Buglas: Wie ein Telco-Verband mit der Telekom seine Position aufgab
Obwohl die Verbandsführung dies bestreitet, hat der Bundesverband Glasfaseranschluss (Buglas) nach Eintritt der Deutschen Telekom im September 2024 seine Position zu vielen wesentlichen Themen grundlegend geändert. Einige Monate zuvor hatte der Verband mit M-net und Netcologne zwei führende Mitglieder und große Beitragszahler verloren . Wie eine Recherche von Golem ergeben hat, betrifft die Änderung Fragen des Überbaus, der Kupfer-Glas-Migration, der Regulierung der Telekom und der Mobilfunk-Diensteanbieterverpflichtung.
In der Vergangenheit hatte der Buglas den Überbau/Doppelausbau von Glasfaser durch die Telekom massiv kritisiert. In der Praxis sei Doppelausbau zumindest in der Mehrzahl der Fälle weder volks- noch betriebswirtschaftlich sinnvoll, betonte der damalige Buglas-Geschäftsführer Wolfgang Heer im Gespräch mit Golem .
Dies verursache gesamtwirtschaftlich gesehen negative externe Effekte in Form von weiterer Verknappung der ohnehin angespannten Ressourcen, der Verunsicherung von Investoren und Bevölkerung und der Schaffung neuer und eigenwirtschaftlich noch unrentablerer Gebiete, die später zulasten der Allgemeinheit in zusätzliche Fördermaßnahmen liefen. Die von den Investoren angestrebte möglichst flächendeckende Versorgung Deutschlands mit echten Glasfasernetzen werde so "auf jeden Fall ausgebremst" , betonte er.
Überbau wird nicht mehr abgelehnt
Auch beim Buglas selbst heißt es (PDF)(öffnet im neuen Fenster) : "Solange eine Flächendeckung nicht in Sicht ist, ist es nach Auffassung des deutschen Glasfaserverbands gesamtwirtschaftlich ineffizient, bestimmte Gebiete doppelt zu erschließen und viele Gebiete gar nicht."
Nachdem die Telekom zu einem Buglas-Mitglied wurde, drehte sich diese Position radikal: Dem Branchenmagazin Teltarif.de sagte der Buglas am 30. Juli 2025(öffnet im neuen Fenster) nach einem Bericht der Bundesnetzagentur, dass die "behördlich festgestellte Tatsache, dass kein strategischer Überbau vorliegt" , zur Versachlichung der Debatte beitragen solle.
Wenngleich suboptimal, sei der Überbau nunmehr im Rahmen des "ordnungspolitischen Leitziels des Infrastrukturwettbewerbs" ein Stück weit systemimmanent und nicht vollständig vermeidbar. Der Buglas sei jedoch überzeugt und sehe sich durch den Bericht darin bestärkt, "dass dies nicht in einer Häufigkeit geschieht, die eine staatliche Intervention rechtfertigen würde" .
Kupferabschaltung nur, wenn die Telekom es erlaubt?
Ein weiteres wichtiges Thema in der Branche ist die Kupferabschaltung. Die Telekom will Kupfer nur dort abschalten, wo sie selbst Glasfaser ausgebaut hat. Das spart doppelte Betriebskosten und Ausgaben für die Instandhaltung. Wo der Marktführer selbst keine Glasfaser verlegt hat, will man DSL so lange laufen lassen, bis die letzten Kunden, die nicht wechselten, die Betriebskosten nicht mehr decken. In diesen langen Jahren kann die Telekom die bestehenden Netze der Konkurrenz überbauen, so ein mögliches Szenario.
Konkurrierende ausbauende Firmen lehnen das ab. Die Buglas-Position vor dem Eintritt der Telekom lautete: für eine schnelle und diskriminierungsfreie Migration von Kupfer auf Glasfaser und ein politisches Abschaltdatum. "Die flächendeckende, schnelle Migration von Kupfer- auf Glasleitungen ist ein essenzieller Baustein für die Netze von morgen. Hier bedarf es klarer Regeln, da eine schnelle Migration nicht im Interesse der marktmächtigen Unternehmen liegt, welche die Kupfernetze besitzen."
"Der Buglas begrüßt und unterstützt das politische Ziel der Abschaltung der Kupferkabelnetze bis 2030" , erklärte man zuletzt am 30. Juni 2024 (PDF)(öffnet im neuen Fenster) .
Gegen die Reduzierung der Regulierung der Telekom
Doch auch hier wurde die Position komplett umgekehrt. In einer Stellungnahme des Buglas zum Eckpunktepapier des Bundesdigitalministeriums vom 14. November 2025 hieß es: "Insbesondere vor dem Hintergrund, dass aus Sicht des Buglas eine Abschaltung nur bei vollständiger FTTH-Versorgung erfolgen kann, gehen wir davon aus, dass der flächendeckende Ausbau eines Glasfasernetzes (FTTH) bis weit in die 2040er Jahre hinein andauern wird. Politisch festgelegte Abschaltdaten oder -zeiträume sind daher aus unserer Sicht nicht seriös."
Die gesamte Stellungnahme (PDF)(öffnet im neuen Fenster) transportiert nun Positionen der Telekom; von einer diskriminierungsfreien Regelung ist keine Rede mehr. Eine diskriminierungsfreie Regelung wird sogar rechtlich infrage gestellt.
Der Buglas legte zur Kupfer-Glasfaser-Migration ein rechtliches Gutachten (PDF)(öffnet im neuen Fenster) im Sinne der Telekom vor, was sich auch im Positionspapier zum Digital Networks Act vom 9. Juli 2025, DNA Call For Evidence, durchschlägt:
"Einen politisch beziehungsweise regulatorisch forcierten Eingriff in Technologiewechsel lehnen wir ab. Weder kann zum jetzigen Zeitpunkt eine verlässliche Aussage über die flächendeckende Verfügbarkeit von Glasfaseranschlüssen in Deutschland getroffen werden noch gibt es an dieser Stelle die Notwendigkeit eines politischen Eingriffs. Wir weisen an dieser Stelle auch auf potenzielle Entschädigungsansprüche durch enteignungsgleiche Eingriffe sowie den enormen Aufwand hin, eine solche Zwangsabschaltung behördlich zu administrieren. Im deutschen Recht ist die Abschaltung nach § 34 TKG in Umsetzung des Art. 81 EKEK aus unserer Sicht abschließend geregelt. Es besteht daher keinerlei Anlass für einen Eingriff seitens der EU."
Der Buglas sprach sich zuletzt am 30. Juni 2024 (PDF)(öffnet im neuen Fenster) klar gegen eine Reduzierung der Regulierung marktmächtiger Unternehmen aus. An einer Änderung am Rechtsrahmen der Reduzierung der Ex-Ante-SMP-Regulierung, einer Regionalisierung der Märkte und symmetrischer Regulierung überhaupt, habe man "erhebliche Zweifel" . Das berge das Risiko, Wettbewerbern der Incumbents zu schaden. "Dies gilt erst recht bei einem potenziellen Zusammenwirken dieser Maßnahmen."
Wenig überraschend hatte auch diese Position keinen langen Bestand, seit die Telekom im Buglas sitzt. Der Verband plädiert im Positionspapier Buglas DNA Call For Evidence für eine geringere Regulierung marktmächtiger Unternehmen.
Ganz neue Sicht auf die Regulierung
"Der Buglas spricht sich dafür aus, der Marktentwicklung folgend die Regulierung neu zu justieren und anzupassen, beispielsweise von ex ante zu ex post. Buglas verfolgt das Ziel, einen Pfad zu etablieren, der die bisherige Ex-ante-Regulierung ablöst. In den Gebieten, wo Open Access marktverhandelt zu fairen, angemessenen und nichtdiskriminierenden Bedingungen angeboten wird, kann die Ex-ante-Regulierung schrittweise abgebaut und in eine Ex-post-Regulierung überführt werden."
Regionale Glasfasernetzbetreiber haben keine eigenen Mobilfunknetze und die dazugehörigen Frequenzen. Darum fordert der Telco-Verband Breko, VATM und bisher auch der Buglas, zusammen mit der Monopolkommission, eine Diensteanbieterverpflichtung.
Der Buglas befürwortete am 30. Juni und 8. Juli 2024 die Einführung einer Diensteanbieterverpflichtung zur Sicherstellung eines wirksamen Wettbewerbs im Mobilfunk (PDF)(öffnet im neuen Fenster) . Nach dem Eintritt der Telekom traf man dazu keinerlei Positionierung mehr. Dasselbe gilt für die Nutzung des oberen 6-GHz-Bands.
Buglas: Telekom ist ein aktives Mitglied unter vielen, das sich einbringt
Buglas-Geschäftsführer Maximilian Bunse sagte Golem auf Anfrage: "Die Behauptung, die Telekom habe sich einen Verband 'gekauft', weist der Buglas entschieden zurück. Der Buglas ist die Gesamtheit seiner Mitglieder und war weder in der Vergangenheit noch ist er heute oder künftig käuflich."
Richtig sei: Der Buglas habe sich in den vergangenen Jahren – insbesondere in den letzten zwei Jahren – verändert. Diese Entwicklung sei das Ergebnis mehrerer Faktoren, darunter Veränderungen in der Mitgliedsstruktur, ein neuer Vorstand sowie neue Impulse aus Politik und weiteren internen und externen Stakeholdern.
Dies betreffe nicht nur den Buglas, sondern sei in der gesamten Branche zu beobachten. "Während gemeinsame Ausbauvorhaben zwischen regionalen Stadtwerken und großen, international agierenden Konzernen vor einigen Jahren noch kaum vorstellbar waren, sind sie heute vielfach gelebte Praxis" , betonte Bunse.
"Losgelöst von alten Denkmustern und Feindbildern"
"Unser Anspruch ist es, die relevanten Fragen der ausbauenden Branche mit der Branche selbst zu diskutieren, so wie sie sich im Querschnitt der Buglas-Mitglieder abbildet, und dies losgelöst von alten Denkmustern und alten Feindbildern" , sagte er.
Man diskutiere Positionen kontrovers in den Gremien und führe sie in aller Regel zu tragfähigen Branchenkompromissen zusammen, so Bunse. Der Unterschied zu früher bestehe darin, dass diese Debatten "heute konstruktiv und sachorientiert innerhalb des Verbandes geführt" würden – nicht auf der öffentlichen Bühne.
In diesem Prozess sei die Telekom ein aktives Mitglied unter vielen, das sich einbringt, ebenso wie andere Unternehmen. "Dass Positionen kleinerer Unternehmen inzwischen auch Eingang in die eigene Positionierung der Telekom finden, bestärkt mich in diesem Vorgehen" , erklärte Bunse.
Es sei richtig, dass sich die "verglichenen Fragmente unserer Stellungnahmen unterscheiden" , räumte Bunse ein. Was in der Darstellung jedoch fehlt, sei die Einordnung, wie diese Unterschiede zustande kommen.
Der Autor meint:
Vodafone setzt seine Interessen in den Verbänden VATM und Anga durch, EWE ist im Breko tonangebend, dabei wird ein Ausgleich der verschiedenen Positionen der Mitglieder gesucht. Die Telekom hatte hier bisher keine solche Stimme – eine Lücke, die der Buglas nun füllt und dabei die bisherigen Positionen nahtlos aufgibt, ohne dies bisher transparent zu begründen.
Totaler Zufall also, dass sich die Positionen nach Eintritt der Telekom um 180 Grad gewandelt haben und nicht vorher? Das erinnert fast ein bisschen an George Orwells 1984.
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