C't-Editorial kopiert: Bundeswahlleiter stellt Strafanzeige gegen Brieffälscher

Ein satirisch gemeintes Editorial der C't zur angeblichen Schätzung der Bundestagswahl hat Nachahmer auf den Plan gerufen. Der Bundeswahlleiter kann über den Scherz gar nicht lachen.

Artikel veröffentlicht am ,
Das Editorial in der C't ist eindeutig als Satire zu erkennen.
Das Editorial in der C't ist eindeutig als Satire zu erkennen. (Bild: Michael Wieczorek/Golem.de)

Der Bundeswahlleiter hat Strafanzeige gegen unbekannt wegen manipulierter Briefe zur Bundestagswahl gestellt. In den Schreiben wird den Empfängern mitgeteilt, dass ihre Stimme vom Statistischen Bundesamt vorab geschätzt worden sei. Medienberichten zufolge heißt es in den Schreiben, die Adressaten hätten die Kleinpartei Bündnis Grundeinkommen oder Die Partei bibeltreuer Christen gewählt. Das Besondere an der Fälschung: Die Absender haben den Text fast eins zu eins aus einem Editorial des Computermagazins C't vom 2. September 2017 übernommen.

  • Der Original-Brief in der C't vom 2. September 2017. (Foto: Golem.de)
  • Die Fälschung laut Märkischer Allgemeiner Zeitung. (Screenshot: Golem.de)
Der Original-Brief in der C't vom 2. September 2017. (Foto: Golem.de)
Stellenmarkt
  1. Fachinformatiker (m/w/d)
    Textil-Service Mecklenburg GmbH, Parchim
  2. Managing Director Produktentwicklung (m/w/d)
    über Dr. Maier & Partner GmbH Executive Search, Frankfurt am Main
Detailsuche

Unter der Überschrift "So werden Sie wählen" heißt es in der Satire: "Für die Auswertung hat das statistische Bundesamt die Analyse folgender Daten berücksichtigt: - Ihre Kommentare, Postings und Likes auf Facebook und Twitter zwischen dem 1. September 2020 und 31. August 2021; - von uns ermittelte Wahlschätzungsprofile anderer wahlberechtigter Bürger*innen, mit denen Sie im o. g. Zeitraum per Telefon, E-Mail oder WhatsApp kommuniziert haben; - auf Sie zugeschnittene Microtargeting-Kampagnen der Parteien auf Facebook und anderen Plattformen für den Bundestagswahlkampf (siehe Anhang S. 106); - Ihr Wahlverhalten in den vorherigen Wahlen (siehe Wahlhistorie, Anhang S. 112);".

"Wirklich Aufwand betrieben"

Für den Brief haben sich die Fälscher lediglich die Mühe gemacht, die Jahreszahlen auf die Wahl am kommenden Sonntag anzupassen. Doch im Zusammenhang mit der Bundestagswahl versteht der Bundeswahlleiter keinen Spaß. Die Behörde habe verschiedene Exemplare der Briefe der Staatsanwaltschaft Wiesbaden übergeben, die nun gegen unbekannt ermittele, sagte ein Sprecher auf Anfrage von Golem.de. Der genaue Umfang der Aktion ist dem Bundeswahlleiter jedoch nicht bekannt. Der Behörde seien nur fünf bis sechs Exemplare zugesandt worden. Medien berichteten noch von weiteren Empfängern. Die Briefe seien zum Teil per Post verschickt und teilweise direkt in die Briefkästen eingeworfen worden. "Da muss einer wirklich Aufwand betrieben haben", sagte der Sprecher.

Die Redaktion der C't sehe keinen Anlass, den Beitrag aus dem Netz zu nehmen, um weitere Nachahmeraktionen zu erschweren. Wer auf das Schreiben hereinfalle, dem sei ohnehin nicht mehr zu helfen, sagte der Sprecher des Bundeswahlleiters weiter. Dennoch sollte man mit Scherzen rund um die Wahl ein bisschen vorsichtiger sein. Wobei eine solche Warnung den Bundeswahlleiter bislang noch nicht davon abgehalten hat, die Satirepartei Die Partei zur Bundestagswahl zuzulassen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Dwalinn 25. Sep 2017

Ich frag mich immer wieder ob mich Menschen nicht verstehen wollen oder können (weil ich...

Der Held vom... 24. Sep 2017

Bist du wohl still! Dass darf das Stimmvieh doch jetzt noch gar nicht wissen! Und die...

LinuxMcBook 24. Sep 2017

Ach nimm das doch nicht so ernst. Das ganze Thema ist es nicht. Durch die Briefe ist...

Der Held vom... 22. Sep 2017

Doch, doch! DIE PARTEI ist insofern eine Spaßpartei, wie deren Funktionäre Spa...

lear 22. Sep 2017

Abgesehen vom absehbaren Wahlergebnis: Der "Witzbold" hat unqualifiziert ein offizielles...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Drucker
Ohne Tinte kein Scan - Klage gegen Canon

In den USA wurde eine Sammelklage gegen Canon eingereicht: Klagegrund ist, dass einige 3-in-1-Geräte nur scannen, wenn Tinte vorhanden ist.

Drucker: Ohne Tinte kein Scan - Klage gegen Canon
Artikel
  1. Microsoft: Xbox-Kühlschrank kostet 100 Euro
    Microsoft
    Xbox-Kühlschrank kostet 100 Euro

    Microsoft bringt wie angekündigt einen Minikühlschrank im Design der Xbox Series X auf den Markt, der auch nach Deutschland kommen wird.

  2. Silicon Valley: Apple entlässt #Appletoo-Aktivistin
    Silicon Valley
    Apple entlässt #Appletoo-Aktivistin

    Apple hat Janneke Parrish gekündigt, die sich für die Offenlegung von Diskriminierung in dem Unternehmen einsetzte. Auch Netflix entlässt offenbar eine Aktivistin.

  3. Streaming: Squid Game soll Netflix 900 Millionen US-Dollar bringen
    Streaming
    Squid Game soll Netflix 900 Millionen US-Dollar bringen

    Die südkoreanische Serie Squid Game ist dabei, sich zu Netflix' größtem Erfolg zu entwickeln: Die Survival-Serie bricht mehrere Rekorde.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Cyber Week: Bis zu 37% Rabatt auf Corsair-Produkte • Mehrwertsteuer-Aktion bei MediaMarkt • Crucial BX500 1 TB 69€ • Aerocool Aero One White 41,98€ • Creative Sound BlasterX G5 89,99€ • Alternate (u. a. AKRacing Core SX 248,99€) • Gamesplanet Anniv. Sale Classic & Retro [Werbung]
    •  /