CATV und DOCSIS: Einen ganzen Satelliten direkt ins Kabelnetz einspeisen
Wer CATV mit Sat kombiniert, also die Satellitenantenne auf dem Dach mit dem Koaxialkabelnetz im Haus verbindet, benötigt nicht nur sehr hochwertige Multischalter. Das erklärte Klaus Müller, Gründer und Geschäftsführer des deutschen Herstellers von Empfangs- und Verteiltechnik Jultec, am 10. September 2026 auf dem FRK Breitbandkongress in Leipzig(öffnet im neuen Fenster). "CATV und Docsis durch einen Multischalter schicken, ist nicht nur eine Frage dessen, ob der Frequenzbereich ab 5 MHz spezifiziert ist, sondern ob dieses Gerät auch auf Intermodulationsfestigkeit und Isolation entwickelt ist. Sonst werden Sie die berühmte Klötzchenbildung definitiv haben."
Die Kombination erfordere eine Bauweise, die Satelliten-Einspeisung und Steuerprozessoren strikt von den Docsis-Rückwegen entkoppelt. Da der Entwicklungs- und Messaufwand extrem hoch sei, seien viele Standard-Multischalter am Markt für den parallelen Docsis-Betrieb ungeeignet.
Wenn die verbauten Schalter, Verteiler oder Antennendosen nicht hochwertig und speziell für diese Kombination ausgelegt seien, komme es zu gravierenden Netzstörungen, Klötzchenbildung beim Fernsehen, bis zum Ausfall des gesamten Internetanschlusses im Haus oder Quartier.
Ferritkerne geraten in die magnetische Sättigung
Bei schlecht geschirmten oder ungenügend gefilterten Komponenten strahlten Störsignale vom CB-Funk oder VDSL in den Rückweg ein. Da alle Kabelmodems in einem Hausnetz an demselben Rückweg hingen, ziehe eine Störung das gesamte Netz in Mitleidenschaft. "Weil sich eben mit einem schlechten Einspeiser wirklich massive Probleme im Netz entfalten können", erklärte Müller. "Und im Zweifelsfall schmeißt man diesen ganzen Netzzweig ab, damit der restliche Teil des Netzes weiter funktioniert."
Satellitenanlagen schickten Gleichstrom (Fernspeisung) durch das Kabel. Minderwertige Multischalter leiteten diesen Strom ungefiltert an empfindliche Hochfrequenz-Bauteile weiter. Dadurch gerieten die Ferritkerne in die magnetische Sättigung. "Und wenn mir der Kern in die Sättigung geht, haben wir wieder eine nicht lineare Kennlinie. Das heißt, ich habe wieder Mischprodukte, die entstehen."
Durch die nicht-lineare Kennlinie vermischten sich die starken Modemsignale und erzeugten ein Störrauschen. "Das Intermodulationsrauschen ist viel schädlicher als das thermische Rauschen", erklärte Müller.
Wenn das Kabelmodem mit hohem Pegel sende und die Bauteile keine ausreichende Isolation oder Intermodulationsfestigkeit aufwiesen, überlagerten die Störprodukte die schwächeren TV-Signale – "und schon funktioniert der ganze Spaß nicht mehr", meinte Müller.
Standard-Multischalter enthielten oft einfache Schaltwandler oder Mikrocontroller, die unzureichend entkoppelt seien. "Schaltwandler verursachen immer irgendwie EMV und der Mikrocontroller pfeift mit irgendeinem Prozessortakt. Und auch das muss ich jetzt speziell handhaben, speziell abfangen, damit mir das eben nicht in den Rückweg reinpfeift." Ein einfacher Multischalter reiche für ein solches Kombisystem nicht aus, sagte Müller, der damit natürlich die Produkte seines Unternehmens bewarb.
Alle Programme des Satelliten wandern ins Kabelnetz
Der wirtschaftliche Vorteil von CATV mit Sat ist eindeutig: Speist man Satellitensignale direkt im Gebäude ein, gilt die Installation rechtlich als Gemeinschaftsantennenanlage und nicht als Kabelfernsehnetz. Müller erklärte: "Der Betreiber muss sich nicht um Einspeiselizenzen der einzelnen Sender oder Fremdsprachenprogramme kümmern, die wir unter Umständen aus Lizenzgründen gar nicht einspeisen dürfen." Man könne dieses Thema umgehen, indem man zusätzlich Satellitenprogramme in Form von Satelliten einspeise. "Alle Programme, die auf dem Satelliten sind, können wir über unser System abdecken und wir wollen teilweise gar nicht wissen, was es für Programme sind."
Mieter dübelten ihre Satellitenschüsseln dann nicht mehr an Fassaden oder Balkone, um Heimatsender zu empfangen. Das Gebäude bleibt optisch sauber und die Dämmung unbeschädigt.
"Und wenn wir ehrlich sind: Womit verdient der Kabelnetzbetreiber heute sein Geld? Eigentlich mit Internet und Telefonie. Das Fernsehangebot ist heute mehr oder weniger ein lästiges Beiwerk, was eigentlich nicht wirklich was einbringt", sagte Müller. Das TV-Programm, gegenwärtig nur noch ein Nebenschauplatz, wird dadurch aufgewertet.
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