyan(öffnet im neuen Fenster) . Er wiegt gerade einmal 26 Kilogramm. Seine Instrumente sollen die chemische Zusammensetzung vom Regolith in der Nähe der Landestelle untersuchen sowie dessen Gehalt an Aluminium, Kalium, Magnesium, Kalzium, Silicium, Eisen und Titan analysieren. Anders als bei den vorherigen Missionen wird bei Chandrayaan 3 kein neuer Orbiter mitfliegen.
Wird Indien das vierte Land auf dem Mond werden?
Wenn Indien diese Mondlandung im August 2023 gelingt, wäre es das vierte Land, das erfolgreich auf der Mondoberfläche gelandet ist. Bereits am 3. Februar 1966 landete die damalige Sowjetunion als erstes Land mit ihrer Luna-9-Mission erfolgreich auf dem Mond. Am 2. Juni desselben Jahres setzten die Vereinigten Staaten ihre Surveyor-1-Mission sicher und sanft auf der Mondoberfläche auf.
Nach dem Ende der Nasa-Mondmission Apollo 17 im Dezember 1972 blieb es lange ruhig um den Trabanten. Erst 2013 erfolgte die sichere Landung der chinesischen Chang'e-3-Mission. Die erste kommerzielle Mondlandung sollte mit der japanischen Mission Hakuto-R erfolgen, scheiterte im März 2023 aber beim Landeanflug.
Auch Firmen wie Astrobotic oder Intuitive Machines wollen in den nächsten Jahren auf der Mondoberfläche landen - die Starttermine wurden bereits mehrfach verschoben. Vor Ende 2023 wird keiner von ihnen zum Mond aufbrechen. Das Rennen um die erste kommerzielle Mondlandung ist somit noch nicht gewonnen.

Wenn für Indien im August alles nach Plan läuft, wird es die vierte Nation sein, die erfolgreich auf der Mondoberfläche gelandet ist. Die nächsten Menschen könnten ab 2025 wieder von der Nasa zum Trabanten gebracht werden. Ein umgebautes Starship von SpaceX soll als Landefahrzeug dienen. Es bleibt also weiterhin interessant um unseren Begleiter.



