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Bundeswehr: Deutschland plant seine militärische Präsenz im Weltraum

Deutschland entwickelt erstmals eine militärische Strategie im Weltraum – mit Wächtersatelliten, Cyberabwehr und 35 Milliarden Euro Budget.
/ Michael Linden
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Start einer Ariane-6-Rakete (Bild: ESA)
Start einer Ariane-6-Rakete Bild: ESA

Das Bundeskabinett will am 19. November Deutschlands erste nationale Weltraumsicherheitsstrategie(öffnet im neuen Fenster) beschließen. Das Papier markiert eine Wende: Die Bundeswehr soll künftig militärische Operationen im All durchführen können – mit Wächtersatelliten, Raumgleitern und Systemen zur elektronischen Kriegsführung.

"Der Weltraum dient nicht mehr ausschließlich friedlicher Forschung" , betonten Verteidigungsminister Boris Pistorius und Außenminister Johann Wadephul in dem Strategiepapier, das dem Spiegel vorliegt(öffnet im neuen Fenster) .

Ohne Satelliten funktionieren weder Navigation noch Kommunikation. Ein Ausfall würde Notfalldienste und Sicherheitsbehörden lahmlegen. Die neuen Technologien sollen Annäherungen an deutsche Satelliten erkennen und darauf reagieren können.

Geplant sind Cyberoperationen im Weltraum und Schutz vor elektromagnetischen Impulsen. Ab 2026 erhält die Bundeswehr schrittweise weitere Kommunikations- und Erdbeobachtungssatelliten.

35 Milliarden Euro gegen Bedrohungen im All

Pistorius kündigte an, bis 2030 rund 35 Milliarden Euro für Weltraumprojekte bereitzustellen. Der Grund: Russland und China haben ihre Fähigkeiten zur Kriegsführung im All massiv ausgebaut. Sie können Satelliten stören, blenden oder zerstören.

Russland und China üben Satelliten-Ausschaltung

Aktuelle Beobachtungen zeigen, dass zwei russische Aufklärungssatelliten derzeit kommerzielle Kommunikationssatelliten verfolgen, die auch die Bundeswehr nutzt. Seit Beginn des Ukraine-Krieges werden regelmäßig Navigationssatelliten gestört. China testet kontinuierlich Technologien zur Satellitenvernichtung(öffnet im neuen Fenster) und demonstrierte dieses Jahr Abfangmanöver zwischen Raumfahrzeugen(öffnet im neuen Fenster) im Erdorbit.

Elektronische Kriegsführung statt Weltraumschrott

Die deutsche Strategie sieht auch offensive Systeme vor: Deutschland müsse seine Weltraumsysteme schützen und gegnerische Handlungsmöglichkeiten einschränken können, heißt es. Möglich sind Lasersysteme, die andere Satelliten blenden, sowie Systeme zur Störung von Datenverbindungen.

Waffen zur physischen Zerstörung von Satelliten lehnt die Bundesregierung ab – sie würden gefährlichen Weltraumschrott erzeugen. Der Fokus liegt auf Verteidigung und elektronischer Kriegsführung.

Internationale Allianz im All

Deutschland ist seit Oktober 2024 Teil der US-geführten Operation Olympic Defender(öffnet im neuen Fenster) , gemeinsam mit Frankreich, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland. Die USA liefern dem deutschen Weltraumlagezentrum in Uedem wichtige Überwachungsdaten.

Mit Großbritannien und Norwegen arbeitet Deutschland an schnellen Startmöglichkeiten für Kleinsatelliten. Bei Ausfällen könnten Ersatzsatelliten kurzfristig vom schottischen Saxavord-Weltraumbahnhof(öffnet im neuen Fenster) starten. Die Kooperation mit Frankreich bei der weltraumgestützten Aufklärung läuft bereits seit Jahren.

Wichtige Weltraumtechnologien sollen verstärkt in Deutschland entwickelt werden. Als Vorbild gilt der 2023 gestartete Kommunikationssatellit Heinrich Hertz , der neue Technologien für die Satellitenkommunikation testet und teilweise vom Verteidigungsministerium genutzt wird.


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