Bundestag: Telekom-Security-Experte durfte sich nicht zu Huawei äußern

Der frühere Bundesminister Röttgen hat den Leiter Group Security der Deutschen Telekom erst zu seiner Huawei-Anhörung ein- und dann wieder ausgeladen. Offenbar war der Standpunkt von Thomas Tschersich nicht erwünscht.

Artikel veröffentlicht am ,
Der Bundestag (Symbolbild)
Der Bundestag (Symbolbild) (Bild: Bundestag)

Die Anhörung des Auswärtigen Ausschusses unter dem Vorsitzenden Norbert Röttgen (CDU) zu "Risiken einer 5G-Beteiligung Huaweis" fand am Montag unter Ausschluss der Netzbetreiber statt. "Die Einladung an den Leiter Group Security der Deutschen Telekom, Thomas Tschersich, wurde zurückgezogen. Der Ausschuss hatte sich entschieden, das Konzept der Fachgesprächs dahingehend zu ändern, dass diesmal keine Vertreter der künftigen Anbieter (Provider) von 5G-Diensten eingeladen werden sollten", erklärte Frank Bergmann, stellvertretender Sprecher der Pressestelle des Deutschen Bundestag Golem.de.

Die drei Mobilfunkbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica setzen bereits 5G-Technik von Huawei ein und haben sich eindeutig gegen einen Ausschluss von Huawei ausgesprochen. Tschersich ist laut bisherigen Stellungnahmen eindeutig nicht für einen Ausschluss von Huawei.

In einer Onlinefassung der Tagesordnung der Anhörung war bis Montag Tschersich als einer der Experten und Redner in der Anhörung aufgeführt. Diese Fassung wurde inzwischen entfernt. "Bedauerlicherweise wurde auf der Internetseite des Deutschen Bundestages eine veraltete Version der Liste der eingeladenen Experten für das Fachgespräch des Auswärtigen Ausschusses zu 5G veröffentlicht", erklärte Bergmann.

Wie Golem.de aus informierten Kreisen erfuhr, hatte der erklärte Huawei-Gegner Röttgen großen Wert auf Martin Schallbruch (European School of Management and Technology Berlin) als technischen Experten gelegt, der seine Position zu Huawei teilt. Schallbruch machte darauf aufmerksam, dass es sich beim 5G-Standard um eine noch stärker softwarebasierte Technologie als bei den Vorgängerstandards handle. 5G werde dezentraler organisiert sein, eine höhere Komplexität aufweisen, stärker auf die Identifizierung von Sicherheitslücken und damit auf permanente Software-Aktualisierungen angewiesen sein. Insgesamt ergebe sich so eine größere Angriffsfläche - was insbesondere für die Sicherheit nachgelagerter Systeme staatlicher Daseinsvorsorge problematisch werden könne.

Dass Huawei selbst sprechen konnte, wurde nur auf Druck der Linksfraktion durchgesetzt, erfuhr Golem.de. Mikko Huotari (Mercator Institute for China Studies - Merics) sagte, dass Huawei zwar nicht "auf dem Schoß der chinesischen KP" sitze, es aber intransparente Unternehmens- und Besitzerstrukturen gebe und eine enge sicherheitspolitisch motivierte Verflechtung mit dem chinesischen Staat, der Huawei bei dessen Markteroberungen umfassend protegiere.

Eine Bindung des Unternehmens an das jeweilige lokale Recht sei angesichts mangelnder Rechtsstaatlichkeit und fehlender Gewaltenteilung in China nicht zu erwarten. "Kein chinesisches Unternehmen kann es sich leisten, unpatriotisch zu sein", sagte Huotari. Ein Merics-Sprecher sagte Golem.de am 28. Januar 2019: "Bitte haben Sie Verständnis, dass unsere China-Experten sich nicht zu technologischen Details äußern können, das ist nicht unsere Kernkompetenz."

Röttgen beendet die Anhörung mit der These, dass eine Beteiligung von Huawei bei 5G schlimmer sei als ein Supergau in einem Atomkraftwerk.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Beamformer 18. Nov 2019

Vllt auch einfach weil nicht genug Stühle?

Orangenbaum 13. Nov 2019

Unsere Regierung verklickert uns doch andauern, wie viele "Freunde" (ihr Ausdruck!) wir...

heikom36 13. Nov 2019

Glaube nicht, dass die Telekom über Amazon oder andere US-Unternehmen einkauft ;-) Und...

heikom36 13. Nov 2019

....sicher kann man Produkte aus China als kritisch ansehen. Insbesondere dann, wenn sie...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Programmiersprache
Das ändert sich in Go 1.20

Im Februar erscheint Go in der Version 1.20. Wir geben eine Übersicht über die wichtigsten Neuerungen.
Von Tim Scheuermann

Programmiersprache: Das ändert sich in Go 1.20
Artikel
  1. Kunst von der KI: MusicLM erzeugt ganze Songs nach Textvorgaben
    Kunst von der KI
    MusicLM erzeugt ganze Songs nach Textvorgaben

    Forscher von Google haben ein KI-Tool entwickelt, das Songs nach Wunsch produzieren soll. Die Öffentlichkeit darf es vorerst nicht benutzen.

  2. Arbeit im Support: Von der Kunst, Menschen und Technik zu jonglieren
    Arbeit im Support
    Von der Kunst, Menschen und Technik zu jonglieren

    Geht nicht, gibt's oft - und dann klingelt das Telefon beim Support. Das Spektrum der Probleme ist gewaltig und die Ansprüche an einen guten Support auch. Ein Leitfaden für (angehende) Supportmitarbeiter.
    Ein Ratgebertext von Lutz Olav Däumling

  3. Lara Croft im Fernsehen: Amazon plant Serie zu Tomb Raider
    Lara Croft im Fernsehen
    Amazon plant Serie zu Tomb Raider

    Lara Croft könnte nach mehreren Spieleverfilmungen zur Fernsehheldin werden. Das Drehbuch dazu soll Phoebe Waller-Bridge schreiben.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Samsung 980 PRO 1TB Heatsink 111€ • Patriot Viper VPN100 2TB 123,89€ • Corsair Ironclaw RGB Wireless 54€ • Alternate: Weekend Sale • WSV bei MediaMarkt • MindStar: XFX RX 6950 XT 799€, MSI RTX 4090 1.889€ • Epos Sennheiser Game One -55% • RAM-/Graka-Preisrutsch [Werbung]
    •  /