CCC: Sicherheitslücke bei digitalen Coronalisten entdeckt

Bei der Corona-Kontakterfassung in Restaurants gibt es immer wieder Probleme. IT-Sicherheitsexperten konnten auf Daten von Gästen zugreifen.

Artikel veröffentlicht am , Anna Biselli
Sorglos ins Restaurant? Zumindest bei Datenschutzbedenken könnte die analoge Kontakterfassung helfen.
Sorglos ins Restaurant? Zumindest bei Datenschutzbedenken könnte die analoge Kontakterfassung helfen. (Bild: Free-Photos/pixabay.com)

Manche Restaurants sammeln die Daten ihrer Kunden in Papier-Listen. Andere Gastronomen setzen auf eine Cloud-Lösung, um für eine Kontaktnachverfolgung zu erfassen, wer wann bei ihnen zu Gast war. Gäste müssen dabei beispielsweise einen QR-Code scannen und ihre Daten eingeben. Bei einer solchen digitalen Coronaliste fand der Chaos Computer Club (CCC) ernsthafte Sicherheitsprobleme. Die IT-Sicherheitsexperten hätten auf 87.313 Corona-Kontakterhebungen von 180 Restaurants zugreifen können.

Der betroffene Dienstleister Gastronovi bot bereits vor der Coronakrise seine Dienste bei der Abwicklung von Reservierungen und Bestellungen an. Auch solche Daten seien einsehbar gewesen, sie gingen bis zu einem Jahrzehnt zurück. So sei der Zugriff auf 4,8 Millionen Personendatensätze aus über 5,4 Millionen Reservierungen möglich gewesen, heißt es in der Pressemitteilung des CCC.

Laut dem Bericht des CCC gab es mehrere Probleme: Durch eine fehlerhafte Prüfung der Zugriffsrechte etwa habe man "im Handumdrehen" Vollzugriff auf die Daten bekommen können, außerdem seien Passwörter nicht ausreichend geschützt und nicht sicher genug gewesen.

Persönliche Informationen über Politiker

BR und NDR berichten, dass sich unter den Daten auch Informationen über Politiker befanden wie Reservierungen aus dem Büro von Gesundheitsminister Jens Spahn.

Auf die Meldung der Schwachstellen habe der Hersteller schnell reagiert und umgehend gehandelt. "Den lebensrettenden Sofortmaßnahmen folgt auf Rat des CCC nun auch eine ausführliche Diagnostik des Systems durch geschultes Fachpersonal", heißt es in der CCC-Mitteilung.

In einem Blogbeitrag schreibt Gastronovi selbst: "Innerhalb von 2 Stunden nach der Analysebenachrichtigung des CCC haben wir die Schwachstellen in Gastronovi Office vollständig geschlossen." Es habe über die Analyse des CCC hinaus keinen unautorisierten Zugriff auf die Daten gegeben. Den Vorfall habe man den zuständigen Datenschutzbehörden gemeldet. Gastronovi dankt dem CCC und betont den konstruktiven Dialog mit den "Hacker-Experten".

Schnell gestrickte Kontakterfassungs-Tools sind ein Problem

Laut CCC-Sprecher Linus Neumann liegt ein Problem darin, dass viele digitale Kontakterfassungswerkzeuge schnell auf die Bedürfnisse der Coronalisten angepasst wurden, anstatt sich mit den besonderen Datenschutzanforderungen auseinanderzusetzen. "Die sensiblen Daten landen dann nicht etwa beim Restaurant, sondern auf einem großen Haufen irgendwo im Internet, wo sie die nächsten Jahre auf interessierte Hackerinnen warten", so Neumann weiter.

Die aktuell beschriebenen Sicherheitsprobleme stehen in einer langen Reihe von Datenschutzbedenken hinsichtlich der Kontakterfassungen. Selbst bei Papierlisten gab es Beschwerden, etwa wenn die Listen mit den Daten der vorherigen Gäste offen einsehbar waren. Auch die Nutzung der Informationen durch die Polizei bei Ermittlungen führte zu Diskussionen über zulässige Verwendung der Daten und Vertrauensverluste. Die Sicherheitsexperten des CCC raten dazu, klare gesetzliche Regelungen zu schaffen, um verspieltes Vertrauen durch zweckentfremdete Nutzung der Listen zurückzugewinnen.

Der CCC rät auch, auf die digitale Erfassung der Restaurantgäste bei Cloud-Diensten zu verzichten. In den eigenen Hackspaces verwende man ein Papiersystem, bei dem jeder Besucher einen eigenen Zettel in einen Briefkasten wirft. Die Zettel werden am Ende des Tages in einen Umschlag gepackt, sicher aufbewahrt und nach Ende der Fristen vernichtet.

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