Memes sollen bezahlt werden

So sollen Inhalteanbieter wie Youtube nicht mehr "alle", sondern nur noch "bestmögliche" Anstrengungen unternehmen, um Lizenzen für Inhalte zu erwerben. Außerdem müssen die Nutzungsrechte nicht mehr typische "Werkarten", sondern nur noch typische "Inhalte" umfassen.

Stellenmarkt
  1. Fachinformatiker*in als Anwendungsbetreuer*in (m/w/d) des Dokumentenmanagementsystems [IT / ... (m/w/d)
    Ruhrverband, Essen
  2. Assistant Data Management für Marketing/CRM
    Porsche Consulting GmbH, Stuttgart, München, Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg
Detailsuche

Unverändert enthalten ist Paragraf 6, der das Hochladen folgender "maschinell überprüfbaren" Inhalte ohne Zustimmung der Rechteinhaber erlaubt: "bis zu 20 Sekunden je eines Films oder Laufbildes, bis zu 20 Sekunden je einer Tonspur, bis zu 1.000 Zeichen je eines Textes und je eines Lichtbildes oder einer Grafik mit einem Datenvolumen von bis zu 250 Kilobyte". Für solche Nutzungen habe "der Diensteanbieter dem Urheber eine angemessene Vergütung zu zahlen", heißt es in Paragraf 7.

Das gilt nun auch für sogenannte Pastiches, deren Hochladen ebenfalls erlaubt ist. Zur Begründung für diese Vergütungspflicht heißt es: "Im Lichte aktueller sozialer Praktiken der kreativen Auseinandersetzung mit vorbestehenden Inhalten (z.B. 'Memes') dürften diese Nutzungen künftig der gesetzlichen Erlaubnis des Pastiche unterfallen. Es erscheint vor diesem Hintergrund gerechtfertigt, den Rechtsinhabern für Pastiche-Nutzungen auf Plattformen eine angemessene Vergütung zu gewähren."

Kein echtes Pre-Flagging mehr

Eine gravierende Änderung gibt es beim sogenannten Pre-Flagging erlaubter Inhalte. Nutzer sollen künftig nicht mehr direkt beim Hochladen angeben können, ob die Nutzung vertraglich oder gesetzlich erlaubt ist. Das soll erst der Fall sein, wenn der Inhalt wegen der Ansprüche eines Rechteinhabers gesperrt werden soll. Dann muss Nutzern "sofort" ermöglicht werden, die Nutzung als erlaubt zu markieren. Laut Begründung sollen die Nutzer dadurch entlastet werden. Liege hingegen ein Sperrverlangen vor, so erhielten die Nutzer bereits während des Uploads eine sofortige Information.

Golem Karrierewelt
  1. Adobe Premiere Pro Aufbaukurs: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    23./24.03.2023, Virtuell
  2. Container Technologie: Docker und Kubernetes - Theorie und Praxis: virtueller Drei-Tage-Workshop
    22.-24.02.2023, virtuell
Weitere IT-Trainings

Nach Ansicht des Urheberrechtsexperten Felix Reda von der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) macht das Justizministerium damit "den Einsatz von Uploadfiltern durch die Plattformen unumgänglich, denn anders ist die sofortige Erkennung nicht zu bewerkstelligen". Zwar solle laut Gesetzesbegründung auf Uploadfilter "nach Möglichkeit verzichtet" werden. "Diesen Widerspruch löst der Entwurf nicht auf", schreibt Reda und fügt hinzu: "Wenn der Inhalt erst einmal gesperrt wird, ist der Schaden für die Meinungsfreiheit aber bereits angerichtet." Um ein Overblocking zu vermeiden, müsse die ursprüngliche Option beibehalten werden.

Vorschlag von Google umgesetzt

Die Regierung geht damit jedoch auf die umfassende Kritik am Pre-Flagging ein. So lehnten die US-Konzerne Google und Facebook dieses Verfahren ab. Laut Facebook "könnte dies dazu führen, dass Nutzer abgeschreckt werden und weniger Inhalte einstellen". Viele Benutzer könnten sich dazu entscheiden, "ihren Beitrag nicht zu veröffentlichen - auch aus der vermutlich unbegründeten Angst heraus, an einer möglichen Urheberrechtsverletzung beteiligt zu sein".

Google hält das Modell aus praktischer Sicht für "nicht umsetzbar". Es sei "für einen Nutzer trotz bester Bemühungen nicht immer einfach zu ermitteln, ob und welche Schrankenbestimmung oder Kombination von Schranken für seine Nutzung relevant und ob deren Voraussetzungen gegeben sind". Das Unternehmen schlägt stattdessen vor, den Nutzern im Falle einer automatischen Sperrung ihrer Inhalte die Möglichkeit zu geben, sich "unmittelbar" zu beschweren.

Lambrecht optimistisch

Dieser Google-Vorschlag wurde nun umgesetzt. Für Reda ist das kein positives Zeichen: "Da nur wenige marktdominierende Plattformen die Technologie haben, Uploads in Echtzeit zu filtern, führt dies außerdem zu einer weiteren Markt- und Machtkonzentration in den Händen weniger Digitalkonzerne."

Ob sich die Koalition von Union und SPD auf den Entwurf einigen kann, ist unklar. Justizministerin Lambrecht gibt sich zumindest optimistisch. "Wir haben Lösungen vorgeschlagen, die den Rechten und Interessen aller Beteiligten Rechnung tragen. Denn sie alle - die Urheber und ausübenden Künstler, die Unternehmen der Kreativwirtschaft, die Internet-Unternehmen und die Nutzerinnen und Nutzer - sind unverzichtbarer Teil unseres kreativen Ökosystems. Es geht um einen fairen Interessenausgleich - für Maximalforderungen, gleich von welcher Seite, ist deshalb kein Raum", sagte sie dem Spiegel.

Nachtrag vom 15. Oktober 2020, 17:12 Uhr

Das Bundesjustizministerium hat den Referentenentwurf (PDF) am 13. Oktober 2020 in unveränderter Form veröffentlicht und die Verbändeanhörung gestartet.

Update vom 13.05.2022

Felix Reda ist trans. Auf seinen Wunsch haben wir den alten Vornamen im Artikel ersetzt.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Bundesregierung: Neuer Vorschlag zu Leistungsschutzrecht und Uploadfiltern
  1.  
  2. 1
  3. 2


Trockenobst 19. Sep 2020

Streit ist nicht "Ich sitze jetzt vorne Links und ich finde deine Tonart in Diskussionen...

Trockenobst 19. Sep 2020

Es geht darum, dass es nie eine Lücke gibt wo Google und Co. NICHT zahlen können. Wenn...

Freddy1404 18. Sep 2020

Danke. kwt

crustenscharbap 18. Sep 2020

Furchtbar. Ich kann ea ja auch verstehen, dass es nicht okay ist wenn Artikel, Musik oder...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Telekom-Internet-Booster
Hybridzugang für über 600 MBit/s inhouse kommt

Der Hybridzugang, bei dem der Router die Datenrate aus Festnetz und 5G-Mobilfunknetz aggregiert, wurde schon lange erwartet. Jetzt liefert die Telekom.

Telekom-Internet-Booster: Hybridzugang für über 600 MBit/s inhouse kommt
Artikel
  1. Luftfahrt: Boeing zeigt Konzept eines Tarnkappen-Transportflugzeugs
    Luftfahrt
    Boeing zeigt Konzept eines Tarnkappen-Transportflugzeugs

    Um weniger angreifbar zu sein, sollen militärische Transportflugzeuge künftig mit Tarnkappentechnik ausgestattet werden, wie Boeing zeigt.

  2. Quartalsbericht: IBM streicht 3.900 Stellen
    Quartalsbericht
    IBM streicht 3.900 Stellen

    Auch nach der Ausgründung sind die Techies bei Kyndryl nicht vor einem Stellenabbau sicher. IBM macht es wie die übrige Techbranche.

  3. Pinecil im Test: Ein toller Lötkolben mit RISC-V-Prozessor
    Pinecil im Test
    Ein toller Lötkolben mit RISC-V-Prozessor

    Günstig, leistungsstark und Open Source: Das macht den Lötkolben Pinecil interessant und er überzeugt im Test - auch im Vergleich mit einer JBC-Lötstation.
    Ein Test von Johannes Hiltscher

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • RAM & Grakas im Preisrutsch • PS5 ab Lager bei Amazon • MindStar: MSI RTX 4090 1.899€, Sapphire RX 7900 XT 949€ • WSV: Bis -70% bei Media Markt • Gaming-Stühle Razer & HP bis -41% • 3D-Drucker 249€ • Kingston SSD 1TB 49€ • Asus RTX 4080 1.399€ • Razer bis -60% [Werbung]
    •  /