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Bundesregierung: 35 Milliarden Euro für die Weltraumsicherheit geplant

Mit eigenen Satelliten soll die Bundeswehr ihre Kommunikationsfähigkeit sichern. Auch Angriffssysteme im Weltraum schließt Pistorius nicht aus.
/ Friedhelm Greis , dpa
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Verteidigungsminister Boris Pistorius plant Milliardenausgaben für die Weltraumsicherheit. (Bild: John MacDougall/AFP/Getty Images)
Verteidigungsminister Boris Pistorius plant Milliardenausgaben für die Weltraumsicherheit. Bild: John MacDougall/AFP/Getty Images

Die Bundesregierung wird nach Angaben von Verteidigungsminister Boris Pistorius in den kommenden fünf Jahren 35 Milliarden Euro für Weltraumprojekte und eine Sicherheitsarchitektur im All bereitstellen. Der SPD-Politiker kündigte in Berlin auf dem Weltraumkongress des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) ein Gesamtpaket an, "das Schutz und Wirkung gleichermaßen gewährleistet" .

Als Ziel des Programms nannte er eine belastbare Struktur aus Satellitenkonstellationen, Bodenstationen, gesicherten Startfähigkeiten ins All und den nötigen Service. "Wir härten unsere Systeme gegen Störungen und Angriffe. Das schließt ganz ausdrücklich die Cybersicherheit für alle Weltraumsysteme ein" , sagte Pistorius.

Der Minister sprach sich auch dafür aus, dass über Offensivfähigkeiten gesprochen werden müsse. Der Begriff beschreibt Systeme, um im Weltall notfalls auch militärisch wirksam zu sein oder angreifen zu können. "Auch im Weltraum müssen wir abschrecken können, um verteidigungsfähig zu sein" , sagte Pistorius.

Deutschland braucht gesicherte Transportwege ins All

Zusätzlich müssten Redundanzen durch mehrere, vernetzte Satellitenkonstellationen geschaffen werden. Deutschland brauche auch gesicherte Transportkapazitäten ins All: "Hier setzen wir auf einen Mix: kleine Trägerraketen für flexible Starts, mittelfristig aber auch europäische Schwerlastträger, die im Wettbewerb entstehen – und vor allem bestehen müssen" , sagte der Verteidigungsminister.

Im Weltraumkommando der Bundeswehr werde ein eigenes militärisches Satelliten-Betriebszentrum nötig sein. Pistorius sagte: "Nur so behalten wir die Kontrolle über unsere Systeme und können im Ernstfall schnell reagieren." Medienberichten zufolge plant die Bundeswehr, in den kommenden Jahren ein Netz aus knapp 300 Kleinsatelliten aufzubauen .

Russland und China können Satelliten stören und zerstören

Russland und China haben ihre Fähigkeiten zur Kriegsführung im Weltraum nach Einschätzung von Pistorius in den vergangenen Jahren "rasant ausgebaut" . Die beiden Länder könnten "Satelliten stören, blenden, manipulieren oder kinetisch zerstören" .

Aktuell würden zwei auch von der Bundeswehr mitbenutzte Intelsat-Satelliten durch zwei russische Luch-Olymp-Aufklärungssatelliten verfolgt. China führe mit seinen Weltraumsystemen hochagile und dynamische Annäherungsmanöver durch, die man auf die Luftwaffe übertragen als Luftkampfübungen bezeichnen könne.

Satellitennetzwerke seien eine Achillesferse moderner Gesellschaften, sagte Pistorius und warnte: "Wer sie angreift, legt ganze Staaten lahm." Bereits heute seien auch Systeme der Bundeswehr von Störangriffen betroffen. Die Attacken richteten sich aber nicht nur gegen die Truppe, sondern auch gegen Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt.

Bereits am Morgen vor Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine habe ein russischer Cyberangriff auf das Satellitennetzwerk Viasat große Teile der Kommunikation lahmgelegt, sagte der Minister. In Deutschland sei die Betriebssteuerung von insgesamt knapp 6.000 Windrädern stark eingeschränkt gewesen.

Pistorius: Rede findet unter 39 Aufklärungssatelliten statt

Die heutige Bedrohungslage gehe weit darüber hinaus. Pistorius sagte: "Bei unseren Gebirgsjägern in der Bundeswehr gilt der Satz: Wer die Höhen hat, der kontrolliert auch die Täler. Würden wir die Situation im Weltraum heute auf eine Landkarte legen, wäre eines sehr schnell offensichtlich: Russland und China besetzen bereits wichtige strategische Hügel und Berge im All."

Allein während seiner Rede überflögen insgesamt 39 chinesische und russische Aufklärungssatelliten Berlin. Nato-Generalsekretär Mark Rutte habe erst vor wenigen Monaten seine Besorgnis zum Ausdruck gebracht, dass Russland die Stationierung von Nuklearwaffen im All in Erwägung ziehen könnte, um damit Satelliten bekämpfen zu können.

Deutschland ist zuletzt immer mehr zurückgefallen

Der BDI hält für eine Aufholjagd zu führenden Raumfahrtnationen erheblich höhere Investitionen für nötig. Der deutsche und europäische Abstand zu den USA und China in der Raumfahrt sei in den vergangenen Jahren größer geworden – mit weitreichenden Folgen für die gesamte Industrie, warnten der Verband und die Unternehmensberatung Roland Berger in einer Studie(öffnet im neuen Fenster) .

Der globale Markt für weltraumgestützte Infrastruktur und Dienste werde sich bis 2040 vervierfachen – von heute knapp 500 Milliarden auf zwei Billionen Euro, heißt es in der Studie. Für die deutsche Wirtschaft bestehe erhebliches Potenzial "dank ihres spezialisierten Ingenieurs-Know-how, das die Raumfahrt dringend benötigt" .

Die Studie bemängelt eine jahrzehntelange Unterfinanzierung, die Folgen habe. Deutschland betreibe derzeit nur etwas mehr als 80 eigene Satelliten, die USA dagegen über 10.000 und China über 900 – "Tendenz stark steigend" .

Die Autoren weisen auf problematische Abhängigkeiten hin, etwa bei der Satellitenkommunikation. So gebe es aktuell keine deutsche oder europäische Alternative zum amerikanischen Netzwerk. Daten aus dem All seien aber unverzichtbar für Verteidigungsfähigkeit und zentrale Prozesse.


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