Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Buglas: Wie ein Telco-Verband mit der Telekom seine Position aufgab

Jeder Telco-Verband vertritt die Interessen seiner Mitglieder. Diese können sich jedoch komplett ändern, wenn die mächtige Telekom dazukommt.
/ Achim Sawall
3 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Rodrigo Diehl, Deutschlandchef der Telekom, hält eine Keynote auf dem Buglas-Jahreskongress 2025 in München. (Bild: Buglas)
Rodrigo Diehl, Deutschlandchef der Telekom, hält eine Keynote auf dem Buglas-Jahreskongress 2025 in München. Bild: Buglas
Inhalt
  1. Buglas: Wie ein Telco-Verband mit der Telekom seine Position aufgab
  2. Gegen die Reduzierung der Regulierung der Telekom
  3. Buglas: Telekom ist ein aktives Mitglied unter vielen, das sich einbringt

Obwohl die Verbandsführung dies bestreitet, hat der Bundesverband Glasfaseranschluss (Buglas) nach Eintritt der Deutschen Telekom im September 2024 seine Position zu vielen wesentlichen Themen grundlegend geändert. Einige Monate zuvor hatte der Verband mit M-net und Netcologne zwei führende Mitglieder und große Beitragszahler verloren . Wie eine Recherche von Golem ergeben hat, betrifft die Änderung Fragen des Überbaus, der Kupfer-Glas-Migration, der Regulierung der Telekom und der Mobilfunk-Diensteanbieterverpflichtung.

In der Vergangenheit hatte der Buglas den Überbau/Doppelausbau von Glasfaser durch die Telekom massiv kritisiert. In der Praxis sei Doppelausbau zumindest in der Mehrzahl der Fälle weder volks- noch betriebswirtschaftlich sinnvoll, betonte der damalige Buglas-Geschäftsführer Wolfgang Heer im Gespräch mit Golem .

Dies verursache gesamtwirtschaftlich gesehen negative externe Effekte in Form von weiterer Verknappung der ohnehin angespannten Ressourcen, der Verunsicherung von Investoren und Bevölkerung und der Schaffung neuer und eigenwirtschaftlich noch unrentablerer Gebiete, die später zulasten der Allgemeinheit in zusätzliche Fördermaßnahmen liefen. Die von den Investoren angestrebte möglichst flächendeckende Versorgung Deutschlands mit echten Glasfasernetzen werde so "auf jeden Fall ausgebremst" , betonte er.

Überbau wird nicht mehr abgelehnt

Auch beim Buglas selbst heißt es (PDF)(öffnet im neuen Fenster) : "Solange eine Flächendeckung nicht in Sicht ist, ist es nach Auffassung des deutschen Glasfaserverbands gesamtwirtschaftlich ineffizient, bestimmte Gebiete doppelt zu erschließen und viele Gebiete gar nicht."

Nachdem die Telekom zu einem Buglas-Mitglied wurde, drehte sich diese Position radikal: Dem Branchenmagazin Teltarif.de sagte der Buglas am 30. Juli 2025(öffnet im neuen Fenster) nach einem Bericht der Bundesnetzagentur, dass die "behördlich festgestellte Tatsache, dass kein strategischer Überbau vorliegt" , zur Versachlichung der Debatte beitragen solle.

Wenngleich suboptimal, sei der Überbau nunmehr im Rahmen des "ordnungspolitischen Leitziels des Infrastrukturwettbewerbs" ein Stück weit systemimmanent und nicht vollständig vermeidbar. Der Buglas sei jedoch überzeugt und sehe sich durch den Bericht darin bestärkt, "dass dies nicht in einer Häufigkeit geschieht, die eine staatliche Intervention rechtfertigen würde" .

Kupferabschaltung nur, wenn die Telekom es erlaubt?

Ein weiteres wichtiges Thema in der Branche ist die Kupferabschaltung. Die Telekom will Kupfer nur dort abschalten, wo sie selbst Glasfaser ausgebaut hat. Das spart doppelte Betriebskosten und Ausgaben für die Instandhaltung. Wo der Marktführer selbst keine Glasfaser verlegt hat, will man DSL so lange laufen lassen, bis die letzten Kunden, die nicht wechselten, die Betriebskosten nicht mehr decken. In diesen langen Jahren kann die Telekom die bestehenden Netze der Konkurrenz überbauen, so ein mögliches Szenario.

Konkurrierende ausbauende Firmen lehnen das ab. Die Buglas-Position vor dem Eintritt der Telekom lautete: für eine schnelle und diskriminierungsfreie Migration von Kupfer auf Glasfaser und ein politisches Abschaltdatum. "Die flächendeckende, schnelle Migration von Kupfer- auf Glasleitungen ist ein essenzieller Baustein für die Netze von morgen. Hier bedarf es klarer Regeln, da eine schnelle Migration nicht im Interesse der marktmächtigen Unternehmen liegt, welche die Kupfernetze besitzen."

"Der Buglas begrüßt und unterstützt das politische Ziel der Abschaltung der Kupferkabelnetze bis 2030" , erklärte man zuletzt am 30. Juni 2024 (PDF)(öffnet im neuen Fenster) .


Relevante Themen