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Cablelabs: Das WLAN soll dem Mobilfunk ähnlicher werden

Kabelnetzbetreiber sollen ihr eigenes Wi-Fi statt gemietete Mobikfunkkapazität nutzen können. Dafür haben die Cablelabs mit Mobile Wi-Fi den Access Point virtualisiert. Bisher hat Wi-Fi-Roaming jedoch oft eher schlecht funktioniert.
/ Achim Sawall
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Virtuell zwischen verschiedenen APs unterwegs (Bild: Cablelabs)
Virtuell zwischen verschiedenen APs unterwegs Bild: Cablelabs

Cablelabs hat eine Technologie entwickelt, die Wi-Fi-Netzwerken Fähigkeiten wie dem Mobilfunk verleihen soll. Das sagte Steve Glennon, Distinguished Technologist bei Cablelabs, dem Fachmagazin Lightreading(öffnet im neuen Fenster) . Cablelabs, eine Forschungseinrichtung der Kabelnetzbranche, will so helfen, MVNO-Kosten zu senken, indem Daten in die Wi-Fi-Netzwerke ausgelagert werden.

Statt sich wie bisher auf das Smartphone zu konzentrieren und das Gerät zu zwingen, ständig nach Access Points (AP) zu scannen, möchten die Cablelabs mit Mobile Wi-Fi umgekehrt mehrere Access Points wie ein mobiles Netzwerk behandeln. Statt das Smartphone einem Access Point zuzuordnen, soll ein virtueller Zugangspunkt sich von Access Point zu Access Point bewegen, ohne dass das Endgerät mit dem Wechsel belastet wird. Laut Cablelabs wird dies durch ein Virtual Basic Service Set (VBSS) erreicht, das die Hardware-Access-Points virtualisiert.

Cablelabs berichtete zuvor in einem Blogbeitrag(öffnet im neuen Fenster) : "Im Laufe der Jahre gab es dazu viele Versuche, wobei man in der Regel das Endgerät dazu zwang, sich wieder mit dem neuen AP zu verbinden, aber das scheint meist nicht ganz richtig zu funktionieren" , erklärte Glennon. "Manchmal gibt es eine Verzögerung, bevor ein Gerät APs wechselt, und manchmal wechselt das Gerät die APs überhaupt nicht. Oder das Gerät besteht darauf, dass ein AP noch vorhanden ist, obwohl dies nicht mehr der Fall ist - zum Beispiel, wenn Sie Ihr Haus verlassen, während Ihr Telefon weiter behauptet, dass es immer noch mit Ihrem Heim-WLAN verbunden ist."

Wi-Fi-Roaming bisher praktisch schlecht umgesetzt

Glennon erklärte, dass Wi-Fi-Roaming in den Standards 802.11k, 802.11r und 802.11v nicht besonders erfolgreich gelöst wurde, indem man dem Smartphone mehr Informationen gab, um den besten AP auszuwählen. Besser sei es, den "virtuellen Zugangspunkt zu nehmen und ihn zwischen verschiedenen physischen Zugangspunkten hin und her zu schieben" . Die Mobilfunkverbindung so "häufig und vollständig wie möglich auf Wi-Fi auszulagern, bringt das beste finanzielle Ergebnis für den Kabelnetzbetreiber, der Mobilfunkdienste" als MVNO (Mobile Virtual Network Operator) anbiete, sagte er.

Der Anspruch der Cablelabs sei dabei, das Wi-Fi-Erlebnis wirklich gut zu machen, ohne irgendwelche Änderungen an der Smartphone-Technik vornehmen zu müssen. Glennon sagte, das Projekt habe vor etwa fünf Jahren begonnen.

Cablelabs arbeite zur Verbreitung mit der Prpl Foundation zusammen, um Mobile Wi-Fi in die Open-Source-Prplmesh-Implementierung von Wi-Fi Alliance Easymesh aufzunehmen. Mobile Wi-Fi werde das Ökosystem "irgendwie durchdringen und in den Produkten der Cablelabs-Mitglieder landen" . Er erwarte eine Implementierung von Mobile Wi-Fi Anfang des kommenden Jahres. Cablelabs möchte die Technologie zur Standardisierung auch dem IEEE vorlegen.

Die Diskussion ist nicht neu: "Die Ausleuchtung größerer Flächen und die effizienteste Frequenznutzung unter hoher Auslastung bleibt ein Vorteil der Mobilfunktechnologien, da diese auf Grund der zentralisierten Frequenzverwaltung robuster reagieren und besser auf die Vermeidung gegenseitiger Störung (Interferenz) durch viele Endgeräte konditioniert sind" , sagte Michael Lemke , damals Senior Technology Principal bei Huawei Germany, im August 2019.


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