Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Cathartic Objects: Roboter werden geschlagen, um negative Emotionen abzubauen

Viel wird über Kampfroboter gesprochen. Die Roboter von Michal Luria sind das genaue Gegenteil: Ihr Zweck ist es, beschimpft und geschlagen zu werden. Im Umgang mit diesen Robotern sollen Menschen Aggressionen und andere negative Gefühle abbauen.
/ Werner Pluta
26 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Cathartic Objects: Gestaltungsspielraum für den Umgang mit negativen Emotionen (Bild: Michal Luria/Screenshot: Golem.de)
Cathartic Objects: Gestaltungsspielraum für den Umgang mit negativen Emotionen Bild: Michal Luria/Screenshot: Golem.de

Ärger im Beruf? Frustriert vom Ergebnis des Lieblingsvereins? Aggressiv nach stundenlangem Stau? Anlässe für negative Gefühle gibt es zuhauf, und oft genug lassen wir die an Unbeteiligten aus, was meist zu weiteren negativen Gefühlen führt. Andererseits ist es auch nicht sinnvoll, negative Emotionen in sich hineinzufressen. Michal Luria hat einen Ausweg gefunden: Roboter, an denen man schlechte Laune ausleben kann.

Cathartic Objects(öffnet im neuen Fenster) – etwa: erlösende Objekte – nennt die Wissenschaftlerin der Carnegie Mellon University ihre Konstruktionen. Diese hätten, schreibt Luria auf ihrer Website, nur einen einzigen Zweck: "destruktive Verhaltensweisen zu ermöglichen".

Insgesamt vier dieser Cathartic Objects hat Luria gebaut: Das erste, das einem Sofakissen ähnelt, soll mit spitzen Gegenständen traktiert werden. Wenn einer hineingestochen wird, schüttelt es sich kurz, um zu zeigen, dass es den Schmerz absorbiert hat. Stecken zu viele Gegenstände in ihm, zittert es solange, bis alle entfernt sind. Objekt Nummer zwei ist eine Lampe, die auf Schimpfworte reagiert. Sie erfasst diese und beginnt zu leuchten, wandelt also quasi Aggression in Licht.

Das dritte Objekt ist eine Art Puppe, die erkennen soll, wenn der Besitzer wütend ist, und daraufhin "auf irritierende Weise lacht". Auf diese Weise soll sie den Menschen dazu bringen, seine Wut körperlich auszudrücken, etwa die Puppe zu schlagen oder durch die Gegend zu schleudern, bis sie aufhört zu lachen.

Das letzte Objekt soll helfen, die Quelle des Ärgers symbolisch zu zerstören, ohne dabei Schaden anzurichten, und den Nutzer dazu anregen, über eine kathartische Wirkung nachzudenken: Der Nutzer schreibt etwas auf eine Kachel, steckt diese in das Objekt und zerschlägt die Kachel mit einem Hammer. Durch den Akt der Zerstörung emittiert das Objekt Lichter und Töne.

Sie habe die Cathartic Objects geschaffen, um verschiedene physische Interaktionen zu untersuchen, die ein wichtiger Bestandteil des kathartischen Ausdrucks seien, sagte Luria dem US-Wissenschaftsmagazin IEEE Spectrum(öffnet im neuen Fenster). Das Ziel sei, ein breites Spektrum an Interaktionen zu schaffen, um zu betrachten, wie diese jeweils die kathartische Erfahrung beeinflussten.

"Technik ist meist darauf ausgelegt, positive Emotionen zu unterstützen", schreiben Luria und ihre Kollegen Amit Zoran und Jodi Forlizzi in einem Paper(öffnet im neuen Fenster), das sie auf der ACM CHI Conference on Human Factors in Computing Systems vorgestellt haben. Technik, die Menschen helfe, sich mit Emotionen wie Trauer, Wut oder Einsamkeit auseinanderzusetzen, sei hingegen selten. "Da Technik eine zentrale Rolle im täglichen Leben spielt und zunehmend sozialer wird, könnte es einen Gestaltungsspielraum für den Umgang mit negativen sozialen und persönlichen Emotionen geben."

Die ACM CHI Conference on Human Factors in Computing Systems(öffnet im neuen Fenster) findet vom 4. bis 9. Mai in Glasgow in Schottland statt.


Relevante Themen