Bundeswehr: Spionagesatellit SARah-1 startet mit SpaceX

Das militärische Erdbeobachtungsprogramm SARah kostet rund 800 Millionen Euro. Auch der BND nutzt es, erhält aber ein eigenes Spionagesystem: Georg.

Artikel veröffentlicht am , Matthias Monroy
Der Satellit SARah-1 von Airbus und eine Bodenstation in Deutschland
Der Satellit SARah-1 von Airbus und eine Bodenstation in Deutschland (Bild: Airbus)

Am Samstag will die Bundeswehr ihren ersten neuen Spionagesatelliten der SARah-Baureihe ins All schießen. Der live zu beobachtende Start erfolgt von der Raketenbasis Vandenberg in Kalifornien und ist nach deutscher Zeit für 15:30 Uhr anvisiert.

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Der rund vier Tonnen schwere Satellit wird mit einer zweistufigen Falcon 9 von Elon Musks Firma SpaceX ins All transportiert. Die Trägerrakete ist teilweise wiederverwendbar.

Zuständig für die Entwicklung der SARah-Satelliten ist die Firma OHB System in Bremen, die hierzu im Jahr 2013 vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr beauftragt wurde. Die Fertigung des SARah-1 erfolgte im Unterauftrag durch Airbus in Friedrichshafen.

Drei Satelliten und zwei Bodenstationen

Das gesamte Aufklärungssystem besteht aus drei Satelliten und einem Bodensegment aus zwei Bodenstationen. Es soll das seit 2008 vom Militär genutzte SAR-Lupe-System ablösen, das Gegenstände ab einer Größe von 50 Zentimetern darstellen kann. Die beiden folgenden Satelliten werden von OHB als ausschließlichem Hauptauftragnehmer gebaut.

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SARah-1 beruht auf höchstauflösender Radartechnologie, die unabhängig von der Tageszeit und der Wetterlage Bilder liefert. Die groß geschriebene Abkürzung steht für Synthetic Aperture Radar (Radar mit synthetischer Apertur). Damit wird die Erdoberfläche mit elektromagnetischen Wellen abgetastet und zweidimensional dargestellt. Diese Bilder sind für das menschliche Auge schwer zu interpretieren und werden deshalb mithilfe von Computern dargestellt.

Laut Airbus handelt es sich bei der Radarkomponente um eine aktive, phasengesteuerte Array-Antenne. Damit wird die Strahlungsenergie aus mehreren Quellen auf ein Ziel gebündelt. Die Technik kommt bereits in den von Airbus gebauten Erdbeobachtungssatelliten TerraSAR, TanDEM-X und PAZ zum Einsatz. Das Bildmaterial wird dabei "in Rekordzeit" geliefert.

800 Millionen Euro für SARah-Programm

Inzwischen ist SARah-1 in die Vereinigten Staaten transportiert worden und wird dort für den Start vorbereitet. Die Inbetriebnahme des Satelliten wird aus dem Kontrollzentrum von Airbus in Friedrichshafen betreut. Die Kalibrierung und der Betrieb erfolgen anschließend aus dem Kontrollzentrum der Bundeswehr.

Insgesamt hat der Bundestag für das SARah-Programm rund 800 Millionen Euro bewilligt. Dass das System mit SpaceX und nicht etwa mit deutsch-französischen Ariane-Raketen gestartet wird, sorgt für Kritik.

Dabei geht es vor allem um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Raumfahrtindustrie, aber auch um die Sorge, dass ausländische Geheimdienste das Spionagesystem vor dem Start inspizieren könnten. Laut Bundeswirtschaftsministerium ist dies aber "grundsätzlich nicht möglich". Die Satelliten würden im Ausland unter anderem durch die Feldjäger der Bundeswehr bewacht.

BND nutzt Georg

Auch der Bundesnachrichtendienst (BND) darf die Bilder von SARah nutzen. Mit Georg (Geheimes Elektro-Optisches Reconnaissance System Germany) betreibt der Auslandsgeheimdienst aber ein eigenes Satellitensystem, das auf der elektro-optischen Aufklärung basiert. Der Name spielt vermutlich auf den Heiligen Georg an, der als Schutzpatron des BND gilt.

Den Auftrag für die insgesamt drei Georg-Satelliten erhielt OHB. Das Gesamtsystem soll Schätzungen zufolge über eine halbe Milliarde Euro kosten. Es soll ebenfalls mithilfe von SpaceX auf seine Umlaufbahn gebracht werden. Der Start des ersten Satelliten verzögert sich jedoch weiter.

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