Buglas und Vatm: Rinnsale können "keine Glasfaser-Nachfrage entwickeln"
"Wenn man nur Rinnsale anbietet, kann sich keine Nachfrage nach Gigabit-Internet entwickeln." Das sagte VATM-Präsident und Vorstandsvorsitzender der 1&1 Telecommunication, Martin Witt, auf einem Diskurs von Buglas (Bundesverband Glasfaseranschluss) und Vatm (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten) (PDF)(öffnet im neuen Fenster) in Köln. Das Ifo-Institut hatte erklärt, dass zumindest mittelfristig ein flächendeckender Ausbau von Glasfaserverbindungen bis zum Endkunden (FTTH/B) "weder notwendig noch finanzierbar" sei.
Vor allem der Mittelstand und die Menschen in ländlichen Regionen bräuchten so schnell wie möglich leistungsfähige Gigabit-Infrastrukturen, sonst drohe in vielen Regionen eine Landflucht, meinte Witt. Der VATM-Präsident hob hervor, dass es gerade die Wettbewerber seien, die hier ausbauten. Er riet dazu, künftig ausschließlich Hochgeschwindigkeitsnetze staatlich zu fördern.
"Wenn das Ziel Glasfaserausbau bereits frühzeitig definiert worden wäre, hätte die Bundesnetzagentur beim Vectoring-II-Antrag der Telekom sicherlich eine andere Abwägung vornehmen können", sagte Iris Henseler-Unger, Direktorin und Geschäftsführerin des Wissenschaftlichen Instituts für Kommunikation (WIK). Sie war selbst Vizepräsidentin der Regulierungsbehörde.
Deutschland braucht neue Breitbandziele
Die Direktorin des FTTH-Council Europe, Erzsébet Fitori, sagte, das TK-Review der Europäischen Kommission sei eine gute Gelegenheit, in Deutschland zu prüfen, ob man die Ziele des Breitbandausbaus nicht revidieren müsse. Hier soll es Bewegung in der Netzallianz auf Ministerebene geben, hat Golem.de erfahren.
Beate Rickert, Geschäftsführerin von KPR Capital, kritisierte, dass kreative Lösungen für den Breitbandausbau auf dem Land längst an ihre Grenzen stießen. VDSL führe schon heute dazu, dass vielerorts FTTH/B-Anschlüsse für Geschäftskunden fehlten.
"Was den Gigabit-Ausbau in Deutschland betrifft", meinte Karl-Heinz Neumann, wissenschaftlicher Berater und ehemaliger Direktor des WIK, "war es eine verschenkte Legislaturperiode".
Inexio- Geschäftsführer David Zimmer, ein Glasfasernetzbetreiber aus dem Saarland, betonte, dass die größten Probleme für den Ausbau politische Unwägbarkeiten seien. "Sprunghaftigkeit ist der Tod des Glasfaserausbaus", sagte Zimmer. Gerade Investoren benötigten Rahmenbedingungen, die Planungsgarantie für mindestens 20 Jahre böten. Auch müsse die eigentliche Rolle der Bundesnetzagentur endlich klar definiert werden. "Ist sie nun Schiedsrichter oder Mitspieler?", fragte Zimmer.
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