Linke und AfD: links keine Cookies, rechts ein US-Hoster
Das sagt das Wahlprogramm: Der Datenschutz ist bei der Linke im Wahlprogramm prominent vertreten. Als einzige Partei will sie die Datenschutz-Grundverordnung erweitern.
Wie die Grünen adressiert auch die Linke das Thema Big Tech: Mit einem Plattformstrukturgesetz will sie öffentlich-rechtlich betriebene Plattformen als Alternativen fördern und Datenschutz sicherstellen. Sie legt hohen Wert auf "Privacy by Design", also der Umsetzung von Datenschutzvorgaben direkt bei den Herstellern.
Das macht die Website: Auf Website der Linke gibt es keinen Cookie-Banner - das braucht sie auch nicht, denn sie setzt kein Cookie. Drittanfragen gibt es auch nicht. Doch auch hier fehlt eine Content Security Policy, Referrer werden übermittelt. Die Website wird laut Webkoll in der Slowakei beim Provider Stormwall gehostet.
Die AfD hostet bei Amazon in den USA
Das sagt das Wahlprogramm: Im AfD-Wahlprogramm (PDF) hat der Datenschutz ein eigenes Kapitel erhalten: Die Datenschutz-Grundverordnung will die Partei samt der "ausufernden Bürokratie" abschaffen. Gleichwohl legt sie hohen Wert auf "Privacy by Design" und "by Default", ebenso auf eine gesetzlich verankerte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und die Förderung der Quanten-Kryptographie.
Das macht die Website: Die AfD-Website zeigt sich zunächst datenschutzbewusst - das Cookie-Banner ist unübersehbar. Die Webkoll-Analyse zählt interessanterweise null Cookies. Sehr fett und prominent bietet die AfD dennoch für die Cookies "Ich akzeptiere" an - die individuellen Einstellungsmöglichkeiten sind im Kleingedruckten noch einmal kleingedruckt und wohl nur mit der Lupe zu finden. Nach dem Durchklicken versperrt erst einmal ein großes Spenden-Banner den Blick auf weitere Inhalte.
Auch bei der AfD fehlt eine Content Security Policy, Referrer werden übermittelt. Die Drittanfragen kommen aus den USA: Die Webseite zieht Google-Fonts. Den Serverstandort für die AfD-Website verortet Webkoll wie bei der FDP in den USA, als Provider wird Amazon angegeben.
Auf Anfrage von Golem.de teilte die Pressestelle der Partei mit, dass sie mit dem Hosting ihrer Websiten einen Dienstleister in Deutschland beauftragt hat: "Die Anforderung an diesen war, dass er eine sehr hohe Ausfallsicherheit gewährleisten musste. Welchen Server er dazu nutzen würde, stand ihm frei." Die Auswahl des Hosts sei dann eigenverantwortlich durch den Dienstleister erfolgt, nicht durch die AfD.
Fazit
Seit Fefes Parteien-Sitecheck Anfang September sind auf den Partei-Webseiten einige kleine Dinge geändert worden - offenbar geschieht das immer wieder einmal. Deshalb wird möglicherweise auch der Webkoll-Check bei den einen oder anderen Seiten schon bald wieder anders aussehen. Positiv ist zu vermerken, dass bei allen offenbar auf Hinweise und Kritik reagiert und nachgebessert wurde.
Dass die Zahl der Cookies sehr gering gehalten wird, zeugt von einem Bewusstsein für die Problematik. Jedoch hapert es bei weniger offensichtlichen Themen. Merkwürdigerweise hat fast keine Partei Vorsichtsmaßnahmen per CSP getroffen. Auch das Thema der Referrer-Links wurde weitgehend ignoriert. Und mit der Wahl von US-Cloud-Providern zeigen FDP und AfD, dass Datenschutz in der Praxis bei ihnen wohl doch nicht so die große Rolle spielt.
Am konsequentesten zeigt sich Die Linke, die den eigenen Anspruch mit der Praxis - laut Webkoll-Analyse - noch am besten in Einklang bringt.
Anmerkung der Redaktion: Die Webkoll-Abfragen erfolgten am 15. September 2021, die Websites wurden unter Windows mit Chrome besucht.
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| SPD, Grüne, FDP: nicht alles ganz astrein |










Aber da steht auch webkoll statt webbkoll.
Full Ack, denen glaube ich schon seit 10 Jahren nichts mehr... Einfach unglaublich dass...
Noch als Ergänzung: LKA ermittelt - IT-Expertin entdeckt Lücke in CDU-App und...
Interessant, wie sich die Parteien so anstellen! Und auch schön, dass das Tool verlinkt...