Canon: Der endgültige Beweis, dass DRM weg kann

Endlich gibt auch mal ein Hersteller zu, dass DRM nur der Kundengängelei dient. Es wird Zeit, das endlich zu lassen.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Druckerpatronen - und alles andere - sind besser ohne DRM.
Druckerpatronen - und alles andere - sind besser ohne DRM. (Bild: Yuya Shino/File Photo/Reuters)

Mit dem sogenannten Digital Rights Management (DRM) verhindern Hersteller und Produzenten, dass legitime Kunden die von ihnen gekauften Produkte so verwenden können, wie sie wollen. Zudem werden die Kunden dabei noch bevormundet. Doch diejenigen, die sich - eventuell auch mit illegalen Methoden - über DRM-Systeme hinwegsetzen, haben ein einfacheres Leben. Das muss nun auch mit Canon erstmals ein Hersteller offiziell eingestehen, wenn auch etwas unfreiwillig.

Dem Drucker-Hersteller Canon sind wegen der allgemeinen Chipknappheit schlicht seine DRM-Chips für Toner-Kartuschen ausgegangen. Die bisher von Canon verkauften Drucker untersuchen die Kartuschen nach diesen Chips, finden sie aber nicht. So werden dann schnell selbst legitime, von Canon gekaufte Kartuschen zur vermeintlich gefälschten Hehlerware und den Nutzern wird dies auch so mitgeteilt. Canon empfiehlt offiziell, die DRM-Fehlermeldung einfach zu ignorieren und weiter zu drucken wie bisher.

Damit leistet Canon nun tatsächlich mal ernsthaft Dienst am Kunden und verkündet hochoffiziell, dass DRM nichts bringt und getrost ignoriert werden kann. Denn auch ohne den DRM-Einsatz bleibt alles beim Alten und das Produkt wird nicht weiter beeinträchtigt. Doch genau das haben Hersteller bisher oft einfach immer wieder behauptet, mit offensichtlich fadenscheinigen Argumenten.

DRM-Systeme bringen nichts

Dass an derlei Argumenten nicht viel dran ist, zeigt schon ein Blick in die Linux-Welt. So bietet Brother offiziell eigene Drucker-Treiber für Linux an. Diese sind jedoch proprietäre Software und nicht für alle Distributionen verfügbar. Deshalb gibt es auch den freien Foomatic-Treiber, der per Reverse-Engineering entsteht, mehr Funktionen bietet als der offizielle Treiber und darüber hinaus sogar von jeher ohne DRM auskommt.

Dass die Nutzung der Kartuschen von Drittanbietern Nachteile bringt, sollte sich ebenfalls als Märchen verbuchen lassen. Der Wahrheitsgehalt dieser Behauptung wird auch nicht dadurch größer, dass sie ständig durch die Hersteller wiederholt wird. Immerhin setzen Kunden seit Jahrzehnten auf diese günstigeren Alternativen oder füllen ihre Tintenpatronen selbst wieder mit Farbe auf. Der große Drucker-Gau bleibt dabei freilich völlig aus. Außer natürlich, diese Systeme können wegen des eingesetzten DRM nicht mehr drucken.

Zusätzlich gibt es unzählige Beispiele dafür, dass der Einsatz von DRM mehr als fragwürdig erscheint. Das gilt für Geschirrspüler, Kaffeemaschinen oder auch Saftpressen. Darüber hinaus können etwa Kopierschutzsysteme oft umgangen werden, wie sich bei diversen Anbietern für Videospiele immer wieder zeigt, etwa bei dem bekannten Denuvo. Ebenso werden die Kopierschutzsysteme von aktuellen Streaming-Angeboten immer wieder geknackt.

DRM schadet Nutzern und Kunden

Hinzu kommen die vielen tatsächlichen Probleme, die DRM-Systeme immer wieder verursachen. Diese nerven nicht nur die Nutzer legitimer Software und Hardware, wie im hier beschriebenen Fall - sie können auch aktiv Schaden anrichten. Das reicht von kleineren Problemen, wie einer zu geringen Auflösung in Filmen und Serien bis zur kompletten Unbenutzbarkeit gekaufter Produkte.

So sorgte das Auslaufen oder Abschalten von DRM-Systemen in der Vergangenheit dafür, das E-Books nicht mehr gelesen werden oder Videospiele nicht mehr gespielt werden konnten. Die von Kopierschutzsystemen genutzten Kernel-Treiber verhindern zudem ein Spielen unter Linux oder gar unter Windows. Kernel-Treiber sind zudem ein unnötiges Sicherheitsrisiko.

Zwar haben wir bereits vor Jahren geschrieben, dass DRM-Systeme vielen Nutzern dienen könnten, solange sie funktionieren und Vorteile bringen. Das gilt etwa für die vielen Streaming-Plattformen, die dank standardisiertem DRM im Browser genutzt werden können. Diese Vorteile wiegen die aufgezählten Nachteile und Probleme mit der Technik aber bei Weitem nicht auf. Die Idee des DRM gehört deshalb endlich eingemottet.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]

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Dakkaron 18. Jan 2022

Nämlich mehr Geld der Firma. Das ist immer der ausschließliche Grund für DRM, egal in...

leonardo-nav 15. Jan 2022

Joa, man bräuchte ein GOG für Serien und Filme. Ich kaufe derzeit manchmal DVDs, aus...

Artim 14. Jan 2022

Natürlich. Aber es geht eben nicht um sinnvoll oder nicht, sondern einzig um den eigenen...

Vogel22 14. Jan 2022

Denn auch ohne den DRM-Einsatz bleibt alles beim Alten und das Produkt wird nicht weiter...



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