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Call of Duty im Test: Kampagne von Modern Warfare 3 ist kurz und nur mittelgut

Alte Stärken, aber wenig explosive Missionen: Die Kampagne des ersten Call of Duty unter Microsoft ist eine kleine und kurze Enttäuschung.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Call of Duty - Modern Warfare 3 (Bild: Activision)
Artwork von Call of Duty - Modern Warfare 3 Bild: Activision

Es ist keine Überraschung, aber irgendwie doch: Es gibt ein neues Call of Duty! Dabei sah es laut durchaus glaubwürdigen Leaks lange so aus, ob 2023 das erste Jahr ohne Nachschub seit Bestehen der Serie wird – angeblich kamen die Entwickler mit den Großproduktionen plus den Onlineablegern einfach nicht mehr hinterher.

Warum wir das hier schreiben? Laut Leaks sollte das nun erhältliche Modern Warfare 3 eigentlich nur ein Add-on werden, also eine Art Lückenbüßer. Nun ist es zwar doch zum Vollpreis erschienen, aber tatsächlich fühlt sich zumindest die Kampagne wie eine etwas größere Erweiterung an.

Wir haben die Handlung in knapp fünf Stunden durchgespielt, allerdings ist da ein absichtliches Wiederholen von einigen Abschnitten zu Testzwecken bereits eingerechnet. Zum Vergleich: Der direkte Vorgänger Modern Warfare 2 kommt laut der Seite How Long to Beat auf rund 8 Stunden – bietet aber zusätzlich mehr an Nebenaufgaben.

Modern Warfare 3 setzt die Geschichte des Vorgängers fast nahtlos fort. Bösewicht ist der Terroristenchef Vladimir Makarov. Wir steuern die Guten, nämlich Captain Price und einige Mitglieder seines Teams, darunter Ghost und Kate Laswell.

Die Story bietet kaum größere Überraschungen, wird aber mit einigen schön gemachten Zwischensequenzen durchaus gut erzählt. Eine Rückblende gibt es nicht, aber vermutlich kommen Einsteiger auch so ganz gut zurecht.

Es gibt 14 Missionen, die uns teils in Fantasieländer wie Urzikstan und teils an echte Schauplätze wie Sankt Petersburg schicken. Wichtigste Neuerung sind die sogenannten offenen Kampfumgebungen, die wir in sechs Einsätzen absolvieren. Offen heißt, dass wir nicht linear einem Gang (Schlauch) folgen, sondern relativ frei darin sind, auf der Karte markierte Ziele zu finden.

Konkret: In einer Nachtmission sollen wir Informationen sammeln, indem wir herumliegende Smartphones hacken. Wir starten mit einem Scharfschützengewehr und bekommen per Funk von einem Verbündeten immer wieder Hinweise, von wo sich Feinde nähern und wo wir suchen sollten.

Teils klappen diese Einsätze so, wie sich die Entwickler das offensichtlich gedacht haben. Wir schalten also einen Feind nach dem anderen aus, schleichen ungesehen durchs Gras und erledigen die Jobs. Es kann aber auch passieren, dass wir durch einen Schuss die Aufmerksamkeit eines Großteils aller Gegner auf uns ziehen – dann haben wir ein Problem.

Teils ändert das Programm den Status der Alarmbereitschaft immer wieder mal in die eine oder andere Richtung, ohne dass wir dafür eine plausible Erklärung haben und ohne dass es inhaltlich irgendwie ins Szenario passt.

Übrigens ist Vollalarm nicht unbedingt unser Untergang: Im Standard-Schwierigkeitsgrad (der zweiten von vier Stufen) können wir uns auch gegen größere Mengen an Feinden wehren, indem wir uns irgendwo in einer Ecke verschanzen und dann gemütlich einen heranstürmenden Opponenten nach dem anderen niederstrecken.

Es gibt ein paar besondere Einsätze, über die wir hier aber nichts verraten. Wir fanden diese Missionen spannend! Am besten haben uns aber ehrlicherweise die klassisch-linearen Aufträge gefallen.

Übrigens: Modern Warfare 3 bietet einige durchaus verstörende Augenblicke – Minderjährige sollten da eher nicht zuschauen oder selbst spielen. Was es fast nicht gibt, sind die aus Vorgängern bekannten spektakulär übertriebenen Explosionen, Verfolgungsjagden und sonstigen Spezialmomente.

Call of Duty – Modern Warfare 3: Verfügbarkeit und Fazit

Das Waffensystem ist weitgehend altbekannt, wir sind wieder mit Maschinenpistolen, Pistolen und Scharfschützengewehren unterwegs. Die Steuerung aus der Ich-Perspektive hat in unserer Playstation-5-Version hervorragend funktioniert und für Spaß gesorgt.

Die Grafik macht einen ordentlichen Eindruck, tatsächlich kommt sie uns gelegentlich leicht verbessert im Vergleich zum Vorgänger vor, etwa in einem wunderbar düsteren Gefängnis. Stellenweise sieht das Spiel sogar sehr gut aus, etwa in einer kurzen Unterwassersequenz.

Einige moderne Umgebungen wie ein Luxusanwesen oder das trist-leere Gelände um ein Atomkraftwerk finden wir allerdings nicht überzeugend. Außerdem haben die Entwickler teilweise Versatzstücke aus bekannten Multiplayerkarten verwendet.

Auf Konsolen gibt es nicht die sonst übliche Auswahl zwischen Qualitäts- und Leistungsmodus. Modern Warfare 3 läuft normalerweise mit einer Bildrate von 60 fps und hält diese unserem Eindruck nach auch.

Alternativ können wir mit einem kompatiblen TV-Gerät eine Bildrate von 120 fps verwenden. Ruckler oder Slowdowns sind uns nicht aufgefallen, überhaupt macht das Spiel einen technisch ausgereiften Eindruck.

Die Kampagne von Call of Duty – Modern Warfare 3 ist für Xbox One und Series X/S, Playstation 4 und 5 sowie für Windows-PC (Battle.net und Steam) erhältlich und kostet rund 80 Euro. Multiplayer und Zombiemodus werden laut Activision(öffnet im neuen Fenster) am 10. November 2023 freigeschaltet.

Vagen Hinweisen durch Microsoft zufolge erscheint das Spiel frühestens irgendwann 2024 im Spieleabo PC und Xbox Game Pass. Die Sprachausgabe wirkt professionell wie immer. Schnitte gibt es nicht, die USK hat "Keine Jugendfreigabe" erteilt.

Fazit

Wo sind die irren Verfolgungsjagden, die bombastischen Explosionen und überhaupt: Wo ist das Spektakel von Call of Duty? In der Kampagne des neuen Modern Warfare 3 ist davon fast nichts zu sehen. Stattdessen gibt es ordentliche bis gute Einsätze inklusive einer Handvoll nicht so richtig gut funktionierender offener Kampfmissionen und eine voraussehbare Story.

Einige der eher linearen Missionen wie der Einsatz in einem heruntergekommenen Gebäude in Sankt Petersburg oder gleich der erste Einsatz in einem Gefängnis haben uns gepackt. Die offenen Kampfeinsätze hingegen finden wir zwar interessant. Nur ist offensichtlich die KI überfordert, wie das unglaubwürdige und die Immersion zerstörende Hin- und Herspringen zwischen den Alarmbereitschaften zeigt.

Im Grunde lebt Modern Warfare 3 von der Seriensubstanz: dem erstklassigen Waffendesign und dem tollen Gunplay sowie einigen anderen Elementen, die von den Vorgängern im Laufe der Jahre verfeinert wurden.

Im Spieleabo oder zum Preis einer Erweiterung wäre das Abenteuer von Captain Price und seinen Kumpels eine Empfehlung. Wer wirklich nur Soloplay möchte, sollte vielleicht auf eine günstigere Gelegenheit warten und sein Geld lieber in andere Games investieren – tolle Alternativen gibt es derzeit schließlich genug.


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