Bundessteuerberaterkammer: Pendlerpauschale soll abgeschafft werden
Hartmut Schwab, Präsident der Bundessteuerberaterkammer, positioniert sich im Interview mit der Welt(öffnet im neuen Fenster): Ihm zufolge muss das deutsche Steuerrecht grundlegend vereinfacht werden.
Dazu gehört für Schwab auch die Abschaffung der Pendlerpauschale. Statt Einzelgruppen zu begünstigen, sei es sinnvoller, einen höheren einheitlichen Freibetrag einzuführen und die Steuerlast insgesamt zu senken. "Den erwartbaren Aufschrei muss die Politik aushalten", sagte er.
Schwab stützt seine Forderungen auf aktuelle OECD-Daten: Durchschnittsverdiener mit rund 4.500 Euro Bruttogehalt im Monat werden in Deutschland fast zur Hälfte durch Steuern und Sozialabgaben belastet. Nur Belgien schneidet schlechter ab. Zudem hat sich seit 1990 der Einstieg in den Spitzensteuersatz deutlich nach unten verschoben – vom 3,2-Fachen auf das 1,3-Fache des Durchschnittseinkommens.
Statt struktureller Reformen habe die Politik in den vergangenen Jahren lieber kleinteilige Steuervorteile eingeführt, so Schwab. Auch sogenannte Mitnahmeeffekte kritisierte er. Wer eine defekte Waschmaschine reparieren lassen müsse, tue das unabhängig von steuerlichen Abzugsmöglichkeiten. Der Steuerbonus für Handwerkerleistungen verpuffe damit weitgehend wirkungslos.
"Spitzensteuersatz trifft Unternehmer besonders hart"
Beim Spitzensteuersatz mahnte Schwab zur Differenzierung. Viele Einzelunternehmer und Personengesellschaften zahlten Einkommensteuer, damit sei diese faktisch auch eine Unternehmenssteuer.
Wer als Unternehmer 100.000 Euro Gewinn erwirtschafte, könne dieses Geld oft nicht frei entnehmen, weil es im Betrieb gebunden sei. Eine Anhebung des Spitzensteuersatzes treffe diese Gruppe deshalb besonders hart.
Der Wechsel ins Körperschaftsteuerregime setze häufig die Auflösung von Sonderbetriebsvermögen voraus, was steuerlich einem Verkauf gleichkomme. Die Bundessteuerberaterkammer sei daher in Gesprächen mit der Politik.
Echte Reform unter Schwarz-Rot? Schwab ist skeptisch
Ob eine grundlegende Steuerreform unter der schwarz-roten Bundesregierung tatsächlich kommt, bezweifelte Schwab. Er nannte drei Bedingungen: spürbar weniger Ausnahmen, weniger Meldepflichten und Steuersätze auf wettbewerbsfähigem Niveau. Ohne diese Schritte, so seine Warnung, schauten Unternehmen zunehmend auf Nachbarländer wie Polen oder Tschechien.