Computerspiele kommen aus dem Militär

Eigentlich müsste das Militär doch bessere Spiele entwickeln können als diese magere VR-Simulation. Denn die Entwicklung von Video- und Computerspielen nahm hier ihren Anfang. William Higinbotham, verantwortlich für den Zündmechanismus der ersten Atombombe, entwickelte 1958 mit Tennis for Two eines der ersten Videospiele überhaupt. Auch das Tennisspiel Pong wurde von einem ehemaligen US-Soldaten mitentwickelt.

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Neuer Versuch am Bundeswehr-Stand: Ich gehe zum Tisch mit den Tarnnetzen und den Laptops. Darauf läuft ein Quiz mit Fragen zu Programmierlogik, Netzwerktechnik und Datenbanken, gestaltet wie ein Test im Informatikunterricht an der Schule. Ein Standmitarbeiter in Uniform ermutigt mich, doch das kleine Hacking-Tutorial auszuprobieren. Die Mission: Ich soll mich in ein Nutzerprofil einloggen, ohne die Login-Daten zu kennen. Da ich mich nie mit Programmieren oder Hacken beschäftigt habe, scheitere ich kläglich. Meine Gaming-Skills bringen mir hier überhaupt nichts. Der Mitarbeiter erklärt mir, dass man schon einiges an Vorwissen mitbringen müsse, um bei der Bundeswehr eine IT-Karriere zu starten und später in der Cybersicherheit zu arbeiten. Nur Spieler zu sein, reiche nicht.

Ich frage mich: Welche Art von Nachwuchs sucht die Bundeswehr eigentlich? Mit ihren Plakaten will sie Gamer ansprechen. Nur: Wer Call of Duty gut und gerne spielt, muss sich noch lange nicht in fremde Systeme hacken können. Und versierte Hacker sind von den Aufgaben am Stand wahrscheinlich völlig unterfordert. Das Marketingkonzept der Bundeswehr fußt entweder auf einem Denkfehler oder auf purer Verzweiflung. Ganz abgesehen davon, dass ein nicht kleiner Teil der Hacker-Community die Bundeswehr aus ethischen Gründen ablehnt. Und auch generell fraglich ist, inwieweit es überhaupt moralisch okay ist, auf einer Spielemesse mit überwiegend jungem Publikum für das Militär rekrutieren zu wollen.

In der Privatwirtschaft muss ich nicht ins Krisengebiet

Einer, den die Bundeswehr sicher sehr gern in ihren Reihen hätte, sitzt neben mir am Laptop und klickt sich gelangweilt durch das Tutorial. Paul ist 24 Jahre alt, studiert Software-Engineering und möchte seinen echten Namen nicht nennen. In seiner Freizeit spielt er möglichst realistische Militärshooter wie Squad. Auch er sagt aber, dass er keine Lust auf eine IT-Karriere beim Militär habe: "In der Privatwirtschaft bekomme ich mehr Geld und muss nicht in Krisengebiete gehen." Denn auch von Beamten der Bundeswehr wird die Bereitschaft zu Auslandseinsätzen erwartet.

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IT-Fachkräfte sind in Deutschland stark umworben. Damit sie nicht in die Privatwirtschaft gehen, sollen sie bei der Bundeswehr zum Beispiel eine "Cyberzulage" in Höhe von bis zu 300 Euro monatlich bekommen, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums dem Tagesspiegel. Allerdings: Bei einer Befragung von IT-Absolventen zur Attraktivität von Arbeitgebern landeten die Streitkräfte auf Platz 31, deutlich hinter der Automobilbranche oder Amazon.

In anderen Ländern lassen sich Armeen einiges einfallen, um junge Rekruten anzuwerben. Seit November 2018 hat die U.S. Army ein eigenes E-Sport-Team, mit dem sie ihr Image verbessern will. 2002 entwickelte sie mit America's Army einen eigenen Egoshooter. Und auch in Dänemark versucht die Armee zusammen mit einem E-Sport-Verband, Gamer als neue Rekruten zu gewinnen. Sie seien "unter Druck ruhig, haben schnellere Reaktionen als andere junge Menschen und eine stark ausgeprägte Fähigkeit zur Visualisierung", sagte der dänische Major Anders Bech im Interview mit dem Magazin DR.

Im Vergleich dazu wirkt die Präsentation der Bundeswehr altbacken. Das letzte Werbespiel Helicopter Mission ist über ein Vierteljahrhundert alt. Darin mussten Spieler Fallschirmspringer möglichst schnell mit dem Hubschrauber von A nach B bringen. Heute versucht die Bundeswehr, ihr Image mit schlechten VR-Apps und teuren Youtube-Serien wie Die Rekruten oder Mali zu verbessern. Die Zahl der minderjährigen Rekruten ist indes stark zurückgegangen, die Zahl der freiwillig Wehrdienstleistenden sinkt. Läuft also nicht so bei ihnen.

Nachdem ich die hundert Quadratmeter Ausstellungsfläche der Bundeswehr durchgespielt habe, bin ich ernüchtert. Ein Flugsimulator, mit dem man nicht abheben kann, ein für mich viel zu schwerer Hacking-Test, beides hat mir gezeigt: Ich bin hier wirklich falsch. Ich verlasse die Ausbildungsetage und gehe hinunter zum Microsoft-Stand. Die beleben ihren Flight Simulator nach 13 Jahren wieder. Und dort kann ich wenigstens abheben.

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 Bundeswehr auf der Gamescom: Und dann hebt der Kampfjet nicht mal ab
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Wiki-Nger 07. Sep 2019

Zitat OP: Siehe auch: Strohmann-Argument auf Wikipedia (darf leider noch keine Links...

OderUnd 31. Aug 2019

Wenn die BW ihr Geld weniger für irgendwelche fehlplazierten Werbeveranstaltungen auf...

OderUnd 31. Aug 2019

Skill ist es, wenn der Soldat Hubschrauber mit wärmesuchenden Marschflugkörpern abschie...

JackIsBack 31. Aug 2019

Weil der Soldat ein beamtenähnliches Verhältnis ist. Man ist Diener der BRD so wie jeder...

spagettimonster 31. Aug 2019

Als wenn Verdienen und Bekommen, nicht zwei verschiedene Geschichten wären ... als wenn...



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