GWP20 oder GWP100?

Die Methanleckagen bei der Gasförderung sind in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus der klimapolitischen Debatte gerückt. Allerdings gibt es dabei große Unterschiede je nach Förderregion und zudem auch Kontroversen darüber, wie man die Klimawirkung von Methan berechnen sollte.

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Die meisten Studien über die Methanemissionen von Erdgas stammen aus den USA, da das Thema in der dortigen Diskussion über Fracking und die Förderung von Schiefergas eine wichtige Rolle spielt. Howarth und Jacobson gehen davon aus, dass etwa 3,5 Prozent des Methans in die Atmosphäre entweichen, was ein vergleichsweise hoher Wert ist.

Eine Schwierigkeit hierbei ist, dass Methanleckagen bislang weltweit kaum reguliert sind und auch nicht systematisch erfasst werden. So gibt es für viele Länder kaum zuverlässige Daten. Meist wird davon ausgegangen, dass die Frackingförderung in den Schiefergasfeldern der USA mehr Methan emittiert als andere Fördermethoden.

Viel Unsicherheit über Ausmaß der Methanleckagen

Mithilfe von Satellitendaten versuchen Forscher, Quellen von Methanemissionen besser zu erfassen. Die Organisation Clean Air Task Force und die Deutsche Umwelthilfe haben zuletzt mithilfe von Wärmebildkameras mögliche Methanlecks an vielen europäischen Standorten dokumentiert, darunter auch an mehreren Gasverdichterstationen in Deutschland. Genaue Aussagen über die Menge der Methanemissionen lassen diese Methoden allerdings nicht zu.

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Weiterhin relevant für die Berechnung ist, welches Treibhausgaspotenzial angesetzt wird. Denn Methan und Kohlendioxid lassen sich nicht direkt vergleichen. Methan hat eine deutlich stärkere Erwärmungswirkung in der Atmosphäre, es baut sich allerdings auch innerhalb weniger Jahre ab. Kohlendioxid hingegen wirkt schwächer, es verbleibt aber für Jahrhunderte oder länger in der Atmosphäre.

Um unterschiedliche Treibhausgase zu vergleichen, berechnen die Klimawissenschaften daher die Erwärmungswirkung, die ein Treibhausgas in einem bestimmten Zeitraum verursacht. Meist wird dabei die Erwärmungswirkung über 100 Jahre verwendet, auch der IPCC arbeitet mit diesen Werten. Das wird als GWP 100 bezeichnet, die Abkürzung steht für Global Warming Potential.

Manche in der Wissenschaft argumentieren jedoch, dass es oft sinnvoller wäre, ein Treibhausgaspotenzial über 20 Jahre zu verwenden (GWP 20). In dieser Betrachtung wirkt Methan deutlich stärker. Dafür spricht etwa, dass man damit kurzfristigere Effekte besser abbildet und dass man durch eine Reduzierung von kurzzeitig aktiven Triebhausgasen schneller einen Effekt erzielt.

Wasserstoff für alle: Wie wir der Öl-, Klima- und Kostenfalle entkommen

Dass ihre Annahmen über hohe Methanleckagen und ein auf 20 Jahre gerechnetes Treibhausgaspotenzial kontrovers sind, haben die Autoren bereits berücksichtigt. Sie haben ihre Berechnungen daher auch mit GWP 100 und niedrigeren Leckageraten durchgeführt, viel besser sieht es da für den blauen Wasserstoff nicht aus. In allen Fällen kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die direkte Nutzung von Erdgas weniger Treibhausgasemissionen verursacht.

Doch selbst der niedrigste von den Wissenschaftlern angenommene Wert für Methanleckagen dürfte für manches in Europa geförderte Erdgas zu hoch sein. "Auch die 'Minimalvariante' der Studie von 1,5 Prozent ist um das Doppelte bis Fünffache höher, als wir das für Erdgas aus Norwegen annehmen", kommentiert etwa Felix Matthes vom Freiburger Öko-Institut die Zahlen gegenüber Golem.de.

Neben den Annahmen über Methanleckagen und deren Wirkung ist für die Betrachtung von blauem Wasserstoff relevant, wie gut die CCS-Technologie funktioniert.

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 CCS-Technologie: Schlechte Klimabilanz für blauen WasserstoffCCS-Technologie vermeidet nie die kompletten Kohlendioxidemissionen 
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