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Call-of-Duty-Kampagne im Test: Viel schlechter geht Koop-Kampagne kaum

Mit Black Ops 7 wagt Call of Duty eine reine Koop-Kampagne. Designentscheidungen und Drogen führen aber zu Frust.
/ Peter Steinlechner
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Szene aus Call of Duty - Black Ops 7 (kurz nach dem Start) (Bild: Activision)
Szene aus Call of Duty - Black Ops 7 (kurz nach dem Start) Bild: Activision

Mit Battlefield 6 steht Call of Duty nach vielen Jahren erstmals wieder unter starkem Wettbewerbsdruck. Ein Teil der Antwort von Activision lautet: Die Kampagne von Black Ops 7 ist vollständig im Koop spielbar.

Eigentlich eine tolle Idee, uns gemeinsam mit einem Team in ein typisches Serienabenteuer voll mit spektakulären Momenten und krachender Action zu schicken – wir wären dabei! Wenn es denn so wäre...

Tatsächlich heißt die bislang immer solo spielbare Kampagne in Black Ops 7 nun im Hauptmenü offiziell "Koop-Kampagne" . Sie ist prinzipiell auch allein spielbar, indem man im entsprechenden Menü die Option "Trupp füllen" deaktiviert.

Dann sind wir tatsächlich allein unterwegs – es gibt keine Bots. Dennoch sehen wir in Zwischensequenzen nicht nur uns, sondern auch die anderen drei Elitesoldaten unseres (nicht vorhandenen) Teams, was mindestens irritierend wirkt.

Auch einstellbare Schwierigkeitsgrade gibt es nicht, stattdessen kümmert sich das System automatisch um eine für uns angemessene Herausforderung. Das klappt nur bedingt: Im Singleplayer ist das Spiel gefühlt für uns zwar tatsächlich mittelschwer.

Allerdings sind die Umgebungen und die Laufwege der Feinde auf Teams ausgelegt. Das bedeutet, dass sich Feinde oft von hinten oder der Seite nähern – auf Dauer nervt das.

Außerdem müssen wir gelegentlich die Aufgaben der nicht vorhandenen Koop-Kameraden erfüllen, etwa beim Anbringen von Sprengstoff – auch kein Spaß! Den bei guten Spielern beliebten Veteranen-Modus gibt es in Black Ops 7 übrigens nicht.

Die Handlung greift Elemente aus den Vorgängern rund um Oberfiesling Raul Menendez auf. Wir steuern einen von vier Soldaten, Anführer ist der ebenfalls schon bekannte David Mason. Um es kurz zu machen: Ungefähr nach fünf Minuten hatten wir diesmal schon keine Ahnung mehr, worum es wirklich geht – Serienrekord!

Die Koop-Kampagne von Black Ops 7 besteht aus einer nicht mal ansatzweise nachvollziehbaren Abfolge von Einsätzen unter Drogen, Hologramm-Missionen, Träumen und Parallelwelten. Mal werden wir mit mehreren Meter hohen Messern beworfen, mal von Monsterpflanzen angegriffen, und wir kämpfen mit und gegen Untote.

Dazwischen geht es ernsthaft um eine für uns absolut (!) uninteressante Vater-Sohn-Geschichte zwischen David Mason und seinem Papa Alex. Wir wären bereit, das alles zu ignorieren, aber: Während wir uns halbwegs ambitioniert um das Abknallen von Feinden kümmern, palavern die Protagonisten im Hintergrund ausführlich über die vielen langweiligen Details der Handlung. Wir finden das auf Dauer nervig!

Die rund fünf bis sieben Stunden lange Kampagne schickt uns nach Avalon, Los Angeles, in das aus Rom bekannte Kolosseum (aber in Südfrankreich) sowie in surreal verschobene Dschungelpassagen, Gruselkeller, Hochsicherheitslabore und mehr. Es gibt sehr viele lange Bosskämpfe.

Eine leider kurze, aber für uns interessante Mission möchten wir auch erwähnen: An einer Stelle jagen wir eine Scharfschützin, die uns aus der Distanz attackiert und dann zu immer neuen Orten flüchtet. Der Einsatz ist nicht richtig gut ausgearbeitet, aber immerhin...

Wir können unseren Helden aus der Ich- oder der Schulterperspektive steuern, was ganz sauber läuft. In einigen Einsätzen können wir auf Tastendruck um die 20 oder 30 Meter hoch springen (ist ja nur ein Traum). Etwas öfter haben wir einen gut gemachten Enterhaken, mit dem wir uns an Felswänden hochziehen können.

Wir absolvierten die Kampagne fast nur mit per Matchmaking zugewiesenen Unbekannten. Das funktionierte technisch gut, aber: Sobald ein wirklich guter Spieler im Team ist, der vielleicht die Kampagne schon absolviert hat, wird die Sache meistens viel zu einfach.

Dann springt (wörtlich gemeint) der Kamerad wild ballernd voran. Uns bleibt wenig mehr, als seiner Spur der Zerstörung zu folgen. Echte Zusammenarbeit ist praktisch nie nötig, im Kampf etwa nur bei Gegnern mit Schild: Einer greift frontal an, und die eigentliche Arbeit macht ein Soldat von der Seite.

Call of Duty – Black Ops 7: Verfügbarkeit und Fazit

Es gibt auch eine Reihe struktureller Entscheidungen, die den Spaß ausbremsen. Zwischensequenzen starten immer dann, wenn irgendein Teammitglied einen Checkpoint erreicht hat – auch wenn wir gerade tot am Boden liegen.

Hat es uns erwischt, können wir sonst von anderen Spielern wiederbelebt werden oder uns mit einem Extra selbst heilen; im Solomodus funktioniert das auch so einmal. Wenn wir tatsächlich im Team sterben, müssen wir 30 Sekunden lang zuschauen, dann fallen wir an beliebiger Stelle wieder ins Geschehen.

Und wer zehn Minuten lang pausiert, wird rigoros ausgeloggt und darf die Mission ganz von vorne beginnen – auch im echten Solomodus (der nur online spielbar ist). Bei Verbindungsabbrüchen oder Ausstiegen gibt es also keine Checkpoints.

Neben der Koop-Kampagne finden wir im Hauptmenü zwei weitere Punkte: Multiplayer und Zombies. Beide haben wir uns nur kurz angeschaut. Black Ops 7 startet mit 16 klassischen 6v6-Karten, darunter überarbeitete Klassiker wie Raid, Express und Hijacked, sowie zwei großen 20v20-Skirmish-Schauplätzen.

Neue Gadgets wie Needle-Drones oder Psych-Granaten, ein ausgebautes Loadout-System mit Overclocks und moderne Scorestreaks wie Gravemaker oder D.A.W.G. bieten Abwechslung. Persistente Lobbys und offenes Matchmaking sollen Matches beschleunigen und die Gegnerfelder durchmischen.

Zombies beginnt mit Ashes of the Damned, das ist nach Angaben von Activision die bislang größte Round-Based-Karte der Reihe mit sechs Regionen und einem aufrüstbaren Pick-up-Truck als Wunderfahrzeug.

Neben dem klassischen Modus gibt es die fordernde Cursed-Variante, das einsteigerfreundliche Directed-Format, Survival-Karten und die Rückkehr von Dead Ops Arcade 4 mit rund 80 Levels. Alle Fortschritte sind vollständig mit Kampagne und Multiplayer verknüpft.

Das von Treyarch(öffnet im neuen Fenster) entwickelte Call of Duty – Black Ops 7 ist für Windows-PC, Playstation 4 und 5 sowie Xbox One und Series X/S erhältlich. Der Preis liegt bei rund 80 Euro, dazu kommen optionale Mikrotransaktionen und der Season Pass.

In einigen Game-Pass-Abostufen ist die Basisversion des Spiels enthalten. Die deutsche Sprachausgabe ist gelungen, die USK erteilte eine Freigabe ab 18 Jahren.

Fazit

Black Ops 7 wagt mit seiner reinen Koop-Kampagne einen großen Schritt. Und stolpert prompt über erstaunlich viele Details, die den Spielspaß nachhaltig stören. Wir kämpfen gefühlt häufiger gegen Designvorgaben als gegen Gegner.

Dazu kommen eine unzugängliche Erzählstruktur, fehlende Komfortfunktionen und viele in die Länge gezogene Bosskämpfe. Uns nervten auch die Traum- und Parallelwelten massiv. Nach Call of Duty fühlt sich das nicht mehr an!

Zu oft hängt die Schwierigkeit davon ab, wen wir zugelost bekommen. Mit guten Partnern wird alles zum schnellen Durchmarsch, echtes Solo ist dagegen zäh. Die Menüstruktur ist überladen, die Effektdichte anstrengend, und viele Entscheidungen – von fehlenden Pausen bis zum Online-Zwang – wirken unflexibel.

Nur wenige Missionen beweisen, dass das Konzept Potenzial gehabt hätte. Als lockeres Abend-PvE kann die Kampagne immerhin stellenweise unterhalten. Wer jedoch ein starkes Black-Ops-Soloerlebnis oder Koop-Design erwartet, wird von diesem Spiel enttäuscht.


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