Konkrete Vorfälle bleiben selten, doch China selbst zeigt Misstrauen
Trotz der drastischen Warnungen sind dokumentierte Fälle aktiver Spionage durch Autos rar. Mehrere Analysten betonen: Kein größerer öffentlicher Vorfall hat bestätigt, dass ein chinesisches E-Fahrzeug zur Ausspähung westlicher Regierungen oder Bürger genutzt wurde. Die Maßnahmen basieren auf technischen Fähigkeiten und präventiven Sicherheitsbedenken.
Schlummernde Überwachungsmöglichkeiten
Der bisher konkreteste Vorfall ereignete sich in Australien im Oktober 2024: Ein BYD-Besitzer entdeckte, dass die im Fahrzeug verbaute SIM-Karte von einem externen Telefon angerufen(öffnet im neuen Fenster) werden konnte, wodurch Audio aus dem Fahrzeuginneren übertragen wurde – ohne sichtbare Anzeige auf den Displays. BYD Australia kündigte eine Lösung mit dem SIM-Anbieter Telstra an.
Aufschlussreich ist das Verhalten Chinas: Die Volksbefreiungsarmee verbot Tesla-Fahrzeuge bereits 2021 in Militärkomplexen(öffnet im neuen Fenster) und in Wohngebieten.
Deutsche Behörden warnen, handeln aber zurückhaltend
BSI-Vizepräsident Thomas Caspers warnte auf der IAA Mobility 2025(öffnet im neuen Fenster) : "Moderne Autos mit integrierten Kameras bieten weitreichende Überwachungsmöglichkeiten, und spätestens mit dem autonomen Fahren wird theoretisch auch eine Fremdkontrolle der Fahrtwege möglich."
Stephan Kramer, Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, formulierte im Handelsblatt besonders direkt(öffnet im neuen Fenster) : "Die Spionagegefahr durch chinesische Elektroautos ist real." Es handle sich jedoch nicht um klassische Spionage, sondern um Datenabschöpfung im großen Stil. Kramer stuft das Risiko für Bundeswehr, Polizei, kritische Infrastrukturen und das Regierungsumfeld als hoch ein.
Der Vizevorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Roderich Kiesewetter (CDU), warnte(öffnet im neuen Fenster) : "Die Autos werden zur potenziellen Waffe im Rahmen des hybriden Krieges, den China schon heute gegen liberale Demokratien führt."
Chinesische Gesetze erzeugen Misstrauen
Der entscheidende Unterschied zwischen chinesischen und westlichen Herstellern liegt in der Rechtslage. Artikel 7 des chinesischen National Intelligence Law von 2017(öffnet im neuen Fenster) verpflichtet alle Organisationen und Bürger, die nationale Nachrichtendienstarbeit zu unterstützen, ihr zu assistieren und mit ihr zu kooperieren.



