ITler sind Troubleshooter

Karin Probst arbeitet seit mehr als 20 Jahren in der Burnout-Beratung. ITler, sagt sie, seien besonders gefährdet. "Das sind Troubleshooter." Sie müssten oft sofort und dann auch noch superschnell agieren, wenn es ein Problem gibt. "Ist das dann gelöst, wird häufig das Dankeschön vergessen", sagt sie. Gleichzeitig kommunizierten sie wenig. "Das sind oft eher introvertiertere Leute, die schon mal die ganze Nacht durchcoden, um eine Abgabefrist einzuhalten", sagt sie.

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Das kann lange gut gehen. "Aber irgendwann machen sich der mangelnde Ausgleich und der Raubbau am eigenen Körper bemerkbar", warnt Probst. Gerade wenn beruflich Dringendes immer priorisiert und dafür persönlich Wichtiges aufgeschoben werde. Werden Probleme ignoriert oder verschwiegen, wird es besonders gefährlich.

Stattdessen versuchen einige, sich noch weiter zu pushen. Mit Zucker, Kaffee und Medikamenten. Ein Klient von ihr, erzählt Probst, habe Schweißausbrüche gehabt und unbemerkt auf dem Firmenparkplatz seine Anzüge gewechselt. "Aber je länger man so etwas verschleppt", warnt sie, "desto länger dauert es am Ende auch, wieder zu gesunden."

"Was stimmt nicht mehr?"

Situationen wie die auf dem Parkplatz kennt Rüdiger Striemer. Vor seinem Zusammenbruch verantwortete er ein wichtiges Akquiseprojekt, einen Großauftrag bei einem Industrieunternehmen. Damals ging es um Millionen, Striemers Projektteam war groß. "Das war ein wahnsinnig zäher Einkaufsprozess, mit vielen Wettbewerbern", erinnert er sich. Es erforderte seine volle Aufmerksamkeit - Aufmerksamkeit, die er zusätzlich zu seinen eigentlichen Aufgaben aufwenden musste.

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Und die sammelten sich auf seinem Schreibtisch. "Irgendwann waren es so viele, dass ich keine Zeit mehr hatte, mich in alle Projekte und Probleme richtig einzulesen", sagt er. In dieser Zeit wurde ihm öfter schwindelig. Seine Kolleginnen und Kollegen bemerkten nichts. "Wenn mir in Meetings schwindelig wurde, habe ich einfach vorgeschlagen, eine Pause zu machen." Dann eilte er raus, schnappte nach Luft, überstand den Termin, irgendwie. Abends zermarterte er sich den Kopf: "Was ist eigentlich mit mir los? Was stimmt nicht mehr?" Fragen, auf die er damals keine Antwort wusste.

Zwischen Beanspruchung und Belastung

Das ist nicht verwunderlich. Denn insbesondere bei Männern gilt der Burnout als unterdiagnostiziert, wird ausgebrannt und erschöpft sein doch eher Frauen zugeschrieben. Berichten Männer von Schlafstörungen, Herzerkrankungen oder Magenproblemen, wird möglicherweise nicht immer die eigentliche Ursache festgestellt. Darauf deutet eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) hin. "Andererseits kann es auch mit einer gestiegenen Sensibilität zusammenhängen, dass psychische Probleme durch Stress am Arbeitsplatz häufiger diagnostiziert werden", sagt Patricia Tegtmeier von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

Burn-out kommt nicht nur von Stress: Warum wir wirklich ausbrennen und wie wir zu uns selbst zurückfinden

Dabei ist belastet zu werden erst einmal nichts Schlechtes, im Gegenteil. Wer eine Herausforderung meistert, fühlt sich danach oft gut. Allerdings nicht, wenn dies zu permanentem Stress führt und die eigenen Ressourcen auf Dauer übersteigt, wie etwa durch einen hohen Termin- und Leistungsdruck, viele Störungen oder detaillierte Arbeitsanweisungen.

  • Rüdiger Striemer wusste erst nicht, was mit ihm los ist. In der Klinik wurden dann eine Panikstörung und eine Depression diagnostiziert. (Bild: privat)
Rüdiger Striemer wusste erst nicht, was mit ihm los ist. In der Klinik wurden dann eine Panikstörung und eine Depression diagnostiziert. (Bild: privat)

Belastungsfaktoren wie diese erfasst die BAuA jedes Jahr in ihrem Stressreport. Demnach wird die Informations- und Kommunikationsbranche überdurchschnittlich oft mit neuen Aufgaben oder betrieblichen Umstrukturierungen konfrontiert und muss zuvor Unbekanntes lernen. "In der Pandemie kam noch hinzu, dass viele Führungskräfte vielleicht auch nicht gesehen haben, wie belastet ihre Mitarbeitenden waren", ergänzt Tegtmeier. Neue digitale Kommunikationskanäle hätten viele noch mehr gefordert.

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 Burnout in der IT: "Es ging einfach nichts mehr"Die Reichweite einzelner Meditationskurse ist gering 
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velo 30. Jul 2021

Sehe ich als großes Problem. Mich selbst stört das wahnsinnig und bei Kollegen hatte ich...

Adminator 29. Jul 2021

Sowas hätt ich auch gern mal gemacht zwischen den zwei täglichen Schichten, aber der...

Netzweltler 29. Jul 2021

Und jeder ist ersetzbar. Auch in der IT.

deutscher_michel 28. Jul 2021

Wem es nicht passt, der kann ja immer kündigen und ein neuen Job suchen - da...

d0p3fish 27. Jul 2021

Schade das es für mobil noch keine Lösung gibt



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