Cariad-Campus Berlin eröffnet: "Das Scheitern war notwendig"
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Warum ist eine Bundestagspräsidentin bei der Eröffnung eines Entwicklungscampus für Autosoftware anwesend? Julia Klöckner zeichnete sich beim sogenannten Signalgate zuletzt nicht gerade durch Technikkompetenz aus. Doch die CDU-Politikerin ist mit der Auto- und Digitalindustrie auf einer Linie, wenn es um die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland geht. Mehr wagen und weniger regulieren, lautet der Tenor beim offiziellen Start des Automotive Software Campus der VW-Tochter Cariad am Berliner Nordhafen.
Zum Start der zweistündigen Veranstaltung schallt es durchaus selbstkritisch aus dem Lautsprecher. "Wir hatten die Komplexität unterschätzt und das Scheitern war notwendig", sagt eine Frauenstimme in Anspielung auf die Softwareprobleme beim Start des ID.3 und die jahrelangen Verzögerungen bei wichtigen Porsche- und Audi-Modellen.
Bosch: Wir kommen von weit unten
Der neue Firmenchef Peter Bosch schlägt in dieselbe Kerbe: "Dieser Moment heute, der fühlt sich auch deshalb so besonders an, weil wir auch wissen, wo wir herkommen. Wir kommen da schon von relativ weit unten, ehrlich gesagt." Den damaligen VW-Chef Herbert Diess, der Cariad ins Leben gerufen hatte, kosteten die anhaltenden Probleme schließlich den Job.
Laut Bosch reagierte der Autohersteller darauf "mit einer der umfassendsten Transformationen der Technologiebranche hier in Europa". Inzwischen sei die Software-Tochter jedoch ein "verlässlicher Technologiepartner für die Marken des Volkswagen-Konzerns". "Alle von Euch haben neue Wege beschritten, hier ist kein Jobprofil wie vor drei Jahren", sagte Bosch an die Adresse der versammelten Mitarbeiter gerichtet.
1.000 Mitarbeiter in Berlin
Allerdings soll Cariad nicht mehr das zentrale Betriebssystem VW.OS liefern. Dazu kooperiert der Konzern für die westliche Hemisphäre mit dem US-Start-up Rivian und in Asien mit Xpeng. Der Fokus liegt auf der Weiterentwicklung der bisherigen Architekturen E3 1.1 und E3 1.2 sowie der China-Architektur CEA.
Mit einer Entlassungswelle reduzierte Cariad die Zahl der Mitarbeiter von 5.900 auf etwas mehr als 4.000. Weltweit gibt es mehr als 20 Standorte, darunter fünf Markenhubs in Stuttgart (Porsche), Ingolstadt (Audi), Wolfsburg (VW) sowie in den USA und China. Der größte Standort ist weiterhin Ingolstadt.
Im neu angemieteten Gebäude in Berlin arbeiten mehr als 1.000 Personen, darunter 80 Prozent Tech-Experten. Die Hauptstadt soll mit anderen IT-Standorten wie dem Silicon Valley konkurrieren und Entwickler anlocken, die möglicherweise nicht nach Ingolstadt oder Wolfsburg ziehen würden. Hinzu kommen flexible Arbeitsplatzmodelle, die problemloses Arbeiten im Ausland ermöglichen.
Berlin ist dabei für das automatisierte Fahren sowie den digitalen Assistenten zuständig.
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