Cassini-Raumsonde: Blausäure auf dem Saturnmond Enceladus entdeckt

In den Daten der Raumsonde Cassini der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa hat ein Forschungsteam Hinweise auf ein besonderes Molekül entdeckt: Blausäure(öffnet im neuen Fenster) - es ist für den Ursprung des Lebens von zentraler Bedeutung.
Das Team spürte die Substanz in den Fontänen des Saturnmonds Enceladus auf. Denn an einigen Stellen seines Eispanzers schießt Wasserdampf ins Weltall. Enceladus ist der begehrteste Mond , wenn es um die Suche nach möglichem Leben geht.
Die untersuchten Daten stammen von Cassinis Ionen- und Neutralmassenspektrometer. Dieses untersuchte das Gas, Ionen und Eiskörner in der Umgebung des Saturn . Darin entdeckte das Team zudem Hinweise auf eine starke chemische Energiequelle im von einer dicken Eisschicht bedeckten Ozean von Enceladus. Die bisher unbekannte Energiequelle liegt in Form verschiedener organischer Verbindungen vor. Einige davon dienen auf der Erde als Brennstoff für Organismen.
Im Inneren des winzigen Mondes könnte viel mehr chemische Energie vorhanden sein, als bisher angenommen wurde. Je mehr Energie zur Verfügung steht, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich Leben vermehren und erhalten kann.
Die wichtigsten Bausteine für Leben gibt es auf Enceladus
Laut dem Hauptautor der Studie, Jonah Peter, beherbergt Enceladus "einige der wichtigsten Moleküle, die sowohl für die Entstehung der Bausteine des Lebens als auch für die Aufrechterhaltung dieses Lebens durch Stoffwechselreaktionen erforderlich sind" .
Damit scheint der Mond nicht nur die Grundvoraussetzungen für Bewohnbarkeit zu erfüllen. Das Forschungsteam kann sich vorstellen, wie sich dort komplexe Biomoleküle durch bestimmte chemische Prozesse bilden könnten.
Leben, wie wir es kennen, benötigt Bausteine wie Aminosäuren. Blausäure ist eines der wichtigsten und vielseitigsten Moleküle, die zur Bildung von Aminosäuren benötigt werden. Da seine Moleküle auf viele verschiedene Arten zusammengesetzt werden können, bezeichnen die Studienautoren Blausäure als das Schweizer Taschenmesser der Aminosäurevorläufer.
Nicht die erste Entdeckung auf Enceladus
Bereits im Jahr 2017 fanden Forschungsteams in den Wolken des Mondes eine Kombination aus Kohlendioxid, Methan und Wasserstoff. Dies deutet auf Methanogenese hin, einen Stoffwechselprozess, bei dem Methan entsteht. Auf der Erde könnte die weitverbreitete Methanogenese für die Entstehung des Lebens entscheidend gewesen sein.
Die aktuelle Untersuchung fand stattdessen eine weitaus leistungsfähigere und vielfältiger chemische Energiequellen als die Methanbildung. Die Arbeitsgruppe entdeckte organische Verbindungen, die oxidiert wurden. Es könnte also viele chemische Wege geben, um Leben im Ozean von Enceladus zu erhalten. Denn die Oxidation trägt zur Freisetzung von chemischer Energie bei.
"Wir haben Mathematik und statistische Modellierung eingesetzt, um herauszufinden, welche Kombination von Puzzleteilen am besten zur Zusammensetzung der Fontänen passt, und das Beste aus den Daten gemacht, ohne den begrenzten Datensatz zu überinterpretieren" , erklärte der Hauptautor der Studie. Dem Forschungsteam sei klargeworden, dass sich die Zusammensetzung der Gasfontänen ohne die Einbeziehung von Blausäure nicht erklären lasse.
Zwar konnte das Team nicht beantworten, ob tatsächlich Leben auf Enceladus entstanden ist. Dafür konnten die Forscher neue chemische Wege für die Entstehung und die Aufrechterhaltung von Leben zeigen, die nun im Labor getestet werden können.
Zur Studie
Die Studie wurde am 14. Dezember 2023 in der Fachzeitschrift Nature Astronomy veröffentlicht: Detection of HCN and diverse redox chemistry in the plume of Enceladus(öffnet im neuen Fenster) (Nachweis von HCN und diverser Redox-Chemie in der Wolke von Enceladus).



