Geschwindigkeitsrekord mit 496 km/h
Aber ganz ohne Deutschland geht es auch bei BYD nicht. Für eine Rekordfahrt hat sich das Unternehmen im September den 12,3 km langen Ovalkurs im niedersächsischen Papenburg ausgesucht. Hier erreichte der Yangwang U9 eine Geschwindigkeit von 496,22 km/h . Rekord für ein E-Auto.
Ebenfalls aus Deutschland stammt Design-Direktor Wolfgang Egger. Er war zuvor für Alfa-Romeo, Seat, Lancia und Audi tätig. Seine Aufgabe besteht darin, einem globalen Publikum die Modelle schmackhaft zu machen.
"Mode ist lokal, Schönheit ist global" , ist einer der markigen Sätze, die während seines Vortrags fallen. Für die Modelle Han und Tang ist Egger tief in die Mythologie des Drachens eingetaucht. Der spielt in China eine große Rolle. Für globales Autodesign taugt das Fabelwesen kaum.
Mit Denza nach Deutschland
BYD bedient mit seinen Modellen den Massenmarkt. In China existieren noch drei weitere Marken. Fangchenbao ist jung und bunt, die Produkte richten sich an Erstkäufer. Wann Yangwang mit seinen Sportwagen und SUV nach Europa kommt, ist unklar – hier hat Egger die Aufgabe, eine Luxusmarke mit Leben zu füllen.
Nummer vier ist Denza. 2010 als Joint-Venture mit Mercedes-Benz gestartet, gehört die Marke mit dem blauen Tropfen im Logo nun vollständig BYD. Sie besetzt das Premium-Segment. Anfang 2026 startet der Denza Z9 GT mit einem Preis knapp unter 100.000 Euro in den Markt. Mit Blick auf die Seitenlinie und das Heck fühlt man sich an die Kombi-Version einer deutschen Sportmarke erinnert.
Später folgen noch der Van D9 sowie ein Geländewagen. Vertriebsdirektor für Deutschland ist Klaus Hartmann, der zuvor bei Mercedes-Benz und Ineos im Vertrieb tätig war. Er hat die Vorgabe, bis Ende kommenden Jahres 40 Händlerstandorte für die Premium-Marke in Deutschland zu akquirieren.
Laden mit 1.000 kW
Als Argumente gibt ihm der Hersteller Ladeleistung und Wendigkeit mit auf den Weg. In Zhengzhou zeigt BYD seine eigene Ladestation. Mit bis zu 1.000 kW Ladeleistung wird das E-Auto geladen, was der Hersteller auf der IAA 2025 in München demonstrierte . Flash Charging nennt es BYD. Pro Sekunde werden zwei Kilometer Fahrleistung nachgeladen. Wer seine Zellchemie kennt, kann auch so hohe Ladeleistung realisieren.



Zunächst sind 300 Standorte für die Ladesäulen in Europa geplant. "Erstmal installieren wir sie bei den Händlern" , sagt Hartmann. Da die notwendigen Stromanschlüsse bei Innenstadtlagen nicht vorhanden sind, arbeitet man mit Pufferspeichern, in denen Blade-Batterien stecken. Langfristig sucht man nach Partnern, um die Ladesäulen auch in Autobahnnähe installieren zu können.
Wenden auf der Stelle
Die Wendigkeit zeigt BYD auf seinem Testgelände in Zhengzhou. Der Denza Z9 GT kann die Hinterräder bis zu zehn Grad einschlagen. Somit lässt sich ein Krebsgang oder besser eine Krebsfahrt realisieren. Der Wagen bewegt sich diagonal über das Gelände. Das kann bei engen Parklücken von Vorteil sein.



Noch praktischer ist das Wenden auf der Stelle. Das Auto verfügt über zwei separate Motoren an der Heckachse. Sie drehen in entgegen gesetzte Richtungen, so dass der Wagen einen Wendekreis von 4,62 m für eine 180-Grad-Drehung hat. Da verliert jede Sackgasse ohne Wendemöglichkeit ihren Schrecken. Doch bei der Vorführung macht das Quietschen der Reifen deutlich, dass das auf trockener Fahrbahn den Gummiabrieb erhöht.
Den Premium-Anspruch spürt man beim Probesitzen im Z9 GT. Die Materialien fühlen sich gut an und wirken hochwertig. Alle vier Sitze bieten eine Massagefunktion. Das Fach in der Mittelkonsole kann den Inhalt wahlweise kühlen oder warmhalten. Für zwei Smartphones gibt es induktive Ladeflächen mit 50 Watt Leistung. Mehr als eine Testrunde über die Rennstrecke sieht das Programm leider nicht vor.



