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Burnout im IT-Job: Mit den Haien schwimmen

Unter Druck bricht ein Webentwickler zusammen - zerrieben von zu eng getakteten Projekten. Obwohl die IT-Branche psychische Belastungen als Problem erkannt hat, lässt sie Beschäftigte oft allein.

Eine Reportage von Miriam Binner veröffentlicht am
Nicht gefressen zu werden, sondern mit den Haien zu schwimmen, ist die Kunst.
Nicht gefressen zu werden, sondern mit den Haien zu schwimmen, ist die Kunst. (Bild: Xandra_Iryna auf Pixabay)

In seinem Kopf hämmert es seit Tagen. An einem Sonntag, so erinnert sich Roland Golla heute, wird es immer lauter. Gegen 17 Uhr ist er so weit, dass er keine Menschen mehr erträgt. "Hau ab, ich will diese Scheiße nicht", schreit er seine Tochter an, damals zwei Jahre alt. Er schickt seine Familie zur Großmutter. Als er alleine ist, setzt sich Golla ins Schlafzimmer und weint.

Inhalt:
  1. Burnout im IT-Job: Mit den Haien schwimmen
  2. Mehr Stressresistenz? Besser wäre: weniger Stress
  3. Der Weg aus dem Burnout

Der Nervenzusammenbruch vor vier Jahren markiert den absoluten Tiefpunkt im Leben des heute 41-jährigen Webentwicklers. "Mir war sofort klar, dass ich so etwas nie wieder fühlen will", sagt Golla. Plötzlich habe er nachempfinden können, warum manche Menschen sterben wollen.

Anspannung und Erschöpfung als Dauerzustand: Was Golla erlebt hat, ist auch für viele andere Menschen immer noch Realität. Die Symptome des sogenannten Burnout-Syndroms kennt laut Studien jeder zweite Mensch in Europa. Nach Muskel- und Skeletterkrankungen sowie Atemwegsbeschwerden gehen die meisten Ausfalltage von Beschäftigten in Deutschland auf psychische Störungen zurück, melden die Betriebskrankenkassen.

IT-Beschäftigte seien besonders gefährdet, warnt die Arbeitspsychologin Anja Gerlmaier, die stressbedingte Erkrankungen in der Branche untersucht: "Erschöpfung, Tinnitus, Magen- und Rückenprobleme - im IT-Bereich liegt der Anteil der Betroffenen mit bis zu 30 Prozent sehr hoch", sagt die Autorin des Fachbuchs Stress und Burnout bei IT-Fachleuten. Auch für den PHP-Spezialisten Golla steht nach jahrelanger Therapie fest: "Ich wurde verheizt."

Absturz mit Ansage

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Als ihn der Druck überwältigt, ist Golla gerade zwei Wochen im neuen Job. Eine Teamleiter-Stelle bei einer Agentur, damals gefällt ihm der Titel. Für eine Wohnungsbaugenossenschaft soll er einen virtuellen Raumgestalter in die Webseite integrieren. Doch am Abgabetag ist die Anwendung noch nicht online, läuft erst als Testversion auf seinem Arbeitsrechner.

Am Abend stehen der Agenturchef und der Projektleiter an seinem Schreibtisch, verlangen eine Erklärung. Golla sagt, er brauche noch Zeit. Dann packt er seine Sachen, um nach Hause zu gehen - abzuschalten, am Montag weiterzumachen. Sein Chef hält ihn auf: "Ob man in solchen Momenten gehen sollte. Ich weiß ja nicht." Der unterschwellige Vorwurf brennt sich ins Bewusstsein des Entwicklers. Statt das Wochenende über neue Kraft zu sammeln, quält er sich mit den Gedanken an Montag.

  • Roland Golla hat einen Weg aus dem Burnout gefunden, jetzt hilft er auch anderen dabei. (Bild: Roland Golla/Never Code Alone)
Roland Golla hat einen Weg aus dem Burnout gefunden, jetzt hilft er auch anderen dabei. (Bild: Roland Golla/Never Code Alone)

Nie zur Ruhe zu kommen, das macht krank - die Risiken sind in der IT-Branche durchaus bekannt. Dafür sorgte zuletzt vor allem die sogenannte New-Work-Bewegung, die auf mehr Flexibilität und Autonomie drängt. Mentale Gesundheit ist eines ihrer zentralen Schlagworte. So sollen offenere Arbeitszeitmodelle und mobile Arbeitsorte statt zu Selbstausbeutung und Überlastung zu mehr Selbstbestimmung und Zufriedenheit führen.

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Die Firmen haben ein Problem erkannt

Unternehmen begleiten den Mentalitätswechsel mit verschiedenen Programmen: SAP bietet seinen Beschäftigten Achtsamkeitstrainings an und greift dabei auf das bereits 2007 von Google mitentwickelte Workshop-Programm Search Inside Yourself zurück. Der Suchmaschinenkonzern selbst warnte zu Beginn der Coronapandemie vor der Heimarbeit als potenzielle Gefahr - und gewährte einen Tag Sonderurlaub zur Burnout-Prävention.

Der Versandhändler Otto misst in regelmäßigen internen Umfragen die Stimmung seiner Beschäftigten und bietet Gespräche an, wie ein aktueller Blogbeitrag zeigt. Und in der Berliner Tech-Szene nehmen Acceleratoren die seelischen Belastungen von Gründerteams zunehmend ernst: Sie organisieren etwa Workshops und Vorträge zu mentaler Gesundheit, zu den ersten gehört der Accelerator APX von Axel Springer und Porsche.

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Mehr Stressresistenz? Besser wäre: weniger Stress 
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isaccdr 16. Sep 2020

Gegen Rückenschmerzen muss man nicht 10 Stunden Sport pro Woche machen. Es hilft gezielt...

maxule 16. Sep 2020

zumal andere Mitarbeiter gekündigt haben.

TheNX 15. Sep 2020

Hast völlig recht, da kann ich nichts dagegen sagen. Nur als Anmerkung dazu, dass es...

buggy 15. Sep 2020

Wir haben mehrfache probleme run um IT -Netzwerke wohin man immer schaut. Die mehrheit...

.02 Cents 15. Sep 2020

Ich bin dabei, dass die Aussagen des Vorposters ein wenig in Richtung "Victim Shaming...


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