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Cambridge Analytica: Wahlkampf für Trump mit 50 Millionen Facebook-Profilen

Über eine bezahlte Studie haben Nutzer eine App installiert, welche die Daten ihrer Facebook-Profile und die der Facebook-Kontakte sammelte. Ein Analysetool konnte dann ihre Vorlieben und Ängste vorhersehen. Trump konnte das wohl zu seinem Vorteil nutzen. Ein Gründer von Cambridge Analytica verriet Details.
/ Oliver Nickel
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Cambridge Analytica sammelte Nutzerdaten von Millionen Facebook-Nutzern. (Bild: Pixabay.com)
Cambridge Analytica sammelte Nutzerdaten von Millionen Facebook-Nutzern. Bild: Pixabay.com / CC0 1.0

Datenanalysten der Organisation Cambridge Analytica haben 2014 etwa 50 Millionen private Nutzerdaten des sozialen Netzwerks Facebook gesammelt und darauf aufbauend eine Analysesoftware entwickelt. Diese sollte das Verhalten von US-Wählern vorhersagen und deren Vorlieben und Ängste herausfinden, um den damaligen Präsidentschaftskandidaten und heutigen US-Präsidenten Donald Trump beim Wahlkampf zu unterstützen. Die Daten seien jedoch unrechtmäßig weitergegeben worden, wie Online-Magazine der New York Times(öffnet im neuen Fenster) und auch Facebook selbst(öffnet im neuen Fenster) mitteilten.

Über eine separate App mit Namen thisisyourdigitallife konnten die Datenanalysten an die eigentlich geschützten persönlichen Daten gelangen. Dazu wurden mehrere Hunderttausend US-Bürger für eine Studie bezahlt, die ihre Daten preisgaben. Die App musste als Teil der Studie auf den Geräten der Nutzer installiert werden und arbeitete wie Spyware. Sie sammelte die Daten der Facebook-Freunde der Probanden unbemerkt und ohne Erlaubnis. Die App wurde vom Informatiker Aleksandr Kogan neben seiner Arbeit an der Cambridge University entwickelt.

In einem Statement(öffnet im neuen Fenster) versuchte Facebook, die Behauptungen zu widerlegen. Demnach handelte es sich nicht um ein unerlaubtes Datenleck. Die Nutzer hätten unterschrieben und in ihrem Einversändnis die App installiert. Es seien keine Passwörter gestohlen oder Systeme infiltriert worden. Allerdings ging das Unternehmen nicht weiter auf die Rechte der unwissenden Facebook-Kontakte ein – außer, dass die Weitergabe von gesammelten Daten an Dritte gegen die Richtlinien verstoße. Laut Facebook installierten etwa 270.000 Menschen die als Wissenschafts-App bezeichnete Software.

6,2 Millionen US-Dollar für Wählerdaten

Das Trump-Wahlteam habe im Jahr 2016 Cambridge Analytica für 6,2 Millionen US-Dollar angeheuert, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters(öffnet im neuen Fenster). Die Daten stammten direkt aus den Daten der US-Wahlbehörde. Die 50 Millionen Datenprofile entsprachen etwa einem Viertel der US-Wählerschaft und einem Drittel aller in den USA ansässigen Facebook-Nutzer. Ein anonymer Sprecher von Trumps Wahlteam dementierte die Fakten: Es sei das Nationalkomitee der Republikaner für die Kampagne angeheuert worden.

In einem Interview mit dem britischen Magazin The Guardian(öffnet im neuen Fenster) sagte Christopher Wylie, Mitbegründer von Cambridge Analytica: "Wir haben Facebook ausgenuzt, um Millionen von Nutzerprofilen zu sammeln. Darauf haben wir Modelle aufgebaut, um auf ihre inneren Dämonen abzuzielen. Das war die Grundlage, auf der die gesamte Firma aufbaute." Für ihn war das Unternehmen eine Art Propagandamaschine. "Wenn man alle Informationsströme um seinen Gegenspieler kontrolliert, kann man beeinflussen, wie dieser das Kampfgebiet wahrnimmt und wie sie sich dann verhalten und reagieren", sagt er. Wylie arbeitete bis 2014 bei Cambridge Analytica.

Über diese Strategie habe das Unternehmen auch 15 Millionen US-Dollar an Investitionen erhalten. Diese seien von Robert Mercer gekommen, einem Milliardär mit konservativen Hintergrund. Wylie sei der schwule vegane Kanadier gewesen, der Bannons "Mindfuck-Werkzeug der psychologischen Kriegsführung" aufgebaut hatte, heißt es im Interview.

Facebook habe mittlerweile Cambridge Analytica als Kunden suspendiert. Das Unternehmen habe nach Aufforderung nicht alle betroffenen Daten gelöscht. Das soziale Netzwerk behält sich vor, eventuell weitere rechtliche Maßnahmen einzuleiten.


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