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Cepheus: Computeralgorithmus soll im Poker unschlagbar sein

Er will sehen: Der Algorithmus Cepheus soll eine Zwei-Mann-Version des Pokerspiels perfekt beherrschen. Ein Experte fordert einen neuen Wettkampf Mensch gegen Maschine.
/ Werner Pluta
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Pokerspiel (Symbolbild): mehr Speicher und mehr Rechenleistung für Spiele mit unvollkommenen Informationen (Bild: Joe Raedle/Getty Images)
Pokerspiel (Symbolbild): mehr Speicher und mehr Rechenleistung für Spiele mit unvollkommenen Informationen Bild: Joe Raedle/Getty Images

Die einzige Karte, die er sehe, röhrte Motörhead(öffnet im neuen Fenster) -Bassist Lemmy einst, dürfte das Pik-As sein. Gegen eine Software aus Kanada ist das Ace of Spades(öffnet im neuen Fenster) allerdings machtlos: Wissenschaftler haben einen Algorithmus entwickelt, der beim Pokern praktisch unschlagbar ist.

Cepheus haben die Forscher der Universität der kanadischen Provinz Alberta in Edmonton den Algorithmus genannt. Er spielt Poker in der Variante Texas hold'em(öffnet im neuen Fenster) für zwei Spieler mit begrenzten Wetteinsätzen, das Heads-up Limit Texas Hold'em. Die Informatiker beschreiben Cepheus in der Fachzeitschrift Science(öffnet im neuen Fenster) .

Online gegen Cepheus spielen

Das System hat eine Datenbank mit Millionen von Karten- und Spielkombinationen gespeichert. Damit soll es praktisch unmöglich sein, den Algorithmus zu schlagen. Über zehn Jahre haben Michael Bowling und sein Team daran gearbeitet. Wer möchte, kann das ausprobieren und selbst gegen Cepheus spielen - online auf der Website der Universität(öffnet im neuen Fenster) .

Die Schwierigkeit ist, dass - anders als etwa Schach - Poker kein Spiel mit perfekter Information(öffnet im neuen Fenster) ist: Die Spieler können in einem Spiel mit imperfekter Information das Geschehen nicht komplett nachvollziehen, da sie die verdeckten Karten auf der Hand ihrer Gegner nicht kennen.

Mehr Speicher, mehr Rechenleistung

"Die Lösungen für Spiele mit unvollkommenen Informationen erfordern vom Computer die Behandlung der zusätzlichen Schwierigkeit, dass er das Spielgeschehen nicht genau kennt, beispielsweise die Karten auf der Hand eines Gegners" , sagt Neil Burch, einer der Cepheus-Entwickler, dem US-Wissenschaftsmagazin IEEE Spectrum(öffnet im neuen Fenster) . "Solche Verfahren erfordern mehr Speicher und Rechenleistung."

Konkret: Um die verschiedenen Lösungen durchzuspielen und die Datenbank aufzubauen, haben Bowling und seine Kollegen 4.000 Prozessoren eingesetzt. Die Berechnungen dauerten knapp 69 Tage - wobei jeder Prozessor mehrere Milliarden Kartenhände in der Sekunde durchspielte. Die Datenbank selbst umfasst 11 TByte.

Britischer Experte zweifelt

Während der Informatiker Tuomas Sandholm in Science(öffnet im neuen Fenster) Cepheus als die bisher beste Lösung für ein Spiel mit imperfekter Information beschreibt, sind Pokerspieler skeptisch: Er sei noch nicht von der Unfehlbarkeit des Algorithmus überzeugt, schreibt der Poker-Experte Christopher Hall in der britischen Tageszeitung The Guardian(öffnet im neuen Fenster) .

Hall kritisiert, dass sich Cepheus zu wenig auf das Spiel seines Gegners einstelle. Allerdings habe er zu wenige Spiele gemacht, um ernsthaft Rückschlüsse über die Fähigkeiten des Algorithmus ziehen zu können. Sein Vorschlag: Cepheus gegen einen Weltklasse-Pokerspieler antreten zu lassen. Wie einst im Schach Deep Blue gegen Garri Kasparow.


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