Campusnetze: Das teure Versäumnis der Telekom

Die Deutsche Telekom muss anderen Konzernen bei 5G-Campusnetzen entgegenkommen. Jahrzehntelang von Funklöchern auf dem Lande geplagt, wollen Siemens und die Automobilindustrie nun selbst Mobilfunknetze aufspannen. Auch der öffentliche Rundfunk will selbst 5G machen.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Telekom-Chef Tim Höttges
Telekom-Chef Tim Höttges (Bild: Deutsche Telekom)

Die Deutsche Telekom hat ihren Konfrontationskurs zu Campusnetzen aufgegeben. Das Unternehmen testet derzeit ein Campusnetz mit Osram auf dem Werksgelände in Schwabmünchen auf Basis von LTE. Dort sollen mobile Roboter und fahrerlose Transportfahrzeuge zum Einsatz kommen, die das Material im Werk transportieren. Geboten wird LTE, Edge Computing und KI.

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"Verbände, Netzbetreiber, Politik und Forschung müssen an einen Tisch! Wir wollen nicht übereinander reden, sondern miteinander. Damit der Rahmen für 5G ideal gesetzt wird und den Bedürfnissen der Industrie entspricht", hatte Telekom-Chef Tim Höttges unlängst gesagt. Es könnte für die Telekom sehr teuer werden, wenn viele Großbetriebe selbst zu Netzbetreibern würden.

Noch einen Monat zuvor hatte Telekom-Deutschland-Chef Dirk Wössner sich starr dagegen gewandt, 5G-Frequenzen an regionale Netzbetreiber und Industrieunternehmen zu vergeben. Wössner sagte: "Wenn jeder sein eigenes 5G-Netz auf seinem Fabrikhof baut, bekommen wir eine Kleinstaaterei mit vielen Lösungen, die überhaupt keine Größenvorteile bieten."

Frustriert von Funklöchern auf dem Land setzte die Fertigungsindustrie bei der Bundesnetzagentur durch, dass 5G-Frequenzen an regionale Netzbetreiber und Industrieunternehmen vergeben werden. Bei der lokalen 5G-Vergabe geht es um die Bereiche 3.700 MHz bis 3.800 MHz und 26 GHz. Für lokale und regionale Funknetze machen Automobilkonzerne und Siemens erheblichen Druck. Bereits 15 Unternehmen haben Interesse an lokalen oder regionalen Lizenzen für den Einsatz von 5G in Fabriken signalisiert.

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Laut Angaben von ARD und ZDF an die Bundesnetzagentur, die Golem.de vorliegen, hat auch der Rundfunk Interesse an Frequenzen für 5G-Campusnetze. Bereits bei der Anhörung der Bundesnetzagentur am 13. Juli 2018 lagen von zahlreichen Interessenten aus dem Industriebereich Nutzungsszenarien für den Frequenzbereich 3,7 bis 3,8 GHz vor. Auch der Rundfunk befürwortet die Vergabe dieses Frequenzbereichs im Rahmen eines Antragsverfahrens und hat ebenfalls Planungen und Bedarf zur Nutzung dieses Frequenzbereichs mit Mediencampusnetzen angemeldet. Konkreten Bedarf an eigenständigen Mediencampusnetzen habe der Rundfunk primär an seinen Produktions- und Verwaltungsstandorten. Dabei handele es sich um "Kommunikationssysteme für drahtlose Anwendung, zum Beispiel von Kameras, Mikrofonen, zur drahtlosen Sprachübertragung auf dem Mediencampus, Remote Editing in der Cloud von jedem Ort aus, hochperformante drahtlose Internetzugange auf dem gesamten Mediencampus, drahtloser Zugriff auf Archive, trimedialer Beitragsaustausch, Anbindung von Übertragungswagen auf dem Produktionsgelände et cetera."

Von entscheidender Bedeutung sei hier ein eigenes Netz auf dem Mediencampus, in dem Prioritäten und Kapazitäten autark gemanagt werden können und die Quality-of-Service-Parameter in eigener Hand liegen. Dies könne nur mit eigenständigen Netzen erreicht werden. WLAN-Netzwerke oder öffentliche 5G-Netze seien dafür weder durch ihre technischen Eigenschaften, noch durch ihre Kapazitäten und deren QoS-Garantie geeignet. Mit 5G-Mediencampusnetzen könnten auch verbesserte Sicherheitsstandards umgesetzt werden, die heutige Medien-Workflows erforderten.

Nach Angaben von ARD und ZDF ist 5G im Indoor-Bereich die technologische Weiterentwicklung und Nachfolgetechnik für reine WLAN-Netze. Moderne Rundfunkproduktionen benötigen insbesondere für die Videoübertragung hohe Datenraten bei minimaler Latenz. "Selbst wenn 5G die hohen Datenraten erfüllen wird, bedarf es dafür ausreichend Spektrum. Im Indoor-Bereich erscheinen die antragsfähigen 100 MHz für die meisten Anwendungsfalle ausreichend. Für die Outdoor-Nutzung sind die intendierten 20 MHz hingegen zu knapp bemessen", heißt es. Weitere Frequenzblöcke aus dem Bereich 3400 bis 3800 MHz sollten zugeteilt werden.

Private Industrienetze und temporäre 5G-Inseln zeigt das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (Fokus) während der Berlin5GWeek vom 13. bis 16. November. Mit einem 100 GBit-Anschluss können auch Partner in Berlin und deutschlandweit an das 5G-Testnetz angeschlossen werden. Die Forscher haben im Gebäude und um das Institut herum Geräte wie Antennen, Sensoren, Switches und Endsysteme installiert. Von Fokus entwickelte Softwarebausteine dienen zur Verwaltung der Infrastruktur und Netzfunktionen (Open Baton). Dazu kommt ein von Fokus entwickeltes 3GPP konformes Software-basiertes 5G-Kernnetz (Open5GCore) und Edge Computing-Technologien, die eine dezentrale Bearbeitung der Daten ermöglichen und so für erhöhte Schnelligkeit und Sicherheit in industriellen Anwendungen sorgen sollen.

Fazit

Es wird für die Telekom und andere Mobilfunkbetreiber nicht leicht, die Kundenanforderungen für 5G-Campusnetze zu erfüllen. Die Netzwerkausrüster bieten fertige Campuslösungen an, ob die Netzbetreiber flexibel genug sind, sie im Sinne der Industrie einzusetzen, müssen sie erst beweisen. Sonst haben wir statt drei Mobilfunknetzbetreibern bald 30 in Deutschland.

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senf.dazu 23. Okt 2018

Ja - denn die Oligopolanbieter können weniger Geld in die eigene Tasche wirtschaften...

FunnyGuy 18. Okt 2018

Ich denke für den Bauern ist es ebenfalls in Ordnung wenn du nur 16 Mbit bekommst, das...

qq1 16. Okt 2018

Einer mammutaufgabe mit potential. Genau das wäre etwas was eine innovative welt braucht...



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