Selbst Merkel fühlt sich verfolgt

Mit solchen Login-Systemen sind beispielsweise soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter gemeint, die ihren Nutzern wie bisher über die AGB die Datenverarbeitung und -weitergabe legitimieren lassen. Solche Login-Systeme ermöglichen zudem ein geräteübergreifendes Tracking (Cross-Device-Tracking) - der Traum der Werbeindustrie. Als Vorteil des Trackings wird zudem angesehen, "dass dieselbe Werbung nicht zu oft an dasselbe Endgerät ausgespielt wird (Frequency Capping)".

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Solche Behauptungen stimmen jedoch kaum mit der Realität überein. So beschwerte sich selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor einigen Jahren: "Einmal irgendwo was gekauft im Internet, du wirst verfolgt. Ich kaufe ganz wenig im Internet, dadurch werde ich noch mehr verfolgt. Wenn Sie ganz wenig kaufen, sind Sie ja der Extremfall. Deswegen kriegen Sie auch unentwegt die gleiche Werbung serviert."

Nutzer können Adblocker deaktivieren

Diese Erfahrung macht leider jeder Nutzer im Netz. Normalerweise muss man seine Cookies vor allem deswegen löschen, um nicht wochenlang dieselbe Werbung angezeigt zu bekommen. Weil Nutzer wie Angela Merkel dazu offenbar nicht in der Lage sind, befürchtet die Werbewirtschaft, dass die meisten die Standardeinstellungen nicht verändern und Tracking-Cookies dauerhaft blockieren werden. Allerdings hatte der Axel-Springer-Verlag nach der Einführung einer Werbeblockersperre stolz berichtet, dass zwei Drittel der Nutzer anschließend ihren Adblocker ausgeschaltet hätten. Demnach sind Nutzer durchaus in der Lage, ihre Browser-Einstellungen zu ändern.

Werden die Nutzer künftig penetrant bei jedem Aufruf einer Website aufgefordert, doch bitte bestimmte Tracking-Tools zu akzeptieren, ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie am Ende entnervt aufgeben und eine pauschale Zustimmung erteilen. Vermutlich hat das WIK-Institut mit folgender Einschätzung sogar recht: "Im Kontext von Big Data und datengetriebenen Geschäftsmodellen im Internet kann die Einwilligung nicht als geeignetes Mittel angesehen werden, die Selbstbestimmung der Verbraucher zu schützen." Als Verhinderung von Tracking taugt die Einwilligung aber demnach auch nicht.

Marktbereinigung bei Trackern möglich

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Es ist daher zu erwarten, dass sich mit der geplanten ePrivacy-Verordnung weder die Hoffnungen der Datenschützer erfüllen noch die Befürchtungen der Werbewirtschaft eintreten werden. Würde die vorliegende Position des Europaparlaments umgesetzt, hätten Nutzer zumindest theoretisch die Möglichkeit, ihr Surfverhalten sehr gezielt bestimmten Anbietern zukommen zu lassen. Wenn damit die kostenlose Nutzung eines Angebots verbunden ist, dürfte die Zustimmung umso leichter fallen.

Webseitenbetreiber wiederum könnten sich überlegen, nicht jeden Tag einen neuen Tracker auf ihre Nutzer loszulassen und dauerhaft mit bestimmten Anbietern zu kooperieren. Vielleicht würden dann sogar Nutzer wie Angela Merkel neue und eher kontextbasierte Werbung sehen. Es wäre auch ein Fortschritt, wenn den Lesern die Notwendigkeit der eingesetzten Tracking-Tools erläutert würde. Das hätte eine gewisse Marktbereinigung zur Folge und dürfte es Startups erschweren, neue Tracking-Tools zu etablieren, die im Zweifel die Nutzer noch detaillierter analysieren.

Die exakten Folgen der ePrivacy-Verordnung zu prognostizieren, ist jedoch nicht so einfach. Dabei völlig unrealistisches Nutzerverhalten zugrunde zu legen, macht die Aufgabe aber nicht leichter. Das Wirtschaftsministerium sollte sich daher nicht blamieren und mit der WIK-Studie in die anstehenden Verhandlungen im Rat und Trilog gehen.

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JoBaer 13. Dez 2017

Im Falle des Chrome-Browsers kann das Problem in Malware liegen https://soft2secure.com...

My1 12. Dez 2017

stimme zu. vor allem chip.de hat ja jz auch ne blockersperre und wirbt mit "nicht...

amministratore 11. Dez 2017

Nicht unbedingt. So wie ich die Richtlinie verstehe, müssen auch Facebook und Co. eine...

berritorre 11. Dez 2017

Dann bin ich ja beruhigt. ;-)

berritorre 11. Dez 2017

Sehe das ähnlich wie du. Werbung? Brauche ich persönlich nicht. Ich behaupte sogar, dass...



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