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Pure Vernunft darf niemals siegen

Ich schreibe ein Basic-Programm, das nur aus zwei Zeilen besteht:

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10 PRINT "HALLO"

20 GOTO 10

Es sollte nach dem Start das Wort HALLO immer und immer wieder auf den Bildschirm bringen. Mein Werk gebe ich in den C64-Emulator auf dem Windows-PC ein und sichere es virtuell auf einer Kassette - im .TAP-Format. Ein Versuch mit dem Emulator zeigt: Mein Programm wurde korrekt abgespeichert. Über meine Dropbox verschiebe ich es auf das Smartphone. Inzwischen hat sich mein Projekt in der Redaktion herumgesprochen und wir lästern über die Menge an Infrastruktur, die ich für den eigentlich simplen Vorgang benötige. Zum Einsatz kommen inzwischen: ein AMD Threadripper, ein wenig Cloudspeicher, unser Netzwerk und ein Huawei P9. Alles Geräte, deren simpelste Recheneinheiten unseren C64 sehr alt aussehen lassen. Aber es klappt!

Ich konvertiere noch ein wesentlich größeres Basic-Programm und lasse es denselben Weg nehmen. Auch dieser Test funktioniert. Lediglich auf den Turbolader der Smartphone-App muss ich verzichten. So braucht mein finaler Ladevorgang mit dem 23 KByte großen Terminalprogramm knappe acht Minuten. Aber das ist egal, ich bin fast am Ziel. Jetzt muss ich nur noch den WLAN-Adapter einrichten.

Das Terminalprogramm ist schon auf diese Aufgabe vorbereitet. Ich stelle es auf das WLAN-Steckmodul ein und muss nun nur noch SSID und Passwort unseres Netzwerkes eintippen. Denke ich. Leider macht mir eine Eigenheit des C64 einen Strich durch die Rechnung. Der Commodore hat nämlich mit PETSCII seinen eigenen Zeichensatz - und dieser stimmt nur in Teilen mit den regulären ASCII-Codes überein. Im Klartext heißt das, dass Sonderzeichen nicht korrekt übermittelt werden. Die meisten sind auf der C64-Tastatur noch nicht einmal vorhanden. Unser Netzwerkname enthält gleich zwei problematische Zeichen: ein Leerzeichen und einen Punkt. Das Passwort noch einige mehr. Nun könnte ich mir eine PETSCII-ASCII Tabelle zur Hand nehmen und nach den entsprechenden Codes suchen. Dafür bin ich aber so kurz vor dem Ziel zu ungeduldig. Also schnappe ich mir mein Smartphone und richte einen Hotspot ein, der mmm heißt und als Passwort 1234567890 erwartet. Nun speichere ich diese Daten noch auf unserer Floppy-Laufwerk ab und bin - ganz unspektakulär, ohne Piepen oder Blinken - endlich im Netz.

Ich stelle eine Verbindung zu einem Bulletin Board her und traue mich noch nicht einmal, mir einen Login-Namen zu erstellen. Ich will erst das bunte Logo genießen und meine Kollegen an diesem Moment teilhaben lassen!

"Und nun?", fragen sie mich, nachdem ich ihnen meine Odyssee erläutert habe. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, was ich eigentlich von den Boards erwarte. Kontakte knüpfe ich lieber per IRC und Software bekomme ich aus dem Internet Archive schneller und einfacher. Aber ich habe schon einen neuen Plan: ein eigenes C64-Bulletin-Board. Es soll keine Software anbieten, auch ein schwarzes Brett ist heute überflüssig. Aber Informationen kommen nie außer Mode. Meine Idee: ein BBS mit den aktuellen Nachrichten von Golem.de - für 8bit-Computer wie den C64. Parallel zu meinen Experimenten mit dem WLAN-Steckmodul habe ich mich bereits mit der Software für dieses Unterfangen vertraut gemacht und hoffe nun, eine weitere Idee aus meiner Jugend wahr zu machen und - natürlich - auch einen weiteren Artikel darüber zu schreiben.

 Digital ist besser
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Some0NE 08. Jan 2019

Das ging auch zum Ortstarif über das BTX Datex-P -> Compuserve Gateway. Halt nur mit 9600...

der_wahre_hannes 08. Jan 2019

Das Unglück muss zurückgeschlagen werden.

Crass Spektakel 06. Jan 2019

Ja, Magic Formel ist wirklich der Hammer, leider sehr unbekannt. Es wurde auch nie...

lar 04. Jan 2019

Es gibt Contiki-BBS 0.3.0. Das ist aber wie gesagt eher etwas für Leute die das für sich...

Crass Spektakel 04. Jan 2019

Ich durfte schon 1985 mit einem CBM B256 experimentieren der per 300bps Modem unter...


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