Cartapping: Autos werden seit 15 Jahren digital verwanzt
Autos mit intelligenten Navigations- und Bordsystemen werden offenbar seit rund 15 Jahren digital verwanzt, wie Forbes berichtet(öffnet im neuen Fenster). Bei vielen Verbrauchern lösen Systeme wie eCall ohnehin Datenschutz- und Privatsphärebedenken aus. Auch andere Sensoren können genutzt werden, um detaillierte Profile von Autofahrern zu erstellen. Bei eCall soll den Bedenken mit Verwertungsverboten entgegen getreten werden – doch in den USA gibt es bereits viele Beispiele dafür, wie Autokomponenten zur Überwachung genutzt wurden.
So soll der US-Autokonzern General Motors (GM) in den Jahren 2007 und 2009 Daten über Autobesitzer weitergegeben haben, die über das Onstar-System erhoben wurden. Die Onstar-Systeme ermöglichen zahlreiche Funktionen von der Wartung bis hin zur Navigation und Internetanbindung des Autos und sind auch in Modellen der GM-Tochter Opel verbaut.
Im Jahr 2009 wurde so ein Drogendealer überführt, das System arbeitete offenbar so genau, dass das Auto auf dem Interstate-Highway 20 inmitten anderer Autos eindeutig identifiziert werden konnte. Die Polizei verfolgte die Fahrtroute des Verdächtigen von Houston, Texas bis nach Ouchita Parish in Louisiana.
Auch Audio-Überwachung möglich
Der Zugriff auf die Systeme ermöglicht aber nicht nur die Feststellung des Standortes, sondern auch das Mithören von Gesprächen. Der Hersteller ATX Technologies wurde bereits im Jahr 2001 aufgefordert, einen Mercedes Benz-Besitzer dauerhaft zu überwachen.
Das Unternehmen führte die entsprechende Überwachung für 30 Tage durch, einer Verlängerung widersprach es mit dem Argument, der von der Polizei verlangte Aufwand sei deutlich zu hoch. Demnach sind nicht nur Autohersteller selbst von solchen Anfragen betroffen, sondern auch Zulieferfirmen.
Versehentlich den Notfall-Knopf gedrückt und beim Drogendeal belauscht
Ein weiterer Fall soll sich im Jahr 2007 zugetragen haben. Ein Besitzer eines GM Chevrolet Tahoe wurde überwacht, nachdem ein Notfall-Knopf gedrückt worden war, der mit dem Onstar-System verbunden ist. Nach Angaben des Besitzers war dieser sich nicht bewusst, einen entsprechenden Schalter betätigt zu haben. Ein Mitarbeiter von GM hörte dann, wie die Insassen des Autos einen Drogendeal besprachen und zog die Polizei hinzu. Diese stoppte das Auto und fand Marihuana.
GM sagte dazu: "Wir führen weder eine Überwachung noch anderes Tracking von mit Onstar ausgerüsteten Autos durch, es sei denn es gibt einen gültigen Gerichtsbeschluss oder es besteht Gefahr im Verzug" ("exigent circumstances").
Diebstahlschutzfunktion aus der Ferne aktiviert
Nach Angaben von Forbes hatte die New Yorker Polizei im Jahr 2014 den Betreiber von Funk- und Telematiksystemen Siriusxm aufgefordert, Standortdaten zu einem bestimmten Auto zu übermitteln. Die Anordnung galt für die Dauer von zehn Tagen, das Unternehmen entsprach dem Gesuch.
Ziel war in dem Fall ein Toyota 4-Runner, der Besitzer soll in illegales Glücksspiel verwickelt gewesen sein. Siriusxm sagte Forbes, man sei der Aufforderung nachgekommen, indem die Diebstahlschutz-Funktion des Autos aus der Ferne angeschaltet wurde. Diese Funktion ist mit den bei Smartphones vorhandenen Funktionen vergleichbar und überträgt den GPS-Standort.
Die Besitzer der überwachten Autos gingen zum Teil gerichtlich gegen die Verwertung der Beweise vor. In den meisten Fällen sahen die Gerichte aber eine genügende Rechtsgrundlage ("probable cause", nach US-Recht). Nach Vorliegen eines Gerichtsbeschlusses gebe es keine rechtliche Garantie der Privatsphäre mehr ("no expectation of privacy").
Alle hier präsentierten Fälle basieren auf der Kooperation von Autoherstellern mit den Behörden. In Zukunft ist es aber auch denkbar, dass Angriffe gegen die IT der Autos gefahren werden, um Systeme zu infiltrieren. Dass das möglich ist, haben mehrere erfolgreiche Hacks gezeigt.
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