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Catalina und Big Sur: MacOS als virtuelle Maschine unter Linux

MacOS hat den Ruf, sich nur schwer auf anderen Geräten oder in virtuellen Boxen installieren zu lassen – doch es geht einfacher als gedacht.
/ Moritz Tremmel
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Auch Pinguine mögen Äpfel-Kisten. (Bild: Apple/Montage: Golem.de)
Auch Pinguine mögen Äpfel-Kisten. Bild: Apple/Montage: Golem.de

Mehrere Notebooks mit verschiedenen Versionen von Windows, Linux und MacOS auf dem Schreibtisch aufzubauen, um eine Sicherheitslücke, ein Problem oder ein Feature zu testen, ist ein aufwendiges Unterfangen. Zum Glück geht es einfacher: Wir starten die einzelnen Betriebssysteme virtualisiert in einem Fenster, können parallel testen und schreiben und haben Platz auf unserem Schreibtisch. Einzig MacOS weigerte sich bisher, in einer virtualisierten Umgebung zu starten. Wir mussten immer unser Macbook aus dem Schrank holen oder es zwischen Homeoffice und Golem.de-Redaktion hin- und herschleppen.

Mit MacOS-Simple-KVM(öffnet im neuen Fenster) gibt es eine Alternative, mit der wir Apples Betriebssystem doch in einer virtuellen Box unter Debian 10 betreiben können. Das geht besser und schneller von der Hand als gedacht. Allerdings dürften sich Privatanwender mit der Installation in eine juristische Grauzone begeben, denn Apple untersagt die Installation von MacOS auf Nicht-Macs in seinen Lizenzbedingungen. Bisher hatte Apple nur kommerzielle Anbieter verklagt, die MacOS auf herkömmlichen Rechnern installiert hatten.

MacOS-Simple-KVM bringt den Mac auf Linux

Mit einer vorbereiteten EFI-Bootpartition und Skripten, die einen Großteil der Installation automatisieren, haben die Entwickler von MacOS-Simple-KVM die Installation vergleichsweise einfach gemacht. So sollte selbst weniger erfahrenen Linuxern die Installation gelingen. Ganz ohne Handarbeit in der Linux-Konsole geht es aber nicht.

Voraussetzung für die Installation sind die Virtualisierungssoftware Qemu in Version 3.1 oder neueren Versionen sowie Python3 und Pip. Diese können in den meisten Linux Distributionen problemlos nachinstalliert werden. Beispielsweise mit folgendem Befehl unter Ubuntu oder Debian:

        sudo apt-get install qemu-system qemu-utils python3 python3-pip

Wurde die Qemu und Co installiert, muss nur noch MacOS-Simple-KVM von Github als Zip-Datei heruntergeladen oder mit git ausgecheckt werden.

        wget https://github.com/foxlet/macOS-Simple-KVM/archive/master.zip #oder git clone --depth=1 https://github.com/foxlet/macOS-Simple-KVM.git

Mit Jumpstart MacOS Catalina und Big Sur von Apple herunterladen

Ist Git ausgecheckt oder die Zip-Datei entpackt, starten wir das Bash-Skript jumpstart.sh mit der Option --catalina, das uns die aktuelle MacOS-Version Catalina (10.15) von Apple herunterladen soll. Alternativ können wir mit --mojave oder --high-sierra auch die beiden Vorgängerversionen 10.14 und 10.13 herunterladen und installieren. Seit kurzem lässt sich auch die Betaversion von MacOS 11 alias Big Sur herunterladen. Hierzu muss die Option --big-sur angehängt werden. Wir bleiben dennoch bei Catalina.

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Nach dem Start lädt das Jumpstart-Skript das rund 2 GByte große Installationsimage von MacOS Catalina direkt von den Apple-Servern herunter. Im Test brach das Skript mehrfach ab und musste wieder neu gestartet werden, letztlich gelang es uns jedoch, das Installationsimage herunterzuladen.

Haben wir das Installationsimage, früher die DVD, benötigen wir anschließend ein virtuelles Speichermedium (die Festplatte), auf dem wir MacOS installieren können. Dieses legen wir im qcow2-Format mit Qemu per Kommandozeile an. Da wir nur kleinere Tests mit dem Betriebssystem durchführen wollen, reichen uns 30 GByte (30G), die Entwickler von MacOS-Simple-KVM empfehlen in ihrer Anleitung 64 GByte. Das Image sollte im gleichen Ordner wie die Skripte erstellt werden, alternativ müssen später in dem Skript basic.sh die entsprechenden Pfadangaben angepasst werden.

        qemu-img create -f qcow2 macos.qcow2 30G

Nun müssen wir unser virtuelles Speichermedium macos.qcow2 dem Installationsskript basic.sh bekanntmachen, indem wir die Datei ganz am Ende um folgende Zeilen ergänzen:

        -drive id=SystemDisk,if=none,file=macos.qcow2 \ -device ide-hd,bus=sata.4,drive=SystemDisk \

Nun haben wir alles vorbereitet und können mit der Installation beginnen.

Das virtualisierte MacOS installieren

Den ersten Start der virtuellen Maschine erledigt das Skript basic.sh für uns. Nach dem Ausführen des Skripts öffnet sich ein Fenster und wir werden vom Bootmanager Clover(öffnet im neuen Fenster) begrüßt, der auch bei der physischen Installation von MacOS auf einem Nicht-Mac, dem sogenannten Hackintosh, zum Einsatz kommt. Das Glücksklee-Logo von Clover auf dem Bildschirm zeigt, dass unser virtuelles System erfolgreich gestartet wurde. Wir bestätigen mit Enter den Start des Installationsimages und finden uns im Installationsmenü von MacOS wieder. Alles funktioniert.

Anstatt direkt mit der Installation loszulegen, wechseln wir in das Disk Utility von MacOS und löschen und formatieren unser zuvor erstelltes virtuelles Speichermedium mit dem Apple Filessystem (APFS). Wir beenden das Programm und starten diesmal mit Reinstall macOS die Installation unseres virtuellen MacOS.

Nachdem wir uns durch ein paar Dialoge geklickt und unser virtuelles Speichermedium als Ziel-Festplatte ausgewählt haben, heißt es erst einmal warten. Denn die Installation von MacOS bedeutet vor allem das Herunterladen jeder Menge weiterer Daten und Software. Je nach Internetleitung kann das sehr lange dauern – uns lässt MacOS zwei Stunden warten und bricht dann die Installation ab. Das könnte jedoch an der wackeligen Internetverbindung unseres ersten Testortes liegen.

Bei einem zweiten Versuch in der Golem.de-Redaktion mit schnellem und stabilem Internet läuft alles wie geschmiert. Nach nicht einmal einer Stunde begrüßt uns der Einrichtungsassistent von MacOS Catalina. Wir stellen fest, dass Apple ähnlich aufdringlich wie Microsoft agiert und uns unbedingt ein Cloud-Konto aufschwatzen möchte. Man muss sich regelrecht darum bemühen, kein Konto zu erstellen. Von Linux sind wir diese ungewollte Unternehmensbindung nicht gewohnt.

Willkommen im virtuellen MacOS

Dann sehen wir zum ersten Mal den MacOS-Desktop und können die ganzen klassischen Apple-Programme starten, wie beispielsweise den Browser Safari, den Dateimanager oder iMessage, das allerdings nur mit einem Apple-Konto funktioniert. Wir schauen uns erst einmal die Einstellungen an und richten uns das System mit deutscher Sprache und ohne natürliches Scrollen grob ein.

Danach fahren wir das System wieder herunter und nehmen noch ein paar Einstellungen außerhalb des gestarteten MacOS vor. Als erstes wollen wir einen Eintrag im Virt-Manager anlegen, einem grafischen Verwaltungsprogramm für virtuelle Maschinen. Diesen haben wir vor einiger Zeit mit folgendem Befehl installiert und unserem Nutzer die Rechte zur Verwaltung von virtuellen Maschinen erteilt:

        apt install libvirt virt-manager adduser [nutzername] libvirt

Mit einem Eintrag unserer virtuellen MacOS-Box im Virt-Manager können wir dieses und unsere anderen virtuellen Maschinen mit wenigen Klicks starten oder administrieren. Auch diese Aufgabe haben die Entwickler von MacOS-Simple-KVM für uns vorbereitet. Mit dem Skript make.sh lässt sich der entsprechende Eintrag erstellen.

        sudo ./make.sh --add macos.qcow2

Anschließend öffnen wir den nun entstandenen Eintrag macOS-Simple-KVM mit einem Doppelklick im Virt-Manager und wechseln unter Anzeige im neu geöffneten Fenster von Konsole zu Details. Hier klicken wir auf "Gerät hinzufügen", wählen Speicher aus und fügen unser virtuelles Speichermedium macos.qcow2 hinzu. Unter Speicher können wir hier auch den Arbeitsspeicher von 2 GByte auf 4 oder mehr GByte erhöhen. AnschließenD können wir unsere virtuelle MacOS-Maschine starten. Wir werden wieder von Clover begrüßt, wählen die Option MacOS/AFS und starten unser virtuelles MacOS.

Kleine Probleme hatten wir mit unserer Maus: Die Mausgeschwindigkeit unterschied sich zwischen unserem virtuellen MacOS-Fenster und unserem Linux-Hostsystem . Ein Golem.de-Leser wies uns auf einen einfachen Trick hin: Im Virt-Manager muss die virtuelle USB-Maus gelöscht und dafür ein virtuelles EvTouch USB-Grafiktablett angelegt werden. Nach einem Neustart ist das Maus-Problem gelöst.

Alles in allem sind wir erleichtert, dass wir nicht mehr jedes Mal das Macbook aus dem Schrank kramen müssen, sondern mit ein paar Klicks unsere virtuelle Box starten können, wenn wir mal wieder schnell etwas testen wollen.

Nachtrag vom 26. Juni 2020, 13:10 Uhr

Wir haben die Lösung des Maus-Problems nach einem Leserhinweis ergänzt.


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