Bundesdigitalminister: Wildberger will Festlegung zum FTTH-Ausbau durchsetzen

Die Telco-Verbände haben sich verhalten zum Vorstoß von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) geäußert, eine Absichtserklärung zu konkret messbaren Zielen beim Glasfaserausbau zu unterzeichnen. Die IT-Entscheider aus Bundes- und Landesregierungen sprachen am 28. Oktober 2025 mit Vertretern der Telekommunikationsbranche, kommunalen Spitzenverbänden und der Bundesnetzagentur über ein Memorandum of Understanding (MoU) mit konkreten Zielgrößen für die Fortschritte beim Infrastrukturausbau.
"Ich werde persönlich dafür sorgen, dass der Ausbau Chefsache bleibt, und wir gemeinsam große Sprünge nach vorn machen" , sagte Wildberger. Alle Beteiligten hätten sich darauf verständigt, Verhandlungen für ein MoU aufzunehmen. Diese sollen nach dem Willen des Ministers im ersten Quartal des kommenden Jahres abgeschlossen werden.
Der Chef des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Ulf Kämpfer, erklärte(öffnet im neuen Fenster) , entscheidend sei, "dass durch die Umsetzung keine neue Bürokratie für die ausbauenden Unternehmen entsteht – wir brauchen weniger Bürokratie, nicht noch mehr."
Konkurrenz will bei Kupferabschaltung Vorrecht der Telekom kippen
Noch eindeutiger äußerte sich der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko)(öffnet im neuen Fenster) : "Bevor die Branche im Rahmen einer gemeinsamen Vereinbarung belastbare Investitionszusagen machen kann, muss der dafür notwendige regulatorische Rahmen stehen" , betonte Vizepräsident Karsten Kluge. Das Memorandum solle sich daher in erster Linie mit dem geregelten Übergang von DSL- auf Glasfasernetze beschäftigen.
Das Bundesdigitalministerium müsse in seinen für November angekündigten Entwurf einer Anpassung des Telekommunikationsgesetzes eine Regelung einfügen, die diesen Übergang "zügig, verbraucher- und wettbewerbsfreundlich gestaltet" . Nötig sei auch ein Zeitplan mit konkreten Meilensteinen für die Kupferabschaltung.
VATM-Vizepräsident Wolfram Rinner unterstrich(öffnet im neuen Fenster) : "Wir haben beim Glasfaserausbau wichtige Jahre durch eine dysfunktionale Breitbandförderung, unzureichende Regulierung und Reibungsverluste auf den föderalen Ebenen verloren. Nun müssen endlich alle Akteure an einem Strang ziehen, um den Rückstand bei der Digitalisierung aufzuholen." Bei der anstehenden Kupfer-Glas-Migration müssten das neue Digitalministerium und die Bundesnetzagentur zeigen, das man eine diskriminierungsfreie Kupfer-Glas-Migration ernsthaft wolle.
Der Branchenverband Anga erklärte, dass es bei geplanten Kennzahlen zum Ausbau noch Abstimmungsbedarf gebe. "Dringend gebraucht werden zukünftig Messzahlen zur Umschaltung von DSL auf Glasfaser. Sie sind die entscheidende Größe, um beim Gigabitausbau Fortschritte zu beurteilen. Bei den Zahlen zum Glasfaserausbau waren sich die Teilnehmer einig: Es müssen gebuchte Anschlüsse (Homes Activated) als Messeinheit herangezogen werden. Alles andere ist Fake" , sagte eine Sprecherin.
Kupferabschaltung: Was will die Telekom
Einzig der Bitkom(öffnet im neuen Fenster) , wo der Deutsche-Telekom-Topmanager Michael Hagspihl die Position des Vizepräsidenten innehat(öffnet im neuen Fenster) , erklärte, die geplante Vereinbarung könne "eine Chance werden, Ausbauhemmnisse abzubauen und den Netzausbau weiter zu beschleunigen."
Ein alleiniges Initiativrecht der Telekom für die Abschaltung, wie es das Telekommunikationsgesetz im Paragraf 34 vorsieht, greife zu kurz und provoziere den Missbrauch ihrer marktbeherrschenden Position, hatte der VATM zuvor betont. Die Telekom will bei der Kupferanschaltung als Besitzerin des bestehenden Kupfernetzes ihre dominierende Marktposition beim Übergang auf Glasfaser absichern.
Telekom-Sprecherin Sandra Rohrbach sagte(öffnet im neuen Fenster) im Juni 2025: "Unsere Wettbewerber wiederum haben kein Recht darauf, das Kupfernetz der Telekom abschalten zu lassen. Auch das schützt die Kunden vor Zwangsabschaltung und Zwangsanbieterwechsel. Zudem würde dies EU-Recht widersprechen. Forderungen von unseren Wettbewerbern auf ein sogenanntes 'Antragsrecht' auf Abschaltung unseres Netzes lehnen wir im Sinne der Nutzer und unserer Eigentümerrechte rigoros ab."
Die Telekom will laut Branchenexperten in Wahrheit nur dort Kupfer abschalten, wo sie selbst Glasfaser ausgebaut hat. Dadurch spart sie sich die doppelten Betriebskosten und Ausgaben für die Instandhaltung. Wo der Marktführer selbst keine Glasfaser verlegt hat, will man DSL so lange weiter laufen lassen, bis die letzten Kunden, die nicht gewechselt sind, die Betriebskosten nicht mehr decken. In diesen langen Jahren kann die Telekom die bestehenden Netze der Konkurrenz überbauen.