Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Bundestag lahmgelegt: IT-Ausfall während Selenskyj-Besuch in Berlin

Während des Besuchs von Wolodymyr Selenskyj in Berlin ist am Montag die IT-Infrastruktur des Bundestags zusammengebrochen.
/ Andreas Donath
Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Deutscher Bundestag (Bild: Andreas Donath)
Deutscher Bundestag Bild: Andreas Donath

Im Bundestag ist es während des Besuchs des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu massiven Technikausfällen gekommen. Die Probleme der Bundestags-IT traten am Montagnachmittag während der Befragung von Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in der Corona-Enquete-Kommission auf. Mitarbeiter konnten den Livestream der Anhörung über interne Systeme nicht mehr abrufen. Ausschussleiterin Franziska Hoppermann bestätigte, dass der Stream außerhalb des Parlamentsgebäudes weiterhin verfügbar war, wie unter anderem der Tagesspiegel berichtete(öffnet im neuen Fenster).

Die Störung beschränkte sich nicht auf den Sitzungssaal. Mehrere Fraktionen meldeten ausgefallene E-Mail-Konten, unterbrochene Internetverbindungen und nicht funktionsfähige Druckernetzwerke. Virtuelle Laufwerke waren nicht mehr erreichbar. Hunderte Mitarbeiter in verschiedenen Büros seien betroffen gewesen, meldete die Bild-Zeitung(öffnet im neuen Fenster).

Jüngst russischer Botschafter einbestellt

Das Timing wirft Fragen auf: Neben dem ukrainischen Präsidenten hielten sich US-Delegationen zu Gesprächen in der Hauptstadt auf. Erst vergangene Woche hatte Deutschland den russischen Botschafter einbestellt. Der Vorwurf: wiederholte Einmischungsversuche durch Desinformationskampagnen, Sabotageakte und digitale Angriffe.

Geheimdienstanalysen verbinden die Operation Storm 1516 mit dem Zentrum für Geopolitische Expertisen, einer Moskauer Organisation mit Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst. Die Kampagne soll während des vergangenen Bundestagswahlkampfs gefälschte Informationen über deutsche Politiker verbreitet haben.

Experten warnen vor voreiligen Schlüssen

Sicherheitsfachleute mahnen derweil zur Vorsicht. Manuel Atug von der AG Kritis betonte, dass ähnliche Vorfälle häufig auf interne Infrastrukturprobleme zurückgingen. Netzwerkkonfigurationsfehler, Firewall-Störungen oder Hardwareausfälle verursachten oft vergleichbare Symptome.

Der Bundestag erlebte 2017 eine ähnliche Situation, bei der sich erste Vermutungen über externe Eingriffe als falsch erwiesen. Die Untersuchung ergab damals einen Hardwaredefekt als Ursache.

Ein echter Angriff ereignete sich 2015, als Überwachungssoftware auf Parlamentscomputern installiert wurde. Betroffen waren unter anderem Geräte der damaligen Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Ermittler schrieben die Attacke der Gruppe Fancy Bear zu, die in aktuellen Berichten über Aktivitäten gegen deutsche Infrastruktur auftaucht.

BSI untersucht den Vorfall

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bestätigte laut Tagesspiegel, über den aktuellen Vorfall informiert worden zu sein. Die Behörde steht mit der Bundestagsverwaltung in Kontakt, die erste Bewertungen zur Ursache der Systemausfälle durchführt.


Relevante Themen