Cell Broadcast: Warum es am Warntag ruhig bleiben könnte

Obwohl es seit Jahren einen Standard für das sogenannte Cell Broadcast gibt, können wohl viele Handys in Deutschland die Nachrichten nicht anzeigen. Der Warntag wird deshalb verschoben.

Eine Analyse von und veröffentlicht am
Neben Sirenen sollen künftig Handys schnell vor Katastrophen warnen.
Neben Sirenen sollen künftig Handys schnell vor Katastrophen warnen. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Nach jahrelanger Blockade hat sich Deutschland im vergangenen Jahr entschieden, für die Warnung vor Katastrophen künftig das sogenannte Cell Broadcast zu nutzen. Anders als über die Apps Katwarn oder Nina sollen Menschen in einer bestimmten Region zuverlässiger gewarnt werden können. Denn ein Cell Broadcast kann ja schließlich jedes Handy empfangen. Doch in der Praxis zeigt sich leider: Die Umsetzung des Warnkonzepts hat ihre Tücken und lässt sich nicht von heute auf morgen durch Mobilfunkbetreiber, Smartphonehersteller und Betriebssystemanbieter realisieren.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) teilte auf Anfrage von Golem.de mit, dass der diesjährige Warntag verschoben werden soll, weil das Cell Broadcast nur auf einem Bruchteil der genutzten Endgeräte in Deutschland funktioniert. Damit bestätigte die Behörde entsprechende Spekulationen vom Mai 2022.

Das BBK teilt mit: "Um ermöglichen zu können, dass zum Start der Testphase von Cell Broadcast am bundesweiten Warntag 2022 ein größtmöglicher Teil der Bürgerinnen und Bürger via Cell Broadcast erreicht werden kann, hat der AK V der IMK (Arbeitskreis V der Innenministerkonferenz, Anm. d. Red.) als neues Datum für den Warntag den 8. Dezember 2022 vorgeschlagen".

Die Verantwortlichen warten also offenbar noch etwas ab, damit die Betriebssystemhersteller und Provider mehr Zeit für Updates, Tests und Integrationen haben. Der der AK V der IMK habe deshalb vorgeschlagen, "den Warntag und die erste Testwarnung über Cell Broadcast terminlich zu harmonisieren". So sollen möglichst viele Menschen über die Technik erreicht werden können.

Samsung räumt Problematik ein

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Von den von Golem.de angefragten Mobilfunkherstellern wollte sich nur Samsung öffentlich äußern. Doch das Statement ist eindeutig: "Wir arbeiten gegenwärtig daran, möglichst vielen Menschen den Zugang zu dieser Funktionalität auf ihren bestehenden Samsung-Smartphones mit älteren Android-Versionen ermöglichen zu können. Eine Prognose dazu, welche Samsung-Smartphones bis zum Übergang in den Regelbetrieb im Februar 2023 darüber verfügen werden, ist gegen Ende 2022 realistisch."

Nach Angaben von Samsung werden derzeit nur Geräte, die Android 11 oder aktuellere Versionen des Betriebssystems unterstützen, "technisch in der Lage sein, die Cell- Broadcast-Funktionalität zu nutzen". Das dürfte auf andere Anbieter ebenfalls zutreffen, was uns auch unter der Hand bestätigt wurde. Die Verbreitung von Android 11 und 12 liegt laut Google derzeit bei 35 Prozent.

Wie die technische Unterstützung bei Feature-Phones aussieht, lässt sich derzeit nur mutmaßen. Bei Apples iOS ist hingegen klar, dass Cell Broadcast derzeit noch nicht für die in Deutschland eingesetzten Geräte unterstützt wird. Das kann erst mit einem iOS-Update umgesetzt werden. Inwieweit dies über das für Herbst geplante iOS 16 erfolgt, ist unklar.

Ebenso wie Android müssen auch iOS-Geräte im Zusammenspiel mit den Signalen der Provider getestet werden. Das Unternehmen wollte auf Nachfrage von Golem.de zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellung zu der Problematik nehmen. Vermutlich verschieben IMK und BBK den Warntag auch deshalb und warten schlicht das iOS-Update zur CB-Unterstützung ab.

Welche technischen Hintergründe liegen dem zugrunde?

Beim Cell Broadcasting (CB) wird eine Textnachricht an Handynutzer verschickt - und zwar an alle Empfänger, die sich zum Sendezeitpunkt in der betreffenden Funkzelle aufhalten. Für das CB-Warnsystem werden außerdem spezielle Warntöne des Telefons abgespielt und der Lautlos-Modus übergangen.

Der technische Unterschied zur SMS besteht auf den Endgeräten vor allem darin, dass jedes Gerät standardmäßig normale SMS empfangen kann. Die Funktion zum Empfangen von CB-Nachrichten muss auf den Geräten aber explizit aktiviert werden. Das zumindest haben uns sowohl Hersteller als auch Provider im Gespräch versichert. Ebenso bestätigen dies sowohl das BBK als auch die Bundesnetzagentur (BNetzA) auf Anfrage von Golem.de.

Eine gesetzliche Pflicht, die Funktion auf den Endgeräten zu aktivieren, existiert in Deutschland bisher jedoch nicht. Die Behörden verweisen hierzu explizit auf den Gesetzgeber und den für die Cell-Broadcast-Warnungen neu eingeführten §164a des TKG. Die Endgerätehersteller seien nicht die Adressaten der darin festgelegten Verpflichtungen.

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Andere Länder verpflichten Hersteller zu Cell-Broadcast 
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RFZ 15. Jun 2022

Die Erklärungen sind wirklich schlecht und undurchsichtig, ja... Aktuell hab ich den...

RFZ 15. Jun 2022

Und die Darstellung der Nachricht ist auch etwas anders ;) Ja, CB macht nicht nur...

RFZ 15. Jun 2022

Das ist nicht richtig, CB wurde überhaupt nicht für Notfallinformationen geschaffen...

RFZ 13. Jun 2022

Ich denke dass derart groß angekündigte Tests nicht als Test sondern als echte...



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