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Bundesagentur für Arbeit: Sechs Jahre, 60 Millionen Euro - und trotzdem keine Software

Seit 2010 hat die Bundesagentur für Arbeit an einer einheitlichen IT-Plattform gearbeitet - doch das Projekt scheiterte. Jetzt soll der Bundesrechnungshof den Fall prüfen.

Artikel von Marvin Strathmann/Zeit Online veröffentlicht am
Die Bundesagentur für Arbeit hat viel Geld umsonst ausgegeben.
Die Bundesagentur für Arbeit hat viel Geld umsonst ausgegeben. (Bild: Bundesagentur für Arbeit)

Eigentlich klang es nach einem sinnvollen Projekt: Die Bundesagentur für Arbeit (BA) wollte eine einheitliche IT-Plattform schaffen. Bislang müssen Mitarbeiter die Daten der Kunden in bis zu 16 unterschiedliche Anwendungen eingeben. So melden sie etwa jeden Arbeitsuchenden, der einen Job gefunden hat, in allen Systemen einzeln ab. "Robaso" (Rollenbasierte Oberflächen) hätte diesen Prozess deutlich vereinfacht.

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Doch daraus wird nichts. Die BA hat mehr als sechs Jahre lang entwickelt und 60 Millionen Euro investiert, dennoch wurde das Projekt gestoppt - ohne jemals praktische Anwendung gefunden zu haben. Für den täglichen Einsatz sei Robaso zu unflexibel gewesen, sagt ein Sprecher der BA.

Mitarbeiter hätten die Daten der Kunden nach der Eingabe kaum noch ändern können. Wenn sie etwa eine Kontonummer korrigieren oder die Adresse ändern wollten, mussten sie alles komplett neu ausfüllen. Diesen Fehler zu beheben, hätte lange gedauert und viel Geld gekostet, sagt die Behörde. Die 16 Einzelverfahren seien für eine einfache Lösung zu komplex und verschieden.

Die Software war für den Alltag unbrauchbar

Offenbar hat die Bundesagentur einen Fehler gemacht, der vielen Unternehmen passiert: Sie hat unter Laborbedingungen entwickelt. Erst im Oktober 2015, nachdem das Projekt schon mehr als fünf Jahre lief, wurde das System in der Praxis eingesetzt. Da zeigte sich: Die Wirklichkeit ist komplexer, als die Entwickler es sich vorgestellt hatten.

Um solche Pannen zu vermeiden, nutzt die Bundesagentur seit 2014 ein neues Verfahren für ihre IT-Entwicklung. Anwendungen sollen Schritt für Schritt eingebaut und im Alltag ausprobiert werden - eine Methode, die sich mittlerweile in der Software-Entwicklung durchgesetzt hat: Statt auf große Updates zu warten, werden kleinere Aktualisierungen sofort implementiert und getestet. Für Robaso kam dieses Umdenken zu spät, ein Nachfolgeprojekt ist vorerst nicht geplant.

Nun soll sich der Bundesrechnungshof mit dem Fall befassen. Darauf haben sich die zuständigen Abgeordneten im Haushaltsausschuss des Bundestags parteiübergreifend geeinigt. "Es gilt jetzt, begangene Fehler aufzuarbeiten und darüber hinaus sicherzustellen, dass die Bundesagentur die richtigen Schlussfolgerungen für die Zukunft aus dem Fehlschlag zieht", sagt die Grünen-Politikerin Ekin Deligöz.

60 Millionen Euro für eine Software, mit der keinen einzigen Tag gearbeitet wurde, hören sich nach einer enormen Fehlinvestition an. Doch die Summe relativiert sich, wenn man sie ins Verhältnis zum gesamten IT-Budget der BA setzt. Allein zwischen 2011 und 2016 hat die Bundesagentur eigenen Angaben zufolge etwa 4,5 Milliarden Euro ausgegeben, "um die Mitarbeiter mit moderner IT zu unterstützen".



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bombinho 22. Feb 2017

Teilweise sind diese sogar kontraproduktiv. Ich habe einmal fast 2 Jahre auf eine...

Melanchtor 19. Feb 2017

Tja, Revierfürsten sind nicht leicht auszumerzen. Ich hatte letzens Kontakt zu einer grö...

Melanchtor 19. Feb 2017

Ich war zum Glück bei ALLEGRO und nicht bei ROBASO ;-)

Melanchtor 18. Feb 2017

Ahem, lies Dir erst die Verträge durch und die Vorgaben, die vom Bund kamen. Die...

ivanderamos 17. Feb 2017

"Danke, Agenda 2010!" wäre angebracht. Da haben so schön viele Sündenböcklein fleißig...


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