Canyon Pathlite ON 9 LTD SUV: Ein starkes SUV-E-Bike für die Landstraße

Unser jüngst getestetes SUV-Pedelec (G+) vom Harley-Ableger Serial tat sich durch seine Größe und einen starken Motor hervor, Offroad-Ausflüge hätten wir damit aber nur ungern unternommen. Das ist beim Topmodell Pathlite:ON 9 LTD SUV von Canyon anders.
Bereifung, Federung und das verbaute Bosch-ABS an der Frontbremse laden geradezu dazu ein, auch mal den befestigten Weg zu verlassen - was wir ausführlich getan haben, aber dazu später mehr.
Technisch ist das E-Bike auf dem aktuellsten Stand: Es kommt mit dem Motor Performance Line CX von Bosch, hat dessen smartes System auf Kiox-Fahrradcomputer und Smartphone, bietet eine Funkkettenschaltung mit 12 Gängen und eine gefederte, per Knopfdruck absenkbare Sattelstütze.
Außerdem ist das erwähnte ABS der zweiten Generation an Bord, es gibt eine Diebstahlsicherung, ein stabiler Gepäckträger und ein Ständer sind ebenfalls serienmäßig dabei. Vorbildlich: Das Pedelec ist in mehreren Rahmengrößen und zwei Geometrien erhältlich. Dafür ist der Lenker lediglich mit Abstandshaltern in der Höhe variierbar, der Winkel kann nicht geändert werden.

Äußerlich macht das Pathlite:ON 9 LTD SUV seinem Namen als SUV-Bike alle Ehre: Es sieht wuchtig aus und ist mit fast 28 Kilogramm Gewicht recht schwer. Dazu trägt sicherlich auch der mit 750 Wh sehr üppig ausgelegte Akku bei. Auf der Suche nach einer Entnahmemöglichkeit zum Laden mussten wir jedoch feststellen, dass das nur sehr umständlich geht. Es ist also sinnvoller, das Rad über den oben am Rahmen befindlichen, geschützten Anschluss zu laden.
Das geht bis auf 50 Prozent recht schnell in zwei Stunden, für eine volle Ladung sind aber eher sechs Stunden nötig. Nachdem das Rad geladen und die App(öffnet im neuen Fenster) mit dem Telefon gekoppelt waren, brauchte es noch ungefähr 25 Minuten für ein Update der Software des Rades. Danach schwangen wir uns in den Sattel.
Fast schon zu gut motorisiert
Als Erstes fiel uns ein neuer Fahrmodus(öffnet im neuen Fenster) namens Auto auf, den Bosch seit 2022 in seine aktuellen Motoren integrierte. Dieser wurde sehr schnell unser Favorit.
Das Pedelec zeigte sehr gute Fahreigenschaften, wenn wir unterstützt fuhren - kein Wunder, denn der Motor ist der stärkste im derzeitigen Angebot von Bosch. Motorlos fuhr sich das Rad natürlich um einiges schwergängiger, was an der Bereifung und dem hohen Gewicht liegt. Auch der Übergang vom unterstützten zum normalen Treten ab 25 km/h fiel uns stark auf. Eine leichte Vibration unter unseren Sohlen bei eben dieser Transition störte uns nicht.
Trotzdem verführte uns das Pathlite mehr als einmal zu rasanten Manövern, die dank seiner Wendigkeit und Agilität andere Verkehrsteilnehmer durchaus verstören könnten. Hier liegt unserer Meinung nach eine Gefahr: Wir mussten nur kurz antreten, um stark zu beschleunigen, womit speziell Autofahrer im Stadtverkehr nicht unbedingt rechnen.
Das Dürfen ist des Könnens Maß
Dieses bullige Pedelec eignet sich daher unserer Meinung nach in der Stadt eher für eine geübte Käuferschicht oder ist von vornherein besser auf Landstraße und Feldweg aufgehoben - zu groß erscheint uns die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer sich selbst überschätzen oder dass andere Verkehrsteilnehmer die Beschleunigung des Rades unterschätzen.
Keine Gefahr droht hingegen in puncto Reichweite. Der Akku schaffte in unserem Test mit verschiedenen Stufen locker mehr als die 100 km, die der Hersteller bewirbt.
Trotz unserer Bedenken bezüglich der Sicherheit im Verkehr: Die verbauten Schutzmaßnahmen fanden wir vorbildlich. Das ABS an den Vorderbremsen ermöglicht es, auf allen Untergründen sicher zum Stehen zu kommen, was auch abseits der Straße hilfreich war. Das Fernlicht ergänzt die ohnehin schon starke LED-Frontleuchte hervorragend, und die Möglichkeit eines Diebstahlalarms ist bei einem so teuren Rad ebenfalls sinnvoll. Dieser ist im ersten Jahr kostenlos, die weitere Preisgestaltung wird Bosch noch im Juni bekannt geben(öffnet im neuen Fenster) .











Beim Fernlicht, das durch einen Knopfdruck am Lenker aktiviert wird, hätten wir uns lediglich noch die Möglichkeit einer Lichthupe gewünscht, wie sie Vanmoof in seinen aktuellen Rädern integriert .
Die smarten Funktionen des Kiox-Fahrradcomputers haben wir in einem eigenen Artikel bereits gelobt und kritisiert, einiges ist noch immer besser auf dem Smartphone gelöst. Wer auf den normalen Pendelstrecken unterwegs ist, wird allerdings kaum dazu neigen, das Telefon auch noch ins Cockpit zu integrieren. Canyon bietet zusätzlich eine eigene App(öffnet im neuen Fenster) , die neben ähnlichen Funktionen zur Bosch-App Aufbauhilfen und Tipps zum Rad beinhaltet.
Da die Schaltung ebenfalls digital und funkvernetzt läuft, muss deren Akku übrigens auch alle paar hundert Kilometer geladen werden. Der Sender am Lenker benötigt eine Knopfzelle, die sich leicht wechseln lässt.
Alles in allem brachte uns das Canyon Pathlite:ON 9 LTD SUV mühelos durch den recht windigen Berliner Mai. Wir fuhren Strecken, die wir zuvor aufgrund ihrer Wegbeschaffenheit meiden mussten, außerdem ließen wir den Daumen vom Moduswahlschalter, weil die automatische Unterstützung uns in fast allen Szenarien wohldosiert Kraft gab.
Die gute Federung kam uns auf den mitunter löchrigen Berliner Radwegen ebenso zugute wie auf Waldstrecken und Kopfsteinpflaster. Konstant 25 wie mit dem Pathlite:ON 9 LTD SUV sind wir auf einigen dieser Wege noch nie gefahren - und werden es wohl auch mit normalen Rädern tunlichst unterlassen.
Verfügbarkeit und Fazit
Verfügbarkeit
Das Topmodell von Canyon hat aber auch einen recht hohen Preis: Für knapp 5.500 Euro ist das Pathlite:ON 9 LTD SUV beim Hersteller in zwei Rahmengeometrien und drei Größen verfügbar. Derzeit sind allerdings nicht alle Größen auf Lager. Der Lieferumfang ist StVZO-konform, das Vorderrad muss selbst eingesetzt werden. Werkzeug liegt dem Rad bei.
Fazit
Wir sind uns am Ende ziemlich sicher, für wen dieses Rad gemacht wurde: Wer täglich mehr als 20 Kilometer pro Strecke pendelt und dies auf dem bergigen Land tut, wo man die Hauptstraße auch mal verlassen möchte, wer das Rad treppen- und nahverkehrsfrei einfach fahren möchte, ist eindeutig in der Zielgruppe.
In der Stadt schlägt sich das Pedelec zwar auch sehr gut, aber wir fanden es hier etwas überdimensioniert - sowohl bei Gewicht und Maßen als auch bei der Motorisierung. Genossen haben wir es trotzdem, mit Maximalgeschwindigkeit über die kaputten Berliner Radwege zu brettern.
Auf der anderen Seite ist das Rad mit seinem verhältnismäßig hohen zulässigen Gesamtgewicht von 140 kg auch für ausgedehnte Touren am Wochenende geeignet, der robuste Gepäckträger lädt dazu ein, die Picknicktaschen zu füllen.
| Fahrergröße/max. Gesamtgewicht | 170-200 cm/140 kg |
| Reifen | Maxxis CrossMark II, 27,5″, 57 mm |
| Motorleistung | Mittelmotor Bosch Performance Line CX, 36 V, 250 W |
| Akkukapazität | 750 Wh, theoretisch abnehmbar |
| Ladezeit | in 2 Stunden bis 50%, in 6 Stunden bis 100% |
| Reichweite laut Hersteller | über 100 km |
| Reichweite gemessen (normale Witterung, ebene Strecke) | 120 km |
| Gewicht | 28,5 kg |
| Bremsen | hydr. 4-/2-Kolben-Scheibenbremsen Magura MT C mit Bosch-ABS |
| Schaltung | Sram Eagle AXS, 12 Gänge Kettenschaltung |
| Federung | SR Suntour Mobie 35 Boost EQ |
| Material Rahmen | Aluminium |
| Lieferumfang StVZO-konform | ja |
| Preis | ca. 5.500 Euro |
Als Ersatz für ein Sport-Mountainbike sehen wir das Pathlite:ON eher nicht, denn die Metallschutzbleche sind nicht ohne weiteres zu entfernen. Unsere einzigen größeren Kritikpunkte sind der nicht ohne weiteres entnehmbare Akku und der wenig anpassbare Lenker.
Die Schaltung mit ihrem eigenen Akku, der separat betreut werden muss, und die Knopfzelle im Sender am Lenker sind ebenfalls nicht ideal gelöst, denn bei einem E-Bike könnte beides eigentlich über die interne Stromversorgung gespeist werden.
Wie immer sollte eine Probefahrt bei einem der von Canyon gelisteten Partner(öffnet im neuen Fenster) Ausschlag über die Kaufentscheidung geben, wir sind uns aber sicher, dass sich nach den ersten paar Kilometern jedes andere Rad im Vergleich untermotorisiert und schwach anfühlen wird - nur nicht übermütig werden!



