Campus Party Europe 2012: "Bitte kopieren Sie diese Musik"

Schwarzkopien müssen der Musikindustrie nicht schaden, sondern können ihr nützen, wenn sie richtig eingesetzt werden. Das sagt Christian Villum und liefert mit seinem Musiklabel Uhrlaut den Beweis.

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Musikpiraterie könne nicht schaden, wenn sie richtig genutzt werde, sagt Christian Villum.
Musikpiraterie könne nicht schaden, wenn sie richtig genutzt werde, sagt Christian Villum. (Bild: Jörg Thoma/Golem.de)

Das Internet sei eine riesige Ressource, die, richtig eingesetzt, für die Vermarktung von Musik ideal sei, sagt Christian Villum. Mit seinem Label Uhrlaut hat er Downloads und Bittorrents im Internet genutzt, um zunächst die Künstlerin Tone und dann weitere Bands so bekanntzumachen, dass sie trotz kostenloser Downloads an ihren Werken verdienen können.

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Die Künstler bei Uhrlaut stellen alle ihre Werke unter die Creative-Commons-Lizenz. Und die dänische Verwertungsgesellschaft Koda kümmert sich um die Einnahme der Tantiemen.

Nur gute Künstler haben eine Chance

Sein kleines Label arbeite ganz anders als die großen Musikanbieter, sagt Villum. Diese würfen 100 Künstler auf den Markt, von denen einer beim Publikum akzeptiert werde. Sein Label hingegen unterstütze nur Musiker, von denen er überzeugt sei, dass sie auch Talent hätten und beim - wenn auch kleinen - Publikum ankämen.

Viel wichtiger sei es aber, das Internet zu nutzen, auf die Nutzer einzugehen und nicht gegen sie zu kämpfen. Denn das Netz habe Konzepte wie Freundschaft und Teilen völlig auf den Kopf gestellt. Wie soll einem Kind klargemacht werden, dass es kostenlos Videos auf Youtube ansehen darf, Musik aber nicht straflos an seine Freunde verteilen, fragt Villum.

Beziehung zwischen Künstler und Fans

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Uhrlaut nutze daher das Internet, um eine Beziehung zwischen Künstler und seinen Fans aufzubauen - und dazu gehöre auch, dessen Musik kostenlos zum Download anzubieten. Dadurch erreiche ein Musiker viel schneller und effizienter eine große Fangemeinde, sogar weltweit, sagte Villum.

Zunächst sollte sich ein Künstler einen gewissen Ruf erarbeiten und darauf dann seine Geschäfte mit seinen Werken aufbauen. Er müsse also zuerst sicherstellen, dass Nutzer seine Lieder kennenlernten und danach eine Beziehung zu dem Hörer herstellen. Dafür sei das Internet samt sozialen Medien die ideale Plattform, auch um Musik weiterzugeben. Auf einmal würden Nutzer dazu animiert, Piraterie zu betreiben, sagte Villums lächelnd.

Creative Commons sind ideal

Die Creative-Commons-Lizenzen seien die ideale Lösung für das Label, denn die Rechte an Werken blieben beim jeweiligen Künstler, der für die kommerzielle Nutzung Geld verlangen könne. Wer die Musik privat höre, dürfe sie weitergeben.

Die dänische Koda ist weltweit eine der wenigen Verwertungsgesellschaften, die auch Musikstücke unter der Creative-Commons-Lizenz akzeptiert und sich um die Einnahmen für Künstler kümmert. Für solche Organisationen sei die Abrechnung von Creative Commons oft zu kompliziert, sagt Villum. Denn es gelte genau zu unterscheiden, wann Musik kommerziell oder tatsächlich frei genutzt werde, wie von Creative Commons vorgesehen.

Tantiemen trotz kostenloser Downloads

Das erste Werk der Künstlerin Tone war gleichzeitig das erste Album in Dänemark, das sowohl unter einer Creative-Commons-Lizenz stand als auch Tantiemen für den Künstler auswarf, die die Koda einsammelte. Die Platte konnte heruntergeladen werden, stand aber auch in Läden als CD und Schallplatte zum Verkauf.

Und statt auf den CDs eine Piraterie-Warnung abzudrucken, stand dort: "Bitte kopieren Sie diese Musik für ihre Freunde!"

Geld über Vinyl

Dadurch wurden Uhrlaut und die Künstlerin Tone fast über Nacht in Dänemark bekannt. Ein Bericht in den Abendnachrichten, die gut eine Million der insgesamt 5 Millionen Dänen ansehen, sorgte für einen ersten und immensen Bekanntheitsgrad, wie Villum erzählte. Die Nachricht verbreitete sich schnell über Blogs, die die Musik völlig legal zum Download anbieten konnten. Noch in der Nacht brach der Downloadserver zusammen. Erst ein Bittorrent bei Pirate Bay sorgte für Abhilfe und eine noch größere Verbreitung.

Inzwischen verdiene das Label an Lizenzen für Werbespots, Live-Tourneen, Merchandising oder am Verkauf von Schallplatten, sagte Villum. CDs fänden keinen Absatz, Vinyl hingegen werde gerne noch gekauft. Durch die Verbreitung im Internet, Blogberichte oder soziale Netzwerke spare sich das Label auch Marketingkosten.

Von der Bekanntheit seines Labels profitieren auch die neuen Künstler, die das Label betreut. Durchschnittlich verkaufe Uhrlaut 300 Schallplatten aus einer Auflage von 500, sagte Villum Golem.de.

Vorbild Nine Inch Nails

Die Band Nine Inch Nails mit ihrer Platte Ghosts diente als Vorbild für Uhrlaut, wie Villum sagte. Die Band bot das Werk auch kostenlos zum Download an. Nach einer Woche waren dennoch 750.000 Exemplare des Albums verkauft und die Band nahm dabei 1,6 Millionen US-Dollar ein. Allerdings sei NIN schon vorher bekannt gewesen und habe kein Marketing gebraucht, sagte Villum.

Damit sein Konzept funktioniere, brauche es eben gute Musik - und talentierte Künstler.

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ichbinsmalwieder 24. Aug 2012

Denkfehler! Ein unmittelbarer Schaden entsteht schonmal nicht, denn das Vermögen des...

Bouncy 23. Aug 2012

Ich weiß so in etwa durchaus, welches Leid meine Bequemlichkeit und mein Fortschritt...

Clown 23. Aug 2012

Habt ihrs jetzt mit Stammtisch? Die Wahrheit liegt - wie immer - dazwischen..

a user 23. Aug 2012

doch, unter anderem auch deswegen. mp3 only kopien gab es schon zu hauf von ihren songs...



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