Negative Umsatzsteuer zur Förderung von Verlagen

Golem.de: Die Verlage werfen Google und Facebook vor, sich kostenlos bei den Medieninhalten zu bedienen und ihnen damit die Werbeeinnahmen wegzunehmen. Wie sehen Sie das?

Jarzombek: Früher hatten wir ein gebündeltes Produkt. Da sorgten Ehewünsche, Immobilien, Autos und Anzeigen für Einnahmen, dazu kamen die Verkaufserlöse. Daraus wurde im Internet ein entbündeltes Produkt, wobei es teilweise die Verleger selbst sind, die wie bei Parship die Angebote betreiben. Nun bleibt eben nur noch der Content übrig, der finanziell ziemlich nackt dasteht, weil er nur noch durch Bannerwerbung finanziert wird.

Darüber hinaus ist das Thema der Erlösmodelle hinreichend schwierig, weil man nicht in der Lage ist, eine gemeinsame Plattform aufzubauen, die es für die Menschen mit einem Zugang und einem Klick ermöglicht, Artikel zu kaufen. So scheint es vielleicht verlockend für Verleger zu sagen, wir haben doch hier Unternehmen, die verdienen auf einmal sehr viel Geld - holen wir es uns doch von denen. Das finde ich aber von der Begründung her schwierig.

Golem.de: Was schlagen Sie stattdessen vor?

Jarzombek: Wir haben es den Verlegern im letzten Jahr kartellrechtlich erleichtert, ihre wirtschaftliche Basis zu verbessern und beispielsweise gemeinsame Abrechnungssysteme aufzubauen. Man könnte außerdem überlegen, über das Thema Umsatzsteuer zu gehen. Für Online-Erzeugnisse gelten nach wie vor 19 Prozent, die kann man auf 7 Prozent senken. Man kann auch die Umsatzsteuer auf null setzen oder sogar überlegen, eine negative Umsatzsteuer einzuführen, wenn man der Meinung ist, dass eine gut ausgestattete Presse für eine liberale Demokratie unverzichtbar ist.

Zuschuss für jede verkaufte Zeitung

Golem.de: Wie würde das funktionieren?

Jarzombek: Das heißt: Jemand, der eine Zeitung für 2 Euro verkauft, bekommt möglicherweise noch 10 oder 20 Cent vom Staat dazu. Das wäre ein staatsfernes Finanzierungssystem, weil keine inhaltliche Beurteilung stattfindet. Diese muss unbedingt vermieden werden. Denn in keinem Szenario, in dem der Staat über irgendeine Selektion Geld gibt, wird ein Journalist noch kritisch über irgendwelche Regierungsskandale schreiben können. Insofern verbietet sich das. Bei einer einfachen Formel aber wäre das ein ziemlich staatsfernes System. Weil es keine inhaltliche Kontrolle oder Beeinflussung gibt.

Golem.de: Sie haben kürzlich im Bundestag die Verlage gewarnt, sich weniger auf das Leistungsschutzrecht als auf die geplante E-Privacy-Verordnung zu konzentrieren. Welche Gefahren sehen Sie dabei?

Jarzombek: Alles, was für die Privatsphäre und Integrität der Kommunikation notwendig ist, muss getan werden. Aber digitale Geschäftsmodelle müssen erhalten bleiben. Daher wollen wir verhindern, dass es am Ende zu komplizierte Zustimmungsmechanismen bei den Webseiten gibt. Das könnte dazu führen, dass es außer für Facebook, Apple, Google und Amazon keine Zustimmungen mehr gibt. Damit würde die ganze europäische Wirtschaft in Abhängigkeit der Amerikaner geraten, aber für den Datenschutz wäre gar nichts gewonnen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 CDU-Netzpolitiker: Jarzombek hält Leistungsschutzrecht für "brandgefährlich"Politische Werbung in sozialen Medien nicht verbieten 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6.  


Kleba 29. Apr 2018

Mir auch :-) Praktisch das gleiche hab ich mir beim Lesen auch gedacht.

bombinho 26. Apr 2018

Mein Fehler, Entschuldigung. Diesen Teil meinte ich. Weswegen irgendwer Wortverbot haben...

bombinho 25. Apr 2018

:)))))) Naja, immerhin wuerde der Kunde das Produkt dann unter dem Produktpreis erwerben...

onkel hotte 25. Apr 2018

ist schon ein starkes Wort für sich. Wer definiert denn, was ein Qualitätsmedium ist und...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
25 Jahre Starship Troopers
Paul Verhoevens missverstandene Satire

Als Starship Troopers in die Kinos kam, wurde ihm faschistoides Gedankengut unterstellt. Dabei ist der Film des Niederländers Paul Verhoeven eine beißende Satire.
Von Peter Osteried

25 Jahre Starship Troopers: Paul Verhoevens missverstandene Satire
Artikel
  1. Azure DevOps: Die Entwicklerplattform, die es richtig macht
    Azure DevOps
    Die Entwicklerplattform, die es richtig macht

    Azure DevOps ist eine mächtige und ständig wachsende Plattform. Ich bin Fan - und zwar aus guten Gründen.
    Ein IMHO von Rene Koch

  2. Lügenvorwürfe: Beschwerden über Telekom-Drückerkolonnen auch in Karlsruhe
    Lügenvorwürfe
    Beschwerden über Telekom-Drückerkolonnen auch in Karlsruhe

    Wie in Köln arbeiten Telekom-Werber offenbar auch in Karlsruhe mit fragwürdigen Methoden. Verbraucherschützer fordern ein Verbot solcher Besuche ohne Einwilligung.

  3. Energiekrise: Brauchen wir Atomkraftwerke noch?
    Energiekrise
    Brauchen wir Atomkraftwerke noch?

    Wegen des Kriegs in der Ukraine laufen die letzten drei deutschen Atomkraftwerke bis Mitte April. Ein Weiterbetrieb wird gefordert. Wie realistisch oder sinnvoll ist das?
    Eine Analyse von Werner Pluta

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Kingston NV2 2TB 104,90€ • Patriot Viper VPN100 2TB 123,89€ • Alternate: Weekend Sale • WSV bei MediaMarkt • XIAOMI Watch S1 149€ • Alphacool Eiswolf 2 AiO 360 Radeon RX 6800/XT 227,89€ • MindStar: be quiet! Dark Power 13 1000W 259€ • The Legend of Zelda: Link's Awakening 39,99€ [Werbung]
    •  /