Cariad: VW entwickelt autonomes Fahren ohne Bosch weiter
Der deutsche Autohersteller Volkswagen will offenbar die Zusammenarbeit mit Bosch im Bereich autonomes Fahren beenden. Das melden verschiedene(öffnet im neuen Fenster) Medien(öffnet im neuen Fenster). Zuerst hatte die Bild-Zeitung(öffnet im neuen Fenster) das Ende der Partnerschaft unter Berufung auf Insider vermeldet. Ein Cariad-Sprecher bestätigte auf Nachfrage von Golem den Bericht.
Das gemeinsame Projekt mache zu geringe Fortschritte, heißt es den Insidern zufolge. Außerdem müsse Volkswagen sparen – erst kürzlich wurde bekannt, dass VW bis zu 100.000 Mitarbeiter entlassen will. Interne Fachbereiche halten die Technologie den Quellen zufolge für nicht wettbewerbsfähig.
Statt selbst ein neues System für autonomes Fahren zu entwickeln, wolle VW nun die notwendige Hardware und Software von einem noch unbekannten neuen Partner zukaufen. Eigentlich wollten Bosch und das VW-Softwareunternehmen Cariad das neue autonome Fahrsystem bis Mitte 2026 vorgestellt haben. Bekannt wurde das Projekt im Sommer 2025.
Autonomes Fahren sollte erschwinglicher werden
Die sogenannte Automated Driving Alliance bestand seit 2022 und hatte zum Ziel, autonomes Fahren auch für preiswerte Automodelle erschwinglich zu machen. 2025 klangen die verantwortlichen Manager noch zuversichtlich: "Wir beherrschen die Technologie für das automatisierte Fahren im europäischen Markt besser als andere", sagte etwa Bosch-Entwicklungschef Mathias Pillin.
Vor allem aus China ist die Konkurrenz bei der Entwicklung von Hardware und Software für autonomes Fahren stark. VW rechnete früheren Berichten zufolge damit, dass ab 2030 Level-3-Fahren bei Neuwagen zur Standardausstattung gehören wird. Dabei können Fahrer in bestimmten Situationen die Hände komplett vom Lenkrad nehmen; nur auf Aufforderung muss dann die Kontrolle über das Fahrzeug übernommen werden.
Nachtrag vom 30. Juni 2026, 11:12 Uhr
Ein Cariad-Sprecher teilte auf Anfrage mit, dass sich die Kooperation nur noch auf die Automatisierungsstufe 2 erstrecke. Demnach solle der für 2027 geplante vollelektrische Kleinwagen VW ID.Every1 mit einem Assistenzsystem nach Level 2 an den Start gehen, das zusammen mit Bosch entwickelt worden sei. Der Software-Stack ermögliche auch das freihändige Fahren in bestimmten Verkehrssituationen.
Für das Fahren in der Automatisierungsstufe 3 schaut sich Cariad jedoch nach anderen Partnern um. "Wir prüfen grundsätzlich regelmäßig unsere Entwicklungspartnerschaft und stimmen uns fortlaufend dazu ab, ob sie zu unseren strategischen und technologischen Zielen sowie den aktuellen Entwicklungen auf dem Markt passt. Insbesondere bei Level-3-Fahrsystemen – gerade in Europa – haben sich andere Entwicklungen in Markt und Technologie ergeben als zu Beginn der Zusammenarbeit erwartet", sagte der Sprecher.
Bislang haben nur Mercedes-Benz und BMW Systeme nach Level 3 hierzulande in Serie gebracht. Diese ermöglichen dem Fahrer Nebentätigkeiten während der Fahrt, da er das Fahrgeschehen nicht permanent überwachen muss. Allerdings nahmen die Hersteller die Produkte wieder vom Markt, da sie noch mit starken Einschränkungen verbunden waren. Möglich war zuletzt das Fahren im Stau mit bis zu 90 km/h.
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