Mehrere Sicherheitslücken wurden herabgestuft

Vergleicht man die beiden Versionen, finden sich einige bemerkenswerte Unterschiede. In den Gutachten sind die entdeckten Sicherheitslücken in verschiedene Kategorien eingeteilt, die kritischen Lücken werden betriebsverhindernd oder betriebsbehindernd genannt.

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Der Unterschied: Alle betriebsverhindernden Lücken sollten geschlossen werden, bevor das BeA wieder in Betrieb ging. In der Ursprungsversion des Gutachtens sind sechs betriebsverhindernde Lücken aufgezählt, in der später veröffentlichten Fassung waren es nur noch vier. Zwei davon wurden zu den weniger kritischen, betriebsbehindernden Lücken herabgestuft, für deren Behebung man sich mehr Zeit lassen wollte.

Erwähnt sei dabei noch, dass die Rechtsanwaltskammer auch nach der Veröffentlichung des finalen Gutachtens eine Lücke herabstufte, die bis heute nicht behoben ist, da sie ein grundsätzliches Designproblem des BeA ist.

Doch nicht nur die Einstufung der Lücken änderte sich, auch die Gesamtzahl wurde geringer. Im früheren Gutachten ist von 52 Sicherheitslücken die Rede, in der späteren Version nur noch von 36. Welche Lücken hier verschwunden sind, lässt sich nicht einfach nachvollziehen, da viele Formulierungen überarbeitet wurden und dieselben Lücken in vielen Fällen in den beiden Version anders benannt wurden.

"Die BRAK kann rein technisch jede Nachricht entschlüsseln"

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Auffällig ist zudem, dass sich im Originalgutachten eine bemerkenswerte Formulierung findet, die im späteren Gutachten nicht mehr auftaucht. Dort heißt es recht eindeutig: "Die BRAK kann als rein technisch jede Nachricht entschlüsseln."

Das ist insofern relevant, als es einen zentralen Konflikt um das BeA betrifft. Das BeA nutzt eine Konstruktion, in der auf Nachrichten nie unverschlüsselt zugreifbar sein sollte. Sie werden allerdings im Widerspruch dazu in einem Hardware-Sicherheitsmodul (HSM) entschlüsselt und wieder verschlüsselt.

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Ursprünglich bezeichnete die Bundesrechtsanwaltskammer dieses Konzept fälschlicherweise als Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, da es angeblich ein ähnliches Sicherheitslevel biete. Um diese Frage gab es auch einen Rechtsstreit, in denen einige Anwälte zumindest bisher erfolglos eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung durchsetzen wollten. Die rechtliche Ausseinandersetzung dazu ist noch nicht abgeschlossen.

Eine Anfrage von Golem.de zu dem jetzt öffentlichen Sicherheitsgutachten und den angesprochenen Punkten hat die Bundesrechtsanwaltskammer bis zur Fertigstellung dieses Artikels nicht beantwortet.

Ein weiteres Sicherheitsgutachten, um das noch ein Rechtsstreit läuft, könnte Aufklärung darüber bringen, wie es überhaupt zu den BeA-Pannen kam. Die Firma SEC-Consult hatte bereits in der Frühphase der Entwicklung einen Sicherheitsaudit durchgeführt. Die Open Knowledge Foundation hatte auf die Herausgabe dieses Gutachtens geklagt und vor dem Verwaltungsgericht Berlin Recht bekommen. Doch auch hier hat die Bundesrechtsanwaltskammer im August einen Antrag auf Zulassung einer Berufung beim Oberverwaltungsgericht gestellt.

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 Bundesrechtsanwaltskammer: Originalfassung von BeA-Sicherheitsgutachten freigeklagt
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