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C3S: Was die Gema-Konkurrenz anders machen will

Flexibler und freier: Die neu gegründete genossenschaftliche C3S will sich als Verwertungsgesellschaft in Konkurrenz zur Gema etablieren und dabei einiges anders machen. Was, erklärt Gründungsmitglied Meik Michalke im Interview mit Golem.de.

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Die Gründer der C3S: Meik Michalke, Danny Bruder, Meinhard Starostik und Wolfgang Senges (v. l.) am 27. September 2013 in Hamburg: Die Gema hat keine Angst.
Die Gründer der C3S: Meik Michalke, Danny Bruder, Meinhard Starostik und Wolfgang Senges (v. l.) am 27. September 2013 in Hamburg: Die Gema hat keine Angst. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Mit der Gründung der Cultural Commons Collecting Society (C3S) haben 50 Musiker, Komponisten und Musikschaffende den ersten Schritt zu einer Verwertungsgesellschaft gemacht, die ganz anders als die Gema funktionieren soll: genossenschaftlich. Die Musiker wollen vieles besser machen als die Gema, und vor allem auch internationaler sein. Zunächst wird allerdings Geld gebraucht. Meik Michalke, Doktorand der Psychologie, Musiker und einer der Gründer der C3S, erklärt im Interview mit Golem.de das Konzept.

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Der Musiker werde Mitglied in der Genossenschaft und könne dann deren Dienste nutzen, erklärt Maik Michalke. "Wir machen es im Unterschied zur Gema nicht so, dass wir automatisch das gesamte Repertoire vertreten, wenn man bei uns einen Wahrnehmungsvertrag abschließt, sondern man kann für jedes einzelne Werk entscheiden, ob dieses von uns vertreten werden soll." Außerdem könne der Künstler die Lizenz festlegen, unter die er das Werk stellen möchte, etwa unter die herkömmliche oder unter eine Creative-Commons-Lizenz.

Anders als die Gema will die C3S Musikern erlauben, sich von beiden Verwertungsgesellschaften vertreten zu lassen. "Wir wollen ja gerade keine exklusiven Lizenzverträge mit den Künstlern machen. Die können sich selbst ausdenken, ob sie einen Teil ihrer Werke auch bei einer anderen Verwertungsgesellschaft unterbringen." Dieses Nichtexklusive werde ein Erfolgsfaktor, glaubt Michalke. Viele Musiker hätten erklärt, dass sie gern die Möglichkeit hätten, Stücke auf eine Art und Weise zu nutzen, die in den Standardwahrnehmungsverträgen nicht vorgesehen sei. Wenn Musiker heute so etwas machen, seien sie auf Notlösungen wie etwa ein Auftreten unter einem anderen Namen angewiesen.

Eigene technische Infrastruktur

Der Künstler registriert online die Titel, die er vertreten lassen möchte. Diese werden mit einer Audiosignatur in einer Datenbank gespeichert. Über eine offene Schnittstelle sollen die Nutzer - beispielsweise Radiostationen, DJs oder Gaststättenbetreiber - die Bedingungen für die Nutzung eines Titel abfragen. Dafür will die C3S eine eigene technische Infrastruktur aufbauen.

Details darf Michalke jedoch nicht verraten. Das hänge mit der Finanzierung zusammen, sagt er: Die Initiatoren haben beim Land Nordrhein-Westfalen eine Förderung ihres Projekts beantragt. Sollte die C3S bis Ende des Jahres 200.000 Euro sammeln, gibt das Land die gleiche Summe dazu. Die Bedingungen erfordern aber Vertraulichkeit.

Crowdfunding-Kampagne

Um das Geld zusammenzubekommen, hat die C3S eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Startnext eingerichtet, die am heutigen Montag kurz vor Mitternacht ausläuft. Ziel sind 200.000 Euro. Das werden die Initiatoren wohl nicht mehr erreichen: Derzeit steht die Kampagne bei rund 113.000 Euro. Die Funding-Schwelle von 50.000 Euro ist aber überschritten.

Michalke ist optimistisch, dass sie es schaffen werden, die fehlende Summe bis Ende des Jahres aufzubringen. Es wäre aber auch keine Katastrophe, wenn das nicht passiere, sagt er: "Wir haben ein Grundkapital von etwa 130.000 Euro. Das reicht, um erst einmal anzufangen." Für den Aufbau der Infrastruktur brauchten sie etwa 50.000 Euro. "Das heißt, wir fangen auf jeden Fall nächstes Jahr an." Bekomme die C3S die Förderung des Landes nicht, werde das Projekt aber nicht infrage gestellt. Es zögere sich lediglich hinaus.

Lizenzierung muss international sein

Bis die C3S tatsächlich ihre Arbeit aufnehmen kann, wird es ohnehin noch eine Weile dauern. Realistisch sei das übernächste Jahr, sagt Michalke. Zuerst müsse die technische Infrastruktur aufgebaut werden. Dann müsse ein ausreichend großes Repertoire aufgebaut werden, bevor der wichtigste Schritt erfolgt: die Anmeldung auf Zulassung als Verwertungsgesellschaft. Dafür ist das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) zuständig. Es besteht bereits ein Kontakt zum DPMA, das nach Angaben Michalkes an dem Projekt interessiert ist. Das Amt prüft, ob ein Antragsteller in der Lage ist, die Funktion als Verwertungsgesellschaft zu erfüllen. Das wird einige Monate in Anspruch nehmen. Laufe mit der Förderung und dem Antrag alles nach Plan, werde das C3S Ende 2015 seine Arbeit aufnehmen können, sagt Michalke.

Die Initiatoren denken allerdings schon weiter: Im Internetzeitalter sei es nicht sinnvoll, die Lizenzierung von Musik "an den Landesgrenzen enden zu lassen", sagt Michalke. Ein globaler Auftritt sei jedoch wegen der verschiedenen rechtlichen Situationen zu kompliziert. In Europa aber gebe es einen homogenen Rechtsrahmen, so dass eine europaweite Verwertungsgesellschaft möglich sei. Starten wird die C3S in Deutschland. Doch es gibt bereits Büros in anderen Ländern, darunter Belgien, Frankreich, Großbritannien und Österreich. "Wenn wir tatsächlich in Deutschland etabliert sind, wird es relativ fix gehen, dass wir auch in anderen Ländern auftreten können."

Musiker sind interessiert

Das Interesse der Künstler sei durchaus vorhanden: Die meisten der 50 Gründer seien Musiker, sagt Michalke. Zu den Unterstützern gehören auch bekannte Personen wie der Techno-DJ Dr. Motte, Bruno Kramm, Musiker bei Das Ich und politischer Geschäftsführer bei der Piratenpartei in Bayern, oder Luci van Org von der Berliner Band Lucilectric.

Es gebe also auch schon Repertoire, wenn auch nicht genug, um damit die Voraussetzungen des DPMA zu erfüllen: Um wirtschaftlich zu sein, werde die Verwertungsgesellschaft wohl 3.000 registrierte Künstler brauchen. Diese Zahl an Mitgliedern zu werben, wird eine der kommenden Aufgaben. Derzeit gebe es rund 1.000 Interessenten.

Gema will CC-Lizenzen unterstützen

Echter Gegenwind ist bisher aber ausgeblieben: "Richtig negatives Feedback haben wir bis jetzt noch gar nicht bekommen", erzählt Michalke. Es habe beispielsweise keine Warnungen, etwa seitens der Musikindustrie, gegeben, sich mit der C3S einzulassen.

Die Gema verfolgt die Aktivitäten der kommenden Konkurrenz durchaus. Auch zu der Pressekonferenz über den Dächern der Reeperbahn ist eine Vertreterin der Gema gekommen. Die gibt sich selbstbewusst. Die Gema habe keine Angst vor der C3S, erklärte sie. Dennoch: Kürzlich hat die Gema angekündigt, CC-Lizenzen künftig zu unterstützen. Das stehe, sagt Michalke, sicher in Zusammenhang mit dem C3S-Projekt.



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Berner Rösti 02. Okt 2013

Nö. Aber du neidest denjenigen, die nicht nach Arbeitszeit, sondern nach Nutzung ihrer...

Everesto 01. Okt 2013

Vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt: ich meinte nicht primär, daß ich der C3S...

Everesto 30. Sep 2013

Wenn jemand für den eigengebrauch sich eine Datei zieht, ist das eine Sache, aber wenn...

Everesto 30. Sep 2013

jedenfalls die Verwaltung des eigenen Repertoires und seiner Nutzung lässt sich gut...

wmayer 30. Sep 2013

CC != immer kostenfrei. Spätestens wenn ein Channel Werbung erlaubt wird es zu...


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