Sicherheitslücken: Offen oder Geschlossen?
Unstrittig scheint unter den Parteien die zentrale Rolle des BSI: Alle wollen es stärken. Seine Unabhängigkeit liegt dabei Grünen, Linken und SPD besonders am Herzen. Die Union will es zu einer "Zentralstelle für Fragen der Informations- und Cybersicherheit" ausbauen.
Die FDP sieht das BSI als verpflichtende Anlaufstelle für staatliche Stellen, denen Sicherheitslücken bekannt werden. Die Liberalen stellen sich vor, dass es dann die Koordination übernimmt: Hersteller informieren, diesen dazu bewegen, die Lücke zu schließen und sie koordiniert veröffentlichen, wenn dies misslingt. Laut den Liberalen soll der Staat keine Sicherheitslücken für Ermittlungszwecke aufkaufen dürfen.
Auch Linke und Grüne wollen eine Meldung von Lücken verpflichtend machen, nennen jedoch noch keine Details. Die Sozialdemokraten versprechen: "Digitale Hintertüren sollen nicht offen gehalten werden." Im Zuge dessen nennt die FDP auch ein sogenanntes Schwachstellenmanagement - eine lang diskutierte Forderung, dass der Umgang von insbesondere staatlichen Stellen mit Sicherheitslücken klar geregelt werden muss. Entsprechendes hatte erst kürzlich das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil gefordert.
Staatstrojaner lehnen Grüne und die FDP ab. Die Liberalen zumindest, "solange nicht sichergestellt ist, dass der Kernbereich der privaten Lebensgestaltung der Menschen geschützt ist". Die Linke will sie rigoros verbieten, genau wie andere "Spyware aller Art". Die Union hingegen plant, Voraussetzungen für Online-Durchsuchung und Quellen-Telekommunikationsüberwachung bundesweit anzupassen, "sodass diese Instrumente rechtssicher und effektiv eingesetzt werden können".
Union will den digitalen Gegenschlag
CDU/CSU bekennen sich in ihrem Programm auch deutlich zum sogenannten Hackback: "Wir müssen bei schweren Cyber-Angriffen in der Lage sein, aktiv auf die Ursache einzuwirken, um sie zu beenden." Dafür wollen die beiden Parteien sowohl rechtliche als auch technische Voraussetzungen schaffen.
Einer der Kritikpunkte an dieser aktiven Cyberabwehr: Für digitale Gegenschläge brauchen staatliche Stellen unter Umständen Sicherheitslücken, um sie beim entsprechenden Gegner ausnutzen zu können. Damit entsteht ein Interessenskonflikt: Lücken offenhalten, um sie auszunutzen? Oder Lücken schließen, um die digitale Welt für alle sicherer zu machen? Wie man mit Sicherheitslücken umgehen sollte, führt die Union in ihrem Programm jedoch nicht aus.
Die FDP will keine "digitale[n] Vergeltungsschläge" und verweist auf die "Gefahr eines digitalen Wettrüstens" und das Risiko, dass Kollateralschäden entstehen. SPD und Linke äußern sich nicht explizit zu diesem Thema, ebenso wie die Grünen. Letztere verweisen jedoch darauf, dass es bei der Bundeswehr ein an der "Defensive orientiertes Selbstverständnis" im Digitalen brauche. Die Linken lehnen einen Paradigmenwechsel hin zum "Cyberwar" ab.
Cyberquote, Cyberhilfswerk und Cyberrüstungskontrolle
In den Programmen der Parteien finden sich auch einige Ideen, die nicht direkt mit denen der anderen vergleichbar sind. So will die Union eine "Cyberquote" für IT-Vorhaben im öffentlichen Dienst. Ein bestimmter Anteil des Budgets soll künftig in IT-Sicherheit investiert werden müssen. Die Grünen greifen in ihrem Programm die Idee des Cyber-Hilfswerks auf, das ähnlich dem THW bei IT-Vorfällen bereitsteht.
Die Linken fordern in ihrem Programm explizit, die Bundeswehreinheit "Cyber- und Informationsraum" aufzulösen. Sie sprechen sich auch dagegen aus, die Bundeswehr am Schutz kritischer Infrastrukturen im Inland zu beteiligen. Die SPD will im Bereich "Cyber und Künstliche Intelligenz" Rüstungskontrolle etablieren.
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| Bundestagswahl: Alle wollen IT-Sicherheit, aber jeder anders |
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nicht jedes IoT gadget braucht 95 firewalls drumherum, wenn es eigentlich sehr...
Ich vermute, es geht wohl darum, dass die AfD-Positionen im Artikel gar nicht erst...
Das ist genau das was mit "Security by default" gemeint ist. Es muss schwieriger sein...
Genau. Und Foristen für unbedachte und völlig weltfremde Forderungen.