Bundesinnenministerium warnt: Chinesische Autos werden zu Spionen auf Rädern
Das Bundesinnenministerium hat vor digital vernetzten Autos aus China gewarnt: "Aufgrund der steigenden Marktanteile chinesischer Autohersteller im europäischen Markt, der geopolitischen Lage und der chinesischen Machtambitionen ergibt sich die Notwendigkeit, mögliche Risiken chinesischer Fahrzeuge genau im Blick zu haben", sagte ein Ministeriumssprecher dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster).
Moderne Fahrzeuge sammeln täglich Gigabytes an sensiblen Daten. Auch in anderen Ländern besteht die Sorge, dass vernetzte Fahrzeuge unbemerkt Daten ausleiten. Doch fehlen bislang dokumentierte Spionagefälle. Die technischen Möglichkeiten sind aber vorhanden und werden von staatlichen Akteuren wie China systematisch ausgebaut.
Datensammlung kann brisant sein
Die Brisanz liegt in der Kombination aus massiver Datensammlung, chinesischen Gesetzen zur Geheimdienstkooperation und der wachsenden Vernetzung kritischer Infrastrukturen. Das FBI spricht von einer(öffnet im neuen Fenster) "täglichen Bedrohung", während das Bundesinnenministerium zur Wachsamkeit mahnt. Erstmals greifen Staaten zu harten Maßnahmen: Die USA verbieten ab 2027 chinesische Software in Fahrzeugen(öffnet im neuen Fenster), später auch Hardware.
Großbritannien ergreift Maßnahmen
Im April 2025 setzte das britische Verteidigungsministerium Einschränkungen an zwei besonders sensiblen Standorten in Kraft. Bei RAF Wyton in Cambridgeshire(öffnet im neuen Fenster) – dem wichtigsten britischen Militärgeheimdienst-Zentrum. Das Personal muss Autos mit chinesischen Komponenten(öffnet im neuen Fenster) mindestens 3 km von wichtigen Gebäuden entfernt parken. Ähnliche Regeln gelten für Salisbury Plain(öffnet im neuen Fenster), Großbritanniens größtes Militärübungsgelände.
Moderne Fahrzeuge erfassen nahezu alle Lebensbereiche ihrer Nutzer
Ein vernetztes Fahrzeug der aktuellen Generation ist ein potenziell rollender Überwachungsapparat(öffnet im neuen Fenster), warnt die Mozilla Foundation. Die gesammelten Daten umfassen weit mehr als Standort und Geschwindigkeit. Moderne Fahrzeuge erfassen GPS-Koordinaten in Echtzeit, komplette Fahrtroutenhistorien, Verweildauer an Orten sowie häufig besuchte Ziele wie Wohnung, Arbeitsplatz und Einkaufsorte.
Der Innenraum wird Sensor-überwacht
Besonders sensibel sind die Innenraum-Sensoren. Driver Monitoring Systeme (DMS) erkennen laut Zulieferer Valeo nicht nur Müdigkeit, sondern auch "Alter, Geschlecht und Bekleidungsgrad(öffnet im neuen Fenster)" der Insassen. Radarsensoren mit 60 GHz erfassen Herzfrequenz und Atmung(öffnet im neuen Fenster). Mikrofone für Sprachassistenten sind permanent aktiv und können Gespräche aufzeichnen.
Die Smartphone-Kopplung über Bluetooth, Apple Carplay oder Android Auto öffnet zusätzliche Datenquellen: Kontaktlisten, Anrufverläufe, Kalendereinträge und Nachrichteninhalte werden ins Fahrzeugsystem übertragen(öffnet im neuen Fenster) und können weitergeleitet werden.
FBI und MI5 warnen vor China
Die schärfsten öffentlichen Warnungen kommen aus den USA und Großbritannien. FBI-Direktor Christopher Wray erklärte im Januar 2024 vor dem Kongress(öffnet im neuen Fenster): "Chinas Hacker positionieren sich auf amerikanischer Infrastruktur, um Chaos anzurichten und echten Schaden für amerikanische Bürger zu verursachen, wenn China entscheidet, dass die Zeit gekommen ist zuzuschlagen."
MI5-Chef Ken McCallum bestätigte im Oktober 2025(öffnet im neuen Fenster): "Stellen chinesische staatliche Akteure eine Bedrohung für die nationale Sicherheit des Vereinigten Königreichs dar? Die Antwort ist natürlich ja – jeden Tag."
Konkrete Vorfälle bleiben selten, doch China selbst zeigt Misstrauen
Trotz der drastischen Warnungen sind dokumentierte Fälle aktiver Spionage durch Autos rar. Mehrere Analysten betonen: Kein größerer öffentlicher Vorfall hat bestätigt, dass ein chinesisches E-Fahrzeug zur Ausspähung westlicher Regierungen oder Bürger genutzt wurde. Die Maßnahmen basieren auf technischen Fähigkeiten und präventiven Sicherheitsbedenken.
Schlummernde Überwachungsmöglichkeiten
Der bisher konkreteste Vorfall ereignete sich in Australien im Oktober 2024: Ein BYD-Besitzer entdeckte, dass die im Fahrzeug verbaute SIM-Karte von einem externen Telefon angerufen(öffnet im neuen Fenster) werden konnte, wodurch Audio aus dem Fahrzeuginneren übertragen wurde – ohne sichtbare Anzeige auf den Displays. BYD Australia kündigte eine Lösung mit dem SIM-Anbieter Telstra an.
Aufschlussreich ist das Verhalten Chinas: Die Volksbefreiungsarmee verbot Tesla-Fahrzeuge bereits 2021 in Militärkomplexen(öffnet im neuen Fenster) und in Wohngebieten.
Deutsche Behörden warnen, handeln aber zurückhaltend
BSI-Vizepräsident Thomas Caspers warnte auf der IAA Mobility 2025(öffnet im neuen Fenster): "Moderne Autos mit integrierten Kameras bieten weitreichende Überwachungsmöglichkeiten, und spätestens mit dem autonomen Fahren wird theoretisch auch eine Fremdkontrolle der Fahrtwege möglich."
Stephan Kramer, Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, formulierte im Handelsblatt besonders direkt(öffnet im neuen Fenster): "Die Spionagegefahr durch chinesische Elektroautos ist real." Es handle sich jedoch nicht um klassische Spionage, sondern um Datenabschöpfung im großen Stil. Kramer stuft das Risiko für Bundeswehr, Polizei, kritische Infrastrukturen und das Regierungsumfeld als hoch ein.
Der Vizevorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Roderich Kiesewetter (CDU), warnte(öffnet im neuen Fenster): "Die Autos werden zur potenziellen Waffe im Rahmen des hybriden Krieges, den China schon heute gegen liberale Demokratien führt."
Chinesische Gesetze erzeugen Misstrauen
Der entscheidende Unterschied zwischen chinesischen und westlichen Herstellern liegt in der Rechtslage. Artikel 7 des chinesischen National Intelligence Law von 2017(öffnet im neuen Fenster) verpflichtet alle Organisationen und Bürger, die nationale Nachrichtendienstarbeit zu unterstützen, ihr zu assistieren und mit ihr zu kooperieren.
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