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CCS: Potential der CO2-Einlagerung vielfach überschätzt

Die CO2-Speicherung als Klima -Retter dürfte laut einer aktuellen Studie ein Irrweg sein. Mögliche positive Auswirkungen wären gering.
/ Mario Petzold
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Das computergenerierte Modell zeigt, wie die Extraktion von CO2 aus der Luft aussehen könnte. (Bild: IIASA)
Das computergenerierte Modell zeigt, wie die Extraktion von CO2 aus der Luft aussehen könnte. Bild: IIASA

Das Internationale Institut für angewandte Systemanalyse(öffnet im neuen Fenster) in Laxenburg in Österreich hat eine Bestandsaufnahme aller potenziellen Kohlenstoffdioxidspeicher weltweit vorgenommen. Weil Gebiete in Erdbebenregionen und unter bewohnten Gegenden sowie technisch kaum erreichbare Speicher ausgeschlossen wurden, ergab sich eine zehnmal geringere Kapazität als in früheren Annahmen. An den Berechnungen waren zahlreiche europäische Klimaforschungsinstitute beteiligt.

Statt einer scheinbar unbegrenzten Aufnahmefähigkeit, die etwa vom Global CCS Institute(öffnet im neuen Fenster) auf 14 Billionen Tonnen geschätzt wurde, soll diese laut des Forschungsteams nur bei 1,5 Billionen Tonnen liegen. Während der erste Wert ausreichen würde, um dreimal sämtliches CO 2 der Atmosphäre einzulagern, entspräche der zweite Wert bei den derzeitigen globalen Emissionen gerade einmal 35 weiteren Jahren ungebremstem Kohlenstoffdioxidausstoß.

Begrenzte, wertvolle Ressource

Die Autoren der Studie, die in Nature(öffnet im neuen Fenster) frei zugänglich veröffentlicht wurde, warnen deshalb davor, die Möglichkeiten und Auswirkungen der CO 2 -Einlagerung zu überschätzen. Selbst im besten Fall könnte die globale Durchschnittstemperatur unter Ausnutzung aller Kapazitäten um lediglich 0,7 °C gesenkt werden. Nach derzeitigen Prognosen könnte dies nicht einmal ausreichen, um die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen.

Stattdessen solle Carbon Capture and Storage (CCS) als optionaler, aber keineswegs zwingender Bestandteil für die Reduzierung der CO 2 -Emissionen begriffen werden. Zumal die Berechnungen der Forschungsgruppe nahelegen, dass die Einspeicherung eine sehr begrenzte Ressource sei.

Verantwortung bei den großen Förderern

Die Analyse der möglichen Lagerstätten zeigt weiterhin, dass die Länder mit einer hohen Förderquote an fossilen Brennstoffen auch das größte Potenzial für Einlagerungen besitzen. Alte Minen und ausgebeutete Lagerstätten haben demnach die besten Eigenschaften, um CO 2 sicher und langfristig einzulagern.

Die Verantwortung für die Entnahme von Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre läge damit bei genau den Ländern, die aktuell vom CO 2 -Ausstoß profitieren. Die Studie nennt vor allen anderen die USA, Russland, China, Brasilien und Australien.


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