Bulletproof-Hoster: Cyberbunker vermietete Server an Rechtsextreme

Der Gründer des Cyberbunkers spekuliert über politische Gründe für die Razzia im vergangenen Jahr. Die Staatsanwaltschaft widerspricht.

Artikel veröffentlicht am ,
Das Gelände des Cyberbunkers
Das Gelände des Cyberbunkers (Bild: LKA Rheinland-Pfalz)

Das Rechenzentrum Cyberbunker in einem ehemaligen Nato-Bunker an der Mosel hat neben verschiedenen Marktplätzen für illegale Güter einen Server der rechtsextremen Identitären Bewegung (IB) beherbergt. Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel und des Norddeutschen Rundfunks (NDR) warben die Betreiber die Rechtsextremen aktiv an. Dies gehe aus Ermittlungsakten sowie Gesprächen mit Ermittlern und Betreibern des Rechenzentrums hervor. Der Betreiber hatte seinen Kunden Anonymität und Schutz vor staatlichem Zugriff versprochen.

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Spiegel und NDR zufolge erklärte ein Bunkermitarbeiter in seiner Vernehmung, man habe im sicheren Hosting-Angebot für rechtsextreme Gruppierungen wie der Identitären Bewegung "eine Marktlücke" gesehen. Er selbst habe eine Vertreterin des IB in Deutschland über einen verschlüsselten Messenger kontaktiert und mit ihr einen Mietvertrag für einen Cloud-Server abgeschlossen. Diesen bekamen die Rechtsextremen zudem mit 30 Euro monatlich deutlich günstiger - andere Kunden hätten für den gleichen Server mehrere Hundert Euro bezahlt.

Der Gründer des Cyberbunkers, ein 60-jähriger Niederländer, beantwortete schriftliche Fragen des NDR und des Spiegels aus der Untersuchungshaft. Er betonte demnach, er habe keine Kenntnis der Inhalte gehabt, welche die Cyberbunker-Kunden auf den Servern speicherten. "Unsere Server müssen sie mit Bank-Schließfächern vergleichen", dort prüfe die Bank ebenfalls nicht, was sich darin befinde. Er spekulierte jedoch, politische Inhalte auf den Servern könnten die Behörden zu ihrer Razzia veranlasst haben: "Wir haben zum Beispiel auch die Wikileaks-Server gehostet, weshalb die Frage erlaubt ist, ob nicht Wikileaks der Hauptgrund war, dass die deutschen Behörden plötzlich Interesse an uns zeigten."

Dem widersprach Oberstaatsanwalt Jörg Angerer: "Ich bewerte diese Aussage als den Versuch, sich als Opfer politischer Verfolgung zu stilisieren. Wir haben bisher keine Erkenntnisse, dass im Bunker Wikileaks-Server gestanden haben." Solche Server hätten bei den Ermittlungen keine Rolle gespielt. Bislang habe man bei der Auswertung der Server "nicht eine einzige legale Seite" gefunden. Das Hosten illegaler Seiten sei der Geschäftszweck des Bunkers gewesen.

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Die Auswertung der 403 Server und insgesamt mehr als 2 Petabyte (rund 2 Millionen Gigabyte) bei einer Razzia im September 2019 beschlagnahmter Daten dauert weiter an. Dennoch erhob die Staatsanwaltschaft Koblenz Anfang April Anklage gegen acht Tatverdächtige. Um das Verfahren zu beschleunigen, beschränkte sich die Staatsanwaltschaft auf sieben Taten. Den Betreibern wird vorgeworfen, das illegale Verhalten der Kunden gekannt und gefördert zu haben. Dadurch wird das eigentlich erlaubte Betreiben eines Rechenzentrums zum Tatbestand. Genau dort liegt aber auch der Knackpunkt: Die Betreiber mussten von dem Verhalten wissen - und dies muss ihnen von der Staatsanwaltschaft nachgewiesen werden.

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wurstdings 19. Mai 2020

Ja, so richtig glaube (oder besser hoffe) ich nicht, dass die Staatsanwaltschaft ne...

Ach 16. Mai 2020

Was in der Wiki steht ist schon mal um Größenordnungen glaubwürdiger als das, was der...

kimyona 16. Mai 2020

+1

Anonymer Nutzer 15. Mai 2020

... wie kommt man eigentlich auf die Idee, dass man ausgerechnet in Deutschland...



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